Schwarzfahrer nutzen Mundschutzpflicht aus

Fast alle Fahrgäste halten Mund und Nase bedeckt. Der Nahverkehr setzt in Bussen und Bahnen auf gutes Miteinander.

Der öffentliche Nahverkehr wird nach den seit Montag gültigen Lockerungen der massiven Ausgangsbeschränkungen wieder hochgefahren. So drehen die Plauener Straßenbahnen jetzt wieder nach dem Samstagsfahrplan ihre Runden, also alle 15 Minuten. Die verstärkte Frequenz soll dem gestiegenen Andrang Rechnung tragen und zugleich den Fahrgästen die Einhaltung der Mindestabstände ermöglichen. "Es ist sehr gut angelaufen", sagt Barbara Zeuner, die Geschäftsführerin des Plauener Straßenbahnbetriebes (PSB). Das umfasst auch die Pflicht zum Tragen der Atemschutzmasken. "99 Prozent unserer Fahrgäste halten sich daran", berichtet die PSB-Chefin.

Doch ein neues Problem sorgt bei Fahrern, Mitarbeitern und Geschäftsführung des Straßenbahnbetriebes für Verdruss. Die Zahl der Schwarzfahrer sei extrem angestiegen. Da Tickets zurzeit nicht kontrolliert werden, nutzt das mancher als Freibrief. Nicht die älteren Fahrgäste und Stammkunden verhalten sich so, aber unter den jüngeren sei das Fehlverhalten verbreitet. "Alle reden von solidarischem Verhalten", sagt Barbara Zeuner, da passt doch so etwas nicht dazu.

Gute Erfahrungen bei der Einführung der Schutzmasken hat der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland insgesamt gemacht. "Die Fahrgäste sind gewissenhaft - und schon der erste Tag zeigte, dass die Vorgaben eingehalten werden", erklärt Verbands-Geschäftsführer Michael Barth. Kommt es dennoch zu Verstößen, weisen die Busfahrer ihre Fahrgäste freundlich auf die Pflicht hin. Dabei werden neben klassischen Mund-Nasen-Bedeckungen auch Schals und Tücher akzeptiert. Generell gilt: Der Nahverkehr setzt auf Einsicht und gutes Miteinander.

Mancher Fahrgast fragt: Wieso tragen die Fahrer keine Masken? Doch in Bussen und Straßenbahnen ist der Einstieg vorn nicht gestattet. Straßenbahnfahrer sind zusätzlich geschützt, weil sie in einer Kabine sitzen. In Bussen indes bleiben die ersten Sitzreihen frei. Auch bei Kleinbussen gibt es eine vorübergehende Abtrennung. Sollten Bus- und Straßenbahnfahrer auf Tuchfühlung gehen müssen, so hat jeder eine Maske griffbereit liegen.

4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    0
    Alcapone
    22.04.2020

    Conny du hast wie so oft völlig recht. Einig sind wir uns aber doch alle, dass wir uns kostenlosen Nahverkehr so nicht vorstellen. Früher musste ich als Kind noch mein Ticket beim Fahrer vorzeigen. Lösungsvorschlag: vorne einsteigen mit Abstand hinten raus.

  • 22
    0
    Conny
    22.04.2020

    Schon klar, ich finde nur die Überschrift des Artikels irreführend - die Schwarzfahrer nutzen ja nicht die Mundschutzpflicht aus, sondern die Tatsache, dass nicht kontrolliert wird momentan.
    Das war auch schon in den letzten Wochen so und hat keinen Zusammenhang mit der jetzt neu geltenden Pflicht zum Mund-Nasenschutz in der Bahn.

  • 2
    8
    Alcapone
    22.04.2020

    @Conny: ich vermute es hängt mit den 1,5 -2 m Abstand zusammen und im Gegensatz zum Supermarkt ist da auch keine Plane dazwischen. Es könnte aber auch betriebswirtschaftliche Kalkulation sein: Personalkostenersparnis höher als Ertrag aus Tickets.

  • 19
    3
    Conny
    22.04.2020

    Was hat die Mundschutzpflicht jetzt damit zu tun, dass Leute aufgrund fehlender Fahrscheinkontrollen schwarz fahren?