Silvio Lux schwört auf Perspektivwechsel

Plauen.

Es tut Silvio Lux einfach weh. Wenn er sieht, dass Häuser verfallen oder ohne Not abgerissen werden. Und das, während sich die City immer mehr herausputze. Er nennt das Stadtrand-Wunden. Manche davon, seufzt der freie Architekt, würden nie geheilt. Es handele sich zum Beispiel um wertvolle Quartiere mit Bürgerhäusern in Haselbrunn, etwa an der Pausaer Straße. "Oder an der Trockentalstraße, an der Oelsnitzer, der Siegener", zählt der Architekt auf. Überall dort wolle niemand wohnen. Vermieter mit zweifelhaften Ambitionen machten sich breit.

Unbehagen bereite es ihm auch, wenn er mitbekommt, wie Häuser "zu Tode saniert" werden, solche, die (noch) nicht unter Denkmalschutz stehen. "Ich denke da zum Beispiel an die gelben 'Stahlhäuser' an der Ecke Luther- und Reißiger Straße oder an den Krausenhof." Die Gebäude stammten aus der Bauhaus-Ära - man sehe es ihnen aber leider nicht mehr an. Lux studierte in Weimar, woher wohl seine Vorliebe für das Bauhaus stamme, vermutet er. Drei kleine Ohrringe, die geometrischen Formen Kreis, Dreieck und Viereck, machen Lux' Leidenschaft für den puristischen Stil deutlich.


1960 wurde der Rennfahrer und Läufer in Hohenleuben im thüringischen Vogtland geboren. Er ist Diplomingenieur, war Stadtplaner in der Altmark-Stadt Stendal sowie angestellt im Architektenbüro Obermeyer an der Annenstraße. Seit 2008 ist er freiberuflich unterwegs. "Ich habe überall Aufträge, nur derzeit nicht in Plauen", stellt Lux fest. Ist er der Prophet im eigenen Land? Immerhin kandidierte er Mitte 2013 für das Amt des Plauener Baubürgermeisters, eine Schlüsselposition der Stadtverwaltung. Es habe ihn gereizt, sagt der Wahl-Plauener rückblickend, Verantwortung zu tragen.

Lux musste Levente Sárközy (parteilos) den Vortritt lassen, der für sieben Jahre gewählt wurde. Im nächsten Jahr läuft die Amtszeit des aus Ungarn stammenden Bürgermeisters ab. Lux sagt, er habe keine Ambitionen, sich wieder zu bewerben.

Inzwischen hat er sich spezialisiert auf die Planungsmethode BIM. Die Abkürzung steht für Building Information Modeling. Dabei geht es um optimiertes Bauen, um Nachhaltigkeit. Lux arbeitet diesbezüglich zum Beispiel mit VW und der Deutschen Bahn zusammen, berät neben Unternehmen auch Städte. Auch in Plauen würde der Mann, der in der Sächsischen Architektenkammer den Arbeitskreis BIM leitet, diese Art des Bauens gern etablieren. Kontakt zur städtischen Gebäude- und Anlagenverwaltung habe er bereits aufgenommen. Aktuell schei-tere es dort an der dafür nötigen, aber nicht vorhandenen Software.

Auf die Bedürfnisse der Auftraggeber sei er bereits eingegangen, als er als leitender Architekt bei der Errichtung des Sparkassengebäudes am Komturhof und des neuen Stadtbads tätig war. Damals konnte freilich niemand ahnen, dass mittlerweile ein dringender Erweiterungsbedarf bei dieser Sportstätte besteht. Hat Lux Ideen, wie Synergien genutzt werden könnten? "Na klar", sagt er wie aus der Pistole geschossen. "Wenn angebaut wird, müsste die Funktionalität der Park- und Verkehrssituation untersucht werden, ebenso sollten kurze Wege in den Gebäuden berücksichtigt werden", schlägt Lux vor und auch, dass der Straßenraum an der angrenzenden Syrastraße anders gelenkt werden müsse. Ein Rückbau der Hauptverkehrsader über die Elsterbrücke schwebt ihm vor. Eines eigenen Eingangs für den Stadtbad-Anbau bedürfe es nicht.

Dass der Neustadtplatz und das Gebiet drumherum sein Angesicht nicht von heute auf morgen ändern wird, ist Lux klar. Aber perspektivisch müsse dort etwas geschehen. Vielleicht im Zuge der Brückensanierung? Ein Vorhaben vor den Toren Plauens liegt Lux unbedingt am Herzen: "Ich würde einen Aussichts-Steg an der Pöhler Staumauer errichten", verrät er eine Idee. Pläne dazu hat er in der Schublade. Bisher habe dafür jedoch kein Interesse seitens der Verantwortlichen bestanden, doch in seinen Augen wäre das ein touristisches Highlight für die Region.

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