Schüler erinnern an KZ-Häftlinge im Vogtland

Es gab nicht nur Dachau und Buchenwald, sondern auch Mehltheuer und Plauen. Eine späte Ehrung für Sara Jatkowska.

Leubnitz.

Von Sara Jatkowska existiert weder ein Bild, noch gibt es Aufzeichnungen. Und doch wird die Erinnerung an die 1901 im polnischen Lodz geborene Frau bleiben. Und das ist Verdienst von Schülern des Plauener Diesterweg-Gymnasiums. Sie haben im Rahmen des Pegasus-Projektes eine Broschüre erarbeitet, die für den Unterricht im Plauener Raum vorgesehen ist. Und sie haben damit auch einen mit 500 Euro dotierten Preis erhalten.

Die aus Osteuropa deportierte Zwangsarbeiterin Sara Jatkowska lebte und starb in Mehltheuer in einer Außenstelle des Konzentrationslagers (KZ) Flossenbürg. Sie kam dort 41-jährig ums Leben und wurde im März 1945 von SS-Männern beerdigt - nur sechs Wochen vor der Befreiung der KZ-Außenstelle durch US-amerikanische Truppen.


Diese und andere Biografien haben die Plauener Gymnasiasten aufgearbeitet. In einer Projektgruppe Pegasus - Schüler adoptieren Denkmale - haben sich die Zwölftklässler auf eine schwierige, spannende und nachdenklich machende Spurensuche begeben und festgestellt: Ja, da sind im Raum Plauen jede Menge Zwangsarbeiter teils brutalst ausgebeutet und zusammengepfercht gewesen. 350 Zwangsarbeiterinnen waren es in Mehltheuer: dort, wo sich nach 1990 Presse-Weigelt angesiedelt hat. 200 jüdische Zwangsarbeiterinnen mussten im Gebäude der Baumwollspinnerei in Plauen an der Hans-Sachs-Straße für Osram Glühlampen herstellen (heute Kaufland). Ebenfalls für Osram schufteten 150 Frauen unweit des heutigen Möbelhauses Biller. 50 Arbeiter stellten auf dem Plauener Plamag-Gelände Geräte für Flugzeuge her.

Geschichtslehrerin Kirsten Luban-Welsch würdigte die Arbeit ihrer Schüler, die jetzt allesamt das Abi in der Tasche haben, und warnte davor, den Nationalsozialismus zu verharmlosen. Gemeinsam übergaben die Diesterweg-Gymnasiasten ihre Broschüre an Pfarrer Rainer Zaumseil. Ohne die Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit Schuld und Belastungen, "kann kein Frieden entstehen", betonte Zaumseil. Auch Schulleiterin Petra Engelhardt, die bei dem Termin Flagge zeigte, stimmte zu: "Das ist in der heutigen Zeit wichtig für die Jugend."

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