Sonnenbrillen fürs Eigenheim: Pionierarbeit aus dem Vogtland

E-Control entwickelt Glas, das sich automatisch verdunkelt und per App steuern lässt. Zehn Jahre nach ihrer Gründung schult die Firma jetzt Fertighaus-bauer. Die Zeit ist reif, sagt der Geschäftsführer.

Plauen.

Fünfzehn Minuten dauert es, bis die Glasscheiben von hell auf dunkel wechseln. Die Sonne blendet nicht mehr, es ist trotzdem hell im Zimmer. Tobias John braucht keine Jalousien für sein Büro. Das Fenster besteht aus Dimmglas. Das ist das Glas, das die Firma E-Control seit zehn Jahren in Oberlosa herstellt und entwickelt. Glas wie eine Sonnenbrille fürs Haus.

John, 38, ist Geschäftsführer. In den ersten Jahren sei man zu zeitig gewesen, sagt er: "Die Baubranche war für solche Produkte noch nicht reif genug." Den Trend, auch die Häuser zu digitalisieren, spüre das Unternehmen. "Die Leute verstehen den Mehrwert, sie sind offen dafür", sagt Tobias John. E-Control hatte 2009 im Gewerbegebiet Oberlosa mit zehn Mitarbeitern angefangen. Heute sind es 60.


Nach zehn Jahren Pionierarbeit wollen die Vogtländer den Mann von nebenan von ihrem Glas überzeugen. Ab heute läuft ein Symposium für Fachleute auf dem Firmengelände. Die Dimmglas-Entwickler erklären, wie das Fenster smart wird. John hat Fertigteilhaus-Firmen eingeladen, Fensterbauer, Wintergartenbauer, System-Hallenbauer wie Goldbeck. Er arbeitet daran, dass das Dimmglas auch für Privatleute interessant wird. Bisher liefern die Vogtländer vor allem für Referenzobjekte, ab und an für Wintergärten. Ein Kaufhaus in Paris, das Dach des Bundespräsidialamts in Berlin, der Campus der Universität Lüneburg als Projekt des Stararchitekten Daniel Libeskind.

"Wir bieten heute ein smartes System an, nicht nur das Glas", sagt Tobias John. Smart heißt, man integriere sich in das computergesteuerte Zuhause. Früher habe es ein Bedienteil gegeben, um das Glas zu steuern. Heute integriere man sich in bestehende Systeme, und das meiste funktioniere automatisch. Wer von Hand nachsteuern will, kann mit einem Bedienpanel Fenster, Heizung und Licht regeln. Oder eben per App. Auf diese smarten Komponenten legt John wert. Glas und Software entwickelt E-Control selbst, die App wird eingekauft. Gerade sucht Tobias John nach einem jungen Wissenschaftler, der den nächsten smarten Baustein entwickelt: das Glas, das Einbrecher meldet. Sobald ein Fenster defekt ist, soll die App auf dem Handy Alarm auslösen. John hofft, dass sich der Einbruchsmelder bis Jahresende umsetzen lässt.

Tobias John stammt aus Bad Elster. Die Firma ist der Grund, in der Heimat bleiben zu können, sagt er. "Uns mangelt es nicht an Fachkräften." Wer Ideen hat, kann Karriere machen. Vor sechs Jahren hat er bei E-Control angefangen. Als sich Firmengründer Hartmut Wittkopf vergangenes Jahr aus der Unternehmensleitung zurückzog, übernahm John die Geschäftsführung.

Die Firma stammt aus der Oberpfalz, wurde 2006 gegründet und zog 2009 ins Vogtland. Sie gehörte nach dem Auspuffhersteller Boysen zu den ersten Ansiedlungen im Industriegebiet Oberlosa an der A 72. Das Glas, das E-Control veredelt, hält die Hitze draußen. Es absorbiert nach Unternehmensangaben bis zu 90 Prozent der Sonnenenergie und macht Rollläden und Jalousien überflüssig. Das funktioniert, indem das Glas mit Metall beschichtet wird. In den Anfangsjahren gab es neben den Plauenern weltweit nur drei Unternehmen, die dimmbares Glas herstellten.

E-Control veranstaltet am Samstag von 10 bis 15 Uhr einen Tag der offenen Tür.

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