Sein Wunsch: die Syra freilegen

Wo Probleme sind, sehen sie berufsbedingt Lösungen: Architekten. Die "Freie Presse" stellt Plauens Planer und ihre Ideen für die Stadtentwicklung vor. Heute: Günter Wetzel.

Plauen.

Günter Wetzel steht nicht gern im Vordergrund, dabei hat er allen Grund, stolz auf seine kreative Arbeit zu sein. Seit mehr als drei Jahrzehnten prägt der in Niemegk bei Bitterfeld geborene Architekt aus städtebaulicher Sicht das Antlitz Plauens mit. Er hat zum Beispiel die Kindertagesstätte Sonnenblume in der Elsteraue konzipiert und neu gebaut, die Stadtvilla in der Weststraße und den Indoor-Spielplatz im Mammengebiet betreut. Ein Herzensprojekt von ihm war auch die Schiffsanlegestelle an der Talsperre Pöhl. Und gerade liegt das in monolithischer Bauweise entstandene Wohnhaus an der Gabelsbergerstraße in den letzten Zügen. Dort, wo früher die Wände Ohren hatten - auf dem Areal der ehemaligen Stasi-Villa - ziehen demnächst erste Mieter ein.

"Wir beschäftigen uns mit Neubau und Sanierung. Hauptaugenmerk liegt auf dem Schließen von Lücken", sagt Wetzel über seine beruflichen Ambitionen. Geht nicht, gibt's bei ihm nicht, glaubt man einem Wandschildchen in seinem Besprechungszimmer. Wichtig sind ihm Räume mit viel Licht und reichlich Grün ums Haus, sagt er. Solche grünen Oasen könne er sich auch auf dem Topfmarkt vorstellen. Er sieht den nackten Platz, wenn er aus dem Fenster seines Büros schaut.


Naturverbunden wie Wetzel ist, trägt er seit längerer Zeit eine Idee für den Plauener Städtebau mit sich: "Ich wünschte, man würde die Syra freilegen." Auf rund einem Kilometer wird der Bach noch immer verrohrt unter der Innenstadt hindurchgeführt - auch dort, wo Wetzel am liebsten zentrales Wohnen anbieten würde: an der Melanchthonstraße in Höhe der früheren Tankstelle. Heute parken dort Busse. In seinen Augen ist es schade um das Areal.

Nach Plauens städtebaulicher Katastrophe befragt, muss er nicht nachdenken. Wie einigen seiner Kollegen auch ist ihm das Einkaufszentrum Die Kolonnaden am Postplatz ein Dorn im Auge. Er finde es bedauerlich, dass die Reichsstraße auf die Weise "dichtgemacht" worden sei, dass man beispielsweise keinen unverbauten Blick mehr habe auf das laut Wetzel "wunderbare Gebäude", in dem sich einst die Schmidt-Bank befunden hatte.

Mitte der 1980-er Jahre hatte der verstorbene Bauplaner Rudolf Porzky Wetzel ins Vogtland geholt: "Das war im Zusammenhang mit einem Architektur-Wettbewerb im damaligen Karl-Marx-Stadt, in dessen Jury Porzky saß", erinnert sich Wetzel. Er begann im Stadtplanungsamt des Rathauses unter Franz Kirsch. Und da es den Sachsen-Anhalter ohnehin mehr in die Berge zog als ins Flachland, war die Wahlheimat Plauen recht schnell beschlossene Sache. Erst recht, nachdem er seine Frau genau hier kennen gelernt hat.

Unmittelbar nach der Wende machte sich Wetzel selbstständig. Sein Büro befindet sich heute in der Straßberger Straße 1. Von dort aus generiert er Aufträge hauptsächlich im Vogtland. Ans Aufhören denke er noch lange nicht, verrät er. Der Mann fühlt sich topfit, wie er versichert. Er ist gern zuhause, da gibt es für ihn immer etwas zu tun.

Auch die beruflichen Ideen gehen ihm nicht aus. Momentan habe er "etwas Neues" im Kopf, eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe schwebt ihm vor.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    Tauchsieder
    11.09.2019

    Das wird wohl immer ein Wunsch bleiben. Dagegen hat sich die Stadt Plauen mit der Genehmigung des Baus der "Stadtgalerie" entschieden. Obwohl vielen Plauenern die Freilegung der Syra und die Wiederherstellung der Lohmühlenanlage ein Herzenswunsch war, entschied man sich für diesen Einkaufstempel.



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