So erinnert die Stadt Plauen an ihre friedliche Revolution

30 Jahre Wende Mit vielen Veranstaltungen wird in den nächsten Tagen der Ereignisse um den 7. Oktober 1989 in Plauen gedacht. Hier ein Überblick.

Plauen.

Am 7. Oktober 1989 versammelten sich in Plauen 12.000 bis 15.000 Menschen auf der Straße, um Reformen, freie Wahlen, Reisefreiheit und andere demokratische Grundrechte zu fordern. Es war die erste, von den Massen ausgehende Großdemonstration auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Trotz des Einsatzes von Polizei und anderer uniformierter Kräfte, unterstützt durch einen Hubschrauber und ein zum "Wasserwerfer" umfunktioniertes Fahrzeug der Feuerwehr, gelang es den Demonstranten durch ihr besonnenes Verhalten und das des damaligen Superintendenten Thomas Küttler, die Staatsmacht zum Einlenken zu bewegen. Es war das erste Mal, dass sie zurückwich. Auf die folgende vielfache und vielfältige Weise erinnert Plauen in den nächsten Tagen an die Ereignisse vor 30Jahren:

Palast der Gespenster: Der Reigen beginnt am Montagabend mit einer Vorabpremiere des MDR-Films "Palast der Gespenster" im Malzhaus. Das Doku-Drama stellt Geschehen vom 7.Oktober 1989 in Berlin und Plauen gegenüber. Zu Wort kommen ehemalige Genossen, Mitarbeiter der Stasi, aber auch Demonstranten, Polizisten und Beobachter von einst. Im Anschluss gibt es einen Dialog mit Filmemachern und Zeitzeugen. Aufgrund begrenzter Platzkapazität waren im Vorfeld Anmeldungen erforderlich.

Ausstellung im Malzhaus: Am Donnerstag, 3. Oktober, 18 Uhr, wird in der Galerie im Malzhaus die Ausstellung "Der 7. Oktober 1989 in Plauen - die Vorgeschichte" eröffnet. Plauener waren aufgerufen, Exponate der Wendezeit beizusteuern. Viele wirkten mit. Die Ausstellung ruft in Erinnerung, was die Leute im real existierenden Sozialismus aufregte und auf die Straßen trieb. Zu sehen sein wird die Ausstellung bis 24. November.

Programm im Theater: Intendant Roland May hat Prosa, Lyrik und Songs über die politische Wende im Programm "Die bessren Zeiten sagen guten Tag" zusammengestellt - dazu gehören die aus heutiger Sicht prophetisch erscheinenden Zeilen aus dem Gedicht "Das Eigentum" von Volker Braun aus dem Jahr 1990: "Was ich niemals besaß, wird mir entrissen. Was ich nicht lebte, werd' ich ewig missen." Erste Aufführung ist am Donnerstag, 3. Oktober, 19.30 Uhr, im Löwel-Foyer des Vogtlandtheaters. Sechs weitere Vorstellungen sind geplant. Ticket-Infos an der Theaterkasse: Ruf 03741 2813-4848.

Filmpremiere: Der Verein Vogtland '89 lädt für Freitag, 4. Oktober, 19 Uhr, zu einer weiteren Filmpremiere in das Malzhaus ein. Gezeigt wird "Aufbrüche" von Tino Peisker. der Entwicklungen seit dem Ende der DDR bis in die Gegenwart aufnimmt. Dafür wurden sowohl historisches Bildmaterial, heutige Filmaufnahmen als auch Zeitzeugenberichte verarbeitet. Die Auftraggeber wollten eine Bestandsaufnahme.

Autorengespräch und Friedensgebet: Am 5. Oktober 1989 wurde in einem Friedensgebet in der proppevollen Markuskirche deutlich, dass sich etwas zusammenbraut. Der Abend bildete den Auftakt für weitere Friedensgebete bis in das Frühjahr 1990 hinein. Pastor Dr. Thomas Roscher hat ein Buch über dieses kirchliche Handeln im politischen Veränderungsprozess geschrieben. Am Samstag, 5. Oktober, 17 Uhr, findet in der Markuskirche ein Autorengespräch mit ihm statt, moderiert durch die Landeszentrale für politische Bildung. Ab 18.30 Uhr folgt ein Gespräch mit Zeitzeugen, 19.30 Uhr schließt sich ein ökumenisches Friedensgebet an. Der Eintritt ist frei.

Schauspiel mit Augenzwinkern: Die Premiere der Komödie "Wir sind auch nur ein Volk" steht für Samstag, 5. Oktober, 19.30 Uhr, auf dem Spielplan des Plauener Vogtlandtheaters. Grundlage ist Jurek Beckers Drehbuch der gleichnamigen TV-Serie, die 1994 mit Manfred Krug verfilmt wurde. Mit scharfsinnigem Humor nimmt der Autor Klischees und Vorurteile von Ost bis West aufs Korn und zeichnet ein ironisches Bild deutsch-deutschen Kennenlernens.

Zeitzeugen geben Auskunft: "Warum gerade Plauen?" - dieser Frage wird am Sonntag, 6. Oktober, 14.30 Uhr ein Vortrag im Vogtlandkonservatorium Clara Wieck am Theaterplatz auf den Grund gehen. Die Soroptimist-Clubs Hof/Saale und Plauen/Vogtland laden dazu ein. Der Eintritt ist frei.

Festkonzert am Vorabend: Die Vogtlandphilharmonie Greiz-Reichenbach bestreitet am Sonntag, 6.Oktober, in der Johanniskirche unter Leitung von GMD Stefan Fraas das Festkonzert zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution. Aufgeführt wird Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 mit dem Schlusschor über Schillers Ode "An die Freude". Beginn ist 18 Uhr. Der Eintritt zum Konzert auf Einladung des Lions-Clubs Plauen ist frei.

Gemeinsames Gedenken: Mit dem Geläut der Lutherkirche 18 Uhr beginnt am Montag, 7. Oktober, eine Gedenkveranstaltung am Wendedenkmal. Sprechen werden Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, Landesbischof Carsten Rentzing und Bundespräsident a.D. Joachim Gauck. An die Rathausfassade wird eine 3-D-Lasershow projiziert, die Ereignisse von 1989 wiedergibt. Im Anschluss können am Südportal der Lutherkirche wie vor 30 Jahren Kerzen entzündet und abgestellt werden. Ein Friedensgebet in der Lutherkirche bildet den Abschluss des gemeinsamen Gedenkens.

Blick in die Gegenwart: Bündnis 90/Die Grünen richten in zwei Gesprächsrunden "Plauen 89/19" den Blick auch auf die Gegenwart. Im Malzhaus findet am 7. Oktober, 15.30 Uhr bis 17 Uhr, eine Runde zum Thema "Alles muss man selber machen" mit Katrin Göring-Eckardt und Bürgerrechtler Werner Schulz statt. Am Abend diskutieren ab 19.30 Uhr in der Lutherkirche zum Thema "Protest und Verantwortung" Katrin Göring-Eckardt, Joachim Gauck und Vertreter der Demokratiebewegung 1989.

Zwischen Liebe und Zorn: Das Vogtland-Theater - im Wendeherbst 1989 Ort vieler Veranstaltungen - liefert am 7. Oktober einen weiteren Beitrag: Robert Gläser, Sohn des in der DDR verehrten und zeitweise verbotenen Renft-Sängers Peter "Cäsar" Gläser, tritt mit dem Philharmonischen Orchester auf. "Apfeltraum" bringt seine Songs von einst neu zu Gehör. Beginn ist 20 Uhr.

Lebendige Geschichtsstunde: "Eine Stadt steht auf" lautet am Donnerstag, 10. Oktober, 19 Uhr, das Thema eines Abends mit Rainer Maria Kett, viele Jahre SPD-Fraktionschef im Stadtrat, und Peter Luban, Schöpfer des Wendedenkmals, im Malzhaus. Sie nehmen die Zuhörer anhand von Bildern und Dokumenten mit in den Herbst vor 30 Jahren. Beginn ist 19 Uhr. Der Eintritt kostet 3 Euro.

Stadtführungen: Regelmäßig gibt es im Oktober Stadtführungen "Auf den Spuren der Friedlichen Revolution in Plauen". Mehr Infos sind in der Tourist-Information sowie auf der Internetseite der Stadtverwaltung erhältlich. Dort sind auch weitere Veranstaltungsangebote zu finden.www.plauen.de

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