Siesta, Sonnenhut, Siesta: So stecken Plauener die Hitze weg

Dieser Juni ist der heißeste seit 1881. Das Gesundheitsamt verschickt Hinweise für die Heißzeit, die Straßenbahn-Gleisbauer bekommen Sonnencreme geschenkt. "Freie Presse" hat Hitze-Tipps gesammelt.

Plauen.

Die Pressemitteilung Nummer 86/19 kommt vom Amtsarzt. Titel: "Extreme Hitze - wie komme ich gesund durch diese Zeit?" Die Liste aus dem Landratsamt klingt nach einem abgespeckten Hitzefrei für Erwachsene. Denn körperliche Belastungen sollen vermieden werden. Ein Hitzschlag ist lebensgefährlich.

Das größte Risiko haben die Gruppen, die für extreme körperliche Belastungen besonders empfänglich sind. Kleine Kinder, alte Menschen, psychisch und chronisch Kranke sollten jetzt besonders auf sich aufpassen, empfiehlt das Gesundheitsamt.


Christa Süß  (77) aus dem Seniorenbeirat hat immer eine Wasserflasche in ihrer Handtasche, wenn sie die Wohnung verlässt. Sie steht halb sechs auf, lüftet und lässt die Rollos runter. Mittags bleibt sie daheim und nimmt sich hitzefrei. "Wir haben die Siesta in Mitteleuropa eingeführt", sagt ihre Freundin Renate Roth (76). Die beiden Frauen liefen am Dienstagvormittag durch die aufgeheizte Stadt, weil sie sich einen Polizei-Vortrag über Schutz vor Betrügern und Einbrechern anhören wollten. Am frühen Morgen hat Christa Süß ihr Dienstagsprogramm abgespult: "Ich habe trotzdem Eintopf gekocht für die Weberhäuser, auch für die Handwerker." Jede Woche bringt sie einen großen Topf an den Mühlgraben, sagt sie. Dieses Mal Weißkrauteintopf.


Straßenbahn-Chefin Barbara Zeuner hat in ihrem Betrieb drei Weichen gestellt, damit die Beschäftigten bei Laune bleiben. Das Verwaltungsgebäude hat Außenjalousien, das halte die Büros drei bis vier Grad kühler. Nummer zwei ist Gratis-Sprudelwasser für die Mitarbeiter. Dritte Aktion im Hitzeplan: "Die Gleisbauer bekommen von uns Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50 plus, damit sie sich nicht verbrennen." Während die Fahrerkabinen in den Bahnen Klimaanlagen haben, läuft im Rest nur das Gebläse. Die Bahn halte alle 400 Meter und öffne die Türen, damit es durchzieht.


Karlheinz Wunderlich (84) stellt sich in die Stadt, da kann die Sonne noch so stark einheizen. Er gehört seit 60 Jahren zu den Zeugen Jehovas und steht mehrmals pro Woche auf dem Postplatz, um Glaubensbroschüren zu verteilen. In diesen Tagen sucht er sich sein Plätzchen dort, wo die Bäume ihren Schatten hinwerfen. Er muss nicht, sagt er: "Aber wenn ich morgens aufstehe und mit mir alles in Ordnung ist, dann will ich!" Zurzeit geht er mit Sonnenhut und -brille auf die Straße und macht Frühdienst. "Wenn's heiß wird, läuft man ein wenig langsamer", sagt er.


Dieter Gössl (75) sitzt jenseits des Schattens. In seiner Männerrunde auf der Terrasse des Nordsee-Restaurants ist er derjenige, der freiwillig den Sonnenplatz wählt. "Manche gehen ins Sonnenstudio. Aber hier hast du das umsonst", sagt Gössl. Er ist abgehärtet. Früher hat er bei der Wema in der Stahl-Warmbehandlung gearbeitet. Das sei der Platz, an dem der Ofen geöffnet werde.

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