Schönheitskur per Klebefolie: Hässliche Vitrinen jetzt versteckt

Die Werbenischen am Oberen Bahnhof waren bislang ein Ärgernis. Nun sieht man sie nicht mehr. Doch nicht für jeden ist das der große Wurf.

Waren hier nicht mal Vitrinen? Dies wird sich mancher Bahnreisende gefragt haben. Die Werbenischen sind noch da - unsichtbar hinter Folie. Nur zwischen Wartehalle und Gleis 1 gibt es noch gefüllte Vitrinen.

Von GUNTER NIEHUS

Die Erwartungen waren hoch. Nachdem der Verkehrsverbund Vogtland vor rund drei Wochen angekündigt hatte, die Vitrinen zwischen den Gleisen 2 und 3 neu zu gestalten, hatten viele gespannt auf die runderneuerten Werbenischen gewartet. Denn die schäbigen und meist leer stehenden Vitrinen sind fast das Erste, was Bahnreisende zu Gesicht bekommen, wenn sie Plauen erreichen.

Jetzt sehen Fahrgäste zwischen den Gleisen 2 und 3 tatsächlich keine hässlichen Werbenischen mehr - sie sehen gar keine Nischen. Der Verkehrsverbund hat sie alle überklebt. Dort finden sich jetzt ein Liniennetzplan, weitere Informationen rund um den Nahverkehr der Region sowie Werbung für Nostalgiezüge. "So war das von Anfang an geplant", sagte gestern Verkehrsverbunds-Geschäftsführer Thorsten Müller. Etwas in die Vitrinen reinzustellen, sei nie beabsichtigt gewesen. Optisch sind die überklebten Vitrinen aus seiner Sicht eine Verbesserung. "Sie werden außerdem von hinten beleuchtet", so Müller.

Der große Wurf ist das Ganze aus Sicht des Plauener CDU-Landtagsabgeordneten Frank Heidan trotzdem nicht. Heidan hatte die öffentliche Diskussion über die hässlichen Nischen im Herbst des vergangenen Jahres angestoßen. Das Überkleben selbst ist aus seiner Sicht übrigens gar nicht das Problem. "So was hat man auch an Flughäfen öfter", sagte der Abgeordnete. Die Ausführung bezeichnet der Politiker jedoch als "laienhaft".

Noch ärgerlicher ist aus seiner Sicht das Verhalten der Stadt. Die hatte sich nämlich verpflichtet, sich um die Vitrinen zwischen den Gleisen 4 und 6 zu kümmern. Dort sollen Vater-und-Sohn-Geschichten aufgeklebt werden. Passiert ist aber noch nichts. "Das ist eine Ignoranz sondersgleichen", schimpft Heidan. Wann die beliebten Figuren des Plauener Künstlers Erich Ohser Reisende in der Stadt willkommen heißen, steht nach Aussage von Rathaussprecherin Silvia Weck nach wie vor nicht fest.

Doch wann immer es losgeht: Am Überkleben als solches führt wohl kein Weg vorbei. Zwar sollen eigentlich Firmen die Nischen für Werbung nutzen. Doch Betriebe machen um den Oberen Bahnhof eher einen großen Bogen. Die Firma Ströer, die für die Werbung in Bahn-Immobilien zuständig ist, hat bislang keinen großen Ehrgeiz entwickelt, daran etwas zu ändern. Und wirkt überhaupt eher desinteressiert am Thema. Die "Freie Presse" hatte bei Ströer vor rund drei Wochen angefragt, was man am Oberen Bahnhof vorhabe. "Wir werden uns schnellstmöglich um die gewünschten Informationen kümmern und zeitnah wieder auf Sie zukommen", teilte die Werbefirma am 14. August mit. Seitdem herrscht Schweigen.

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