Selbstscanner oder Laufband: Ein Wettkauf gegen die Uhr

In 13 Minuten shoppten zwei Redakteure bei Globus in Weischlitz um die Wette. Selbst scannen oder abkassieren lassen: Wer hat die Nase vorn?

Weischlitz.

Piep macht's bei beiden: den neuen Selbstbedienungskassen mit Scanner und dem Klassiker mit Laufband und Kassierer. Seit Kurzem können Kunden mit einem Handscanner schon beim Einsammeln von Klopapier, Milch & Co. erfassen, was alles kostet. Aber wo piept's schneller? Die "Freie Presse"-Redakteure Gunter Niehus und Elsa Middeke wollten es genau wissen und sind im Globus-Markt beim Einkauf gegeneinander angetreten. Bewaffnet mit identischem Einkaufszettel, Korb und Stoppuhr. Der Sieger hatte klaren Vorsprung.

Elsa Middeke: Rein in den Markt, Korb geschnappt, Einkaufsliste raus. Los geht's.

Gunter Niehus: Erst mal zu den Scannern und die Kundenkarte gezückt. Deren Strichcode unter ein Lesegerät gehalten. Einer der Handscanner im Regal leuchtet auf. Den soll ich nehmen. Erledigt! Jetzt geht der Einkauf los.

Elsa Middeke: Schnell füllt sich der Korb. Die losen Äpfel in der Tüte muss ich nicht abwiegen - das macht ja seit Kurzem die Frau oder der Mann am Ende des Kassenlaufbands.

Gunter Niehus: Ich fang mit der Schokolade an. "Piep" und rein in den Korb. Das ging fix. Nun liegt der Süßkram neben dem Scanner. Ein bisschen im Weg ist das Teil. Bei den Äpfeln bin ich irritiert. Ich muss sie abwiegen. Wo ist die Waage? Gefunden! Nun noch die Warennummer eintippen. Wo finde ich die? Zurück zu den Äpfeln. Da steht sie ja. "Piep".

Elsa Middeke: Wo haben die bloß den Feta einsortiert? Ich renne die Käseregale auf und ab. Der Kollege hat bestimmt schon alles zusammen ... Ah, da liegt ja der Schafskäse! Und ab ins Körbchen. Wo geht's zur Kasse?

Gunter Niehus: Feta? Feta? Irgendwo muss er doch .... Dann packe ich halt erst mal den Joghurt ein. "Piep". Oh! Da ist ja der Feta. "Piep".

Elsa Middeke: Feta, Joghurt, Olivenöl, Schokolade, Äpfel und Gin: Check. Als ich mich an eine der Kassenschlangen anstelle, sehe ich den Kollegen das neue Terminal entern. Bis jetzt liegen wir also Kopf an Kopf. Beziehungsweise Kasse an Kasse.

Gunter Niehus: Wie war das noch? Ach ja, mit dem Scanner auf den Strichcode neben dem Kassenbereich "schießen". Nun nur noch die Kundenkarte an das Lesegerät an der Kasse halten. Oh! Ich bin für eine Stichprobe ausgewählt. Ein Mitarbeiter kommt und guckt, ob ich auch brav alle Produkte korrekt eingescannt habe. Das kostet wertvolle Zeit beim Wetteinkauf. Andererseits: Das Kassensystem hätte eh jemanden wegen des Gins alarmiert. Irgendwer muss ja gucken, ob ich schon 18 bin.

Elsa Middeke: Die Kundin vor mir erledigt ihren Wocheneinkauf, der Menge der Waren auf dem Laufband nach zu urteilen. Auch wenn es neuerdings statt drei Meter viereinhalb Meter lang ist, muss ich warten. Als Platz frei wird, packe ich meine Sachen drauf. In der Wartezeit ein Blick auf die Stoppuhr. Dann bin ich an der Reihe. Die Kassiererin fängt an, meine Einkäufe zu scannen: "Piep".

Gunter Niehus: Der Bildschirm vor mir zeigt den Endbetrag an. Zweimal auf den Bildschirm vor mir tippen, dann kann ich die Kreditkarte einschieben. Mit einem elektronischen Stift unterschreibe ich. Fertig! Meine Zeit: 10,06 Minuten. Wo ist meine Kollegin? Ach ja, da in der Kassenschlange.

Elsa Middeke: Stück für Stück räume ich meine Einkäufe in eine Tasche. Stopp: Die Mitarbeiterin muss vor dem Abwiegen erst mal die Warennummer der Äpfel suchen. Die Uhr tickt. Jetzt noch der Wacholderschnaps. "Sie sind doch schon über 18, oder?" Personalausweis raus, vorzeigen, wieder rein. Nun ist Bezahlen angesagt. Mit der EC-Karte. Rein ins Gerät, Pin eintippen, es arbeitet vor sich hin, fertig. Karte raus, Kassenzettel mitnehmen, Einkaufsbeutel auch. Meine Zeit: 13,18 Minuten.

Fazit: Bis zur Kasse ist es mit dem Scanner ein klein wenig komplizierter. Aber ab dann ist das neue System definitiv schneller - erst recht, wenn der Wagen so richtig vollgekracht ist. Nutzen kann das aber nur, wer eine Kundenkarte hat.


So funktioniert das neue Bezahl-System im Globus

Grundprinzip: Wer eine Globus-Kundenkarte besitzt, kann sich nun am Eingang des Marktes einen Handscanner auf den Einkaufsbummel mitnehmen. An der Kasse kann der Kunde all seine gescannten Einkäufe im Wagen lassen. Denn das Gerät übermittelt den Gesamtpreis an die Kasse. Der Kunde muss nur noch bezahlen. Kleiner Nebeneffekt: Der Scanner zeigt während des gesamten Einkaufs an, für wie viel Euro bereits Ware im Wagen liegt.

Kontrolle: Die Mitarbeiter machen Stichproben, ob auch wirklich alle Waren im Wagen eingescannt wurden.

In Zahlen: 5 Selbstbedienungskassen, 14 herkömmliche Kassen. Seit Einführung von "Scan & Go" 2000 neue Anmeldungen für das System. 140 Handscanner an zwei Stationen. Rund ein Drittel der 46 deutschen Globusmärkte haben nach Angaben von Marktleiterin Kitty Fischer mittlerweile Handscanner. Laut Fischer ist der Globus vogtlandweit der einzige Markt mit diesem System.

Zielgruppe: Kunden aller Altersgruppen nutzen Fischer zufolge das System.

Ziel: Laut Aussage der Markleitung ist das neue System eingeführt worden, damit es für die Kunden schneller geht. Zu Personaleinsparungen soll es ausdrücklich nicht führen.

Verbraucherschutz: Claudia Neumerkel von der Plauener Verbraucherzentrale sieht sowohl Vor- als auch Nachteile bei "Scan & Go": Für Kunden entfielen die "lästigen Zwischenschritte", die Waren aufs Kassenband und wieder zurück in den Korb zu räumen - besonders vorteilhaft für Großeinkäufer, Eilige oder ältere Kunden, die ihr eigenes Tempo bevorzugten. Kritik übt Neumerkel daran, dass der Kunde durch den Einsatz der Kundenkarte "gläsern" werde: Persönliche Daten und Einkaufsverhalten gingen für Werbezwecke ans Unternehmen. Außerdem: "Der Kunde haftet bei Beschädigungen oder Verlust für den Scanner", merkt die Verbraucherschützerin an.

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