Sensation: Ornithologe entdeckt Rebhühner nahe Thierbach

Ungewöhnliche Beobachtungen tauschen die Ornithologen alle halbe Jahre während einer Tagung aus. Udo Schröder aus Ranspach machte eine solche.

Thierbach/Taltitz/Pöhl.

Ende Februar entdeckte Ornithologe Udo Schröder aus Ranspach bei Pausa auf einer Brachfläche nahe Thierbach drei Rebhühner. Für die Ornithologen der Fachgruppen Reichenbach, Plauen und Auerbach war diese Information jetzt zur Frühjahrstagung im Pfaffengut der Knaller schlechthin. "Wo kommen die denn her?" fragte Stephan Ernst aus Klingenthal. "Das ist ja so, als wenn jemand die Sichtung eines Dinosauriers meldet", konnte auch Thomas Hallfahrt aus Plauen diese Information kaum glauben. Ob es sich um freigelassene oder entwischte Zuchtvögel handelt oder diese seltenen Vögel tatsächlich auf natürliche Weise den Weg ins Vogtland fanden, konnte Schröder nicht sagen.

Während ihrer Tagungen informieren die Ornithologen regelmäßig über außergewöhnliche Beobachtungen und stellen Projekte vor. Werner Limmer hält sich bevorzugt am Vogelschutzbecken, einem Teich in Nähe der Pirker Talsperre auf. Dort erfasst er die Zahl der rastenden Stare. Das Vogelschutzbecken gilt als wichtigster Schlafplatz für Stare im gesamten Vogtland. Im Oktober vorigen Jahres sammelten sich dort rund 17.000 dieser Vögel auf dem Weg Richtung Süden. So manchem Star scheint der Weg zum Überwinterungsquartier zu lang zu sein und er bleibt hier. 150 solcher zugfaulen Vögel registrierte Limmer in diesem Jahr. 450 waren es ein Jahr zuvor. "Es gab aber auch schon Winter ohne Stare am Vogelschutzbecken", so Limmer weiter. Zu den Superlativen konnte auch Hallfahrt seinen Teil beitragen: 2800 Möwen auf der Talsperre Pöhl - ein Spitzenwert in dieser Vogelzug-Saison. Immer etwas zu sehen gibt es auch am Adlersteich in Reimersgrün. Hartmut Lange, Leiter der Ortsgruppe Reichenbach, zählt auf, was ihm dort vors Fernglas gekommen war: Graugänse, Nilgänse, Kiebitze, Gänsesäger und Silberreiher.

Karl Heinz Roth von der Reichenbacher Fachgruppe konnte über eine erfolgreiche Ansiedlung von Wanderfalken auf der Burg Mylau berichten. Sieben Nistkästen hatten Naturschützer dort angebracht. Wanderfalken zogen voriges Jahr auf der Burg drei Jungvögel groß. Um die Tiere während ihres Brutgeschäftes nicht zu stören, wurde ein Teil der Burg für Besucher gesperrt. Veranstaltungen mit Lasershow oder Feuerwerk durften nicht stattfinden. Auch aus anderen Orten, so aus Neumark, Elsterberg und Plauen berichten Ornithologen über eine erfolgreiche Ansiedlung der größten Falkenart.

Neben Kartierungen und Beobachtungen, die in einem jährlichen Bericht zusammengefasst und unter anderem der Naturschutzbehörde des Landratsamtes zur Verfügung gestellt werden, betreiben die Ornithologen auch aktiven Vogelschutz. Sie betreuen im Vogtland viele hundert Nistkästen für die unterschiedlichsten Vogelarten. Manchmal sehen sie sich aber auch genötigt, gegen den Widerstand von Behörden die Interessen des Naturschutzes durchzusetzen. Besonders ärgerlich sei es, wenn gewählte Politiker vorhandene Gesetzte einfach ignoriere oder noch schlimmer, dagegen vorgehen. Die Ereignisse um den unerlaubt gebauten Elsterradweg seien ein Beispiel. Ein anderes Beispiel nannte Michael Thoß, der Leiter der Auerbacher Ortsgruppe. Ungezählte Stunden investierte Thoß in das Bemühen, die angesiedelten Birkhühner am Erzgebirgskamm nicht wieder durch Aufforstung zu vertreiben. "Eigentlich ist es die Aufgabe des Freistaates, Maßnahmen zum Erhalt des Lebensraumes in die Wege zu leiten", so der Ornithologe. Stattdessen musste Thoß als Gutachter bei Anhörungen fungieren, um schließlich einem Artenhilfsprogramm den Weg zu bereiten. "Es geht nur schleppend vorwärts", zog Thoß eine erste Zwischenbilanz.

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