Sensible Behörden sitzen wie auf dem Präsentierteller

Vorne hui, hinten pfui: Die Rückseite des Landratsamtes hat nicht nur ein Schmutz-Problem. Durch die Fenster kann man die Angestellten beobachten. Sie verwalten die sensibelsten Daten des Kreises.

Plauen.

Ein Spaziergang über die Forststraße in Plauen. Das ist jene Straße, die an der Rückseite des neuen Landratsamtes liegt. Wer dort stehen bleibt, kann schnüffeln: Was steht an den Aktenordnern der Kämmerei? Tippt jemand Krankenstandsdaten in den Rechner? Die Glasfassade lässt tiefe Einblicke zu.

Die Mitarbeiter, deren Schreibtische dort stehen, dürften davon alles andere als begeistert sein. Manche winken, wenn man durch ihr Bürofenster guckt. Manche versuchen es mit Ignoranz.


In der unteren Etage werden besonders sensible Daten verwaltet. Die Büros gehören zur Finanzverwaltung und zum Gesundheitsamt. Kredite, Haushaltsplan, Sonderausgaben - sämtliche Geldgeschäfte des Vogtlandkreises gehen über diese Schreibtische. Viele Daten unterliegen dem Datenschutz, gerade im Gesundheitsamt. Die Behörden-Spitze sieht die Sache entspannt. "Schaulustige gab es bisher nicht. Sie hätten auch nichts zu sehen", sagt Volker Neef, Mitarbeiter des Landrats.

Scheuklappen haben die Computer-Bildschirme seiner Erdgeschoss-Kollegen keine. Aber sie stünden so auf den Arbeitsplätzen, dass von außen keine Daten oder Inhalte erkennbar seien. Die Untersuchungszimmer des Gesundheitsamtes sind nicht zu sehen, so Neef. Die liegen geschützt an der Innenhof-Seite.

Kurz vor dem Jahreswechsel waren rund 600 Kreis-Angestellte in den 50 Millionen Euro teuren Gebäudekomplex eingezogen. Neef zufolge gibt es eine Erklärung dafür, dass Finanz- und Gesundheitsbehörde an der Promenade sitzen. Man habe organisatorische Abläufe, Besucherrelevanz, Ämterstrukturen und Mitarbeiterzahlen berücksichtigen müssen. Für die Kasse sei eine zentrale Lage wichtig, und deshalb sei auch die übrige Finanzverwaltung dort angesiedelt.

Die Verwaltung will den Ball flach halten. Das Problem, dass Mitarbeiter wie auf dem Präsentierteller sitzen, soll sich bis zum Sommer klären. Bis Mitte Juli erhalten die Büros Plissees als Sicht- und Sonnenschutz. Auch Außenjalousien sind bis dahin für die Glasfassade vorgesehen. Die fehlen immer noch, und deshalb greifen die Beschäftigten zur Selbsthilfe und haben ihre Fenster zum Teil mit Papier zugeklebt. Das neue Landratsamt war deshalb vor wenigen Tagen erst in die Kritik geraten.

Während es vorne blitzt, wirkt die Rückseite verdreckt und verlottert. Das ist an der Verwaltungsspitze nicht vorbeigegangen. Hinten seien noch Restarbeiten fällig, sagt Neef. Es fehle noch die letzte Putzschicht. Bis Juli komme das Malerunternehmen auf die Baustelle, um die Farbe aufzutragen. Bis dahin bleibt die Fensterfront schmutzig. Gereinigt wird erst, wenn alles fertig ist, sagt Neef. Der Putz-Auftrag ist bereits ausgeschrieben worden. Die Fensterputz-Kolonne kommt einmal im Jahr.


Kommentar: Die äußere Erscheinung

Das Erscheinungsbild des neuen Landratsamtes in der Plauener Innenstadt lässt zu wünschen übrig. Nicht nur im übertragenen, auch im wortwörtlichen Sinne. Ein über die Stadt hinaus strahlendes Schmuckstück war das frühere Kaufhaus Tietz, und die jetzt dort eingezogene Behörde sollte es auch sein. Sorry, aber seit Wochen zugepappte und ungeputzte Fenster im 50-Millionen-Euro-Bau gehen da gar nicht. In solchen Äußerlichkeiten manifestiert sich aber, wie derzeit der Umgang der Kreisverwaltung mit der Öffentlichkeit ist. So richtig in einer neuen Ära angekommen ist sie noch nicht.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    Zeitungss
    04.05.2017

    Tauchsieder, sie wird es nicht herausbekommen, wenn im Vogtland etwas geheimgehalten wird, sind es die Kosten, welche von der öffentlichen Hand verursacht werden. Dieser Bau ist nur ein Beispiel von vielen, wie die Vergangenheit gezeigt hat, was allerdings auch niemand wirklich wissen möchte. So ist er nun mal, der Vogtländer !

  • 4
    2
    Tauchsieder
    03.05.2017

    Aber hallo Leute, was will man denn schon für über 50 Millionen ? erwarten. Hat zwar den Charme eines russischen Verwaltungstrakts, aber wer kommt schon zur Hoftür rein.
    Die Mitarbeiter kann man aber gut verstehen, wer will denn schon beim sinnieren oder Nachdenken oder anderen schweißtreibenden Arbeiten beobachtet werden.
    Vielleicht wäre es mal ganz interessant, ob die Redaktion der "FP" (Fr. Müller) herausbekommt, was dieser Bau in seiner Gesamtheit gekostet hat.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...