Schusswaffen: Mängel bei jeder dritten Kontrolle entdeckt

Der Grünbacher, der seine Gewehre falsch aufbewahrte, ist kein Einzelfall. Es gibt viele Verstöße, und sie können teuer zu stehen kommen.

Auerbach/Plauen.

Eine hohe Gebühr, zusätzlich eine gerichtliche Geldstrafe, und dann sind auch noch alle Waffen futsch: Die Nachlässigkeit bei der Aufbewahrung seiner Gewehre ist einem Grünbacher kürzlich teuer zu stehen gekommen ("Freie Presse" berichtete). So hart trifft es nur wenige Waffenbesitzer - doch bei den Kontrollen des Landratsamtes gab es in den beiden letzten Jahren immerhin in jedem dritten Fall Verstöße gegen die strengen Vorschriften, teilt die Pressestelle des Vogtlandkreises mit.

Demnach kamen die Kontrolleure 2017 in 118 Fällen in die Häuser von vogtländischen Sportschützen, Jägern oder Waffensammlern, um die korrekte Aufbewahrung von Waffen und Munition zu überprüfen. In 38 Fällen (32 Prozent) gab es dabei Mängel. 2018 ein ganz ähnliches Bild: In 111 Fällen wurde kontrolliert, in 37 Fällen (33 Prozent) gab es Beanstandungen.

Falsch machen können Waffenbesitzer viel: Es genügt nicht, dass die Schießeisen in speziellen Schränken eingeschlossen sind, sie dürfen zum Beispiel auch nicht geladen sein, außerdem sind Waffen und Munition getrennt aufzubewahren. Wichtig ist zudem, dass nur der Besitzer selbst den Kontrolleuren die Waffen zeigt - außer ihm darf offiziell niemand wissen, wo der Schlüssel zum Schrank ist. "Doch in nahezu allen Fällen wissen die Ehepartner, wo sich die Schlüssel befinden", wird auf der Internet-Seite einer Jägervereinigung eingeräumt. Wenn Familienangehörige in Abwesenheit des Besitzers aufschließen, sei dessen waffenrechtliche Unzuverlässigkeit nachgewiesen. "Es wird dann ein verwaltungsrechtliches Verfahren sowie zwei Strafverfahren gegen den Waffenbesitzer und den Dritten eingeleitet." Jagdschein und Waffen seien für mindestens fünf Jahre weg.

In wie vielen Fällen im Vogtland Strafverfahren eingeleitet oder die Erlaubnis zum Waffenbesitz widerrufen wurden, dazu gebe es keine Erhebung, so der Vogtlandkreis. Bekannt ist die Zahl der Ordnungswidrigkeitsverfahren nach Kontrollen: 2017 wurden 24 eingeleitet, 2018 23. Bei solchen Verfahren sind Bußgelder zwischen 50 und 10.000 Euro möglich. Bei leichten Verstößen gibt's mündliche Verwarnungen.

Auch die Kontrolle selbst kann eine Gebühr kosten - wenn es einen Verdacht gibt oder eine zweite Anfahrt notwendig wird, weil eine erste Kontrolle verweigert wurde. Dafür sind laut Pressestelle Gebühren zwischen 50 und 500 Euro möglich.

Eine solche Gebühr musste auch der erwähnte Grünbacher berappen - zusätzlich kam er vor Gericht, weil er Einspruch gegen einen Strafbefehl einlegte. Immerhin konnte er seine Geldstrafe so von 500 auf 260 Euro reduzieren. Zuvor hatte er auf den Staat geschimpft, der ihm wegen Kleinigkeiten "einen Strick drehen" wolle. Aus Sicht von Konrad Gerisch, der am Auerbacher Neumarkt auch Waffen verkauft, ist das kompletter Unsinn: "Wenn jemand solche Probleme bekommt, hat das meistens eine Vorgeschichte." Die Kontrollen im Vogtland seien keinesfalls überzogen, meint er.


Waffen im Vogtland

Verdachtsunabhängige und unangekündigte Kontrollen von Waffen in Wohnungen sind seit 2010 möglich. Im Vogtland laufen sie seit 2014.

Die Zahl der Sportschützen (aktuell 1255) und Jäger (966) ist erneut gestiegen (2017 waren es 1252 bzw. 915). Außerdem gibt es zehn Waffensammler. Die drei Gruppen verfügen über 8344 Langwaffen (Gewehre) und 4111 Kurzwaffen (Pistolen).

Gestiegen ist auch die Zahl der Kleinen Waffenscheine (berechtigt zum Führen von Reizgas-, Schreckschuss- und Signalwaffen): Ihn besitzen 1214 Vogtländer (2017 rund 1000).

Insgesamt drei so genannte Reichsbürger verloren 2017/18 im Vogtlandkreis ihre Waffen-Erlaubnis. (bap)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...