Sonntagskaffee lohnt sich für manche Cafés nicht die Bohne

Kaffee mit Kuchen ist am Sonntag in Plauen nicht überall zu haben. Einige Cafés machen ausgerechnet an diesem Tag dicht, ärgert sich eine Leserin. Ein Grund für viele sind fehlende Gäste.

Plauen.

Es ist einfach nur traurig, findet eine 65-jährige Plauenerin. "Wenn ich sonntags durch die Stadt gehe, hat die Hälfte der Cafés zu", schildert sie ihren Eindruck. Dabei hätten viele Leute doch gerade an diesem Tag Zeit, dort mit Freunden oder Familie gemütlich zum Kaffeeklatsch einzukehren. "Warum machen so viele Café-Betreiber am Sonntag zu?", will die "Freie Presse"-Leserin wissen.

Über den Daumen gepeilt hält es sich die Waage: Gut die Hälfte aller Cafés im Stadtzentrum öffnet am Sonntag: zum Beispiel das Kaffeehaus Müller, die Brasserie Forbriger, das Café Restaurant Trömel, Frozen Yogurt, McCafé und das Café Heimweh. Andere Cafés dagegen haben zu. Zum Beispiel das Café Albert am Altmarkt. Inhaberin Tina Oertel erklärt: "Die Innenstadt ist sonntagnachmittags so gut wie tot." Das habe sie bei Feiern privater Gruppen im Café beobachtet. "Wir haben dann auch mal ein paar Stunden geöffnet, aber es kam kaum jemand", sagt Oertel. Deshalb sei es für sie keine Option, statt sonntags und montags zum Beispiel montags und dienstags zu schließen.

Tino Moritz und Kai Kollenberg

Sachsen 2019:Der „Freie Presse“-Newsletter zur Landtagswahl von Tino Moritz und Kai Kollenberg

kostenlos bestellen

Probeweise aufgemacht hat an Samstagen auch Jana Fritsche von der Milchbar an der oberen Bahnhofstraße. "Aber da kam niemand", erinnert sie sich an die Anfangszeit vor bald zwei Jahren. Anders sieht es unter der Woche aus: "Ich habe viele Mittagsgäste, die in der näheren Umgebung arbeiten", erklärt die Gastronomin, weshalb sie lieber montags bis freitags öffnet.

Auch für Daniel Zeller von der Neuen Kaffeerösterei an der Neundorfer Straße lohnt sich der Sonntag nicht. "Wir sehen uns nicht als Kaffeehaus, sondern als Rösterei mit Ausschank", sagt der Plauener. Das Gros seiner Kunden kaufe unter der Woche tütenweise Kaffeenachschub für zu Hause. Sonntags für Kaffeeklatsch zu öffnen rechne sich nicht, sagt Zeller: Zu wenig Sitzplätze und zu hohe Personalkosten stünden zu wenig Umsatz gegenüber.

Was die Pâtisserie klein & fein am Johanniskirchplatz künftig mit den Sonntagen macht, steht noch nicht fest, sagt Carolin Lange gut zwei Monate nach der Eröffnung. Abgeneigt, auch dann zu öffnen, sei sie nicht. Aber: "Das Personal muss da sein", erklärt Lange. Außerdem möchte sie, wie Oertel und Zeller, noch etwas Zeit fürs Privatleben haben. Genau das ist für Frank Wand vom Theatercafé ein wichtiger Punkt: das große Risiko, Mitarbeiter mit Familie durch häufige Sonntagsschichten zu verlieren, wie er erklärt. Ein weiteres Problem: Arbeitskräftemangel. Seit einem Jahr macht Wand sonntags nicht mehr auf.

Selbst wenn Ute Schuster das nötige Personal hätte - vom Café Moné aus kann sie sonntags auf der Neundorfer Straße das Gleiche sehen wie Tina Oertel am Altmarkt: ziemlich viel tote Hose, erzählt sie. "Es kommt sonntags einfach nicht genug Umsatz zusammen", so Schuster, die am Sonntag auch mal private Feiern im Café hat.

Auf den Sonntag nicht verzichten will dagegen Rico Wagner vom Kaffeehaus Müller. "Das gehört zur Kaffeehaus-Tradition", sagt er. Sonntag sei im Müller der umsatzstärkste Tag der Woche. "Viele genießen das Frühstück mit der Familie und holen bei uns Brötchen", erklärt Wagner.

Eine Ausnahme in Plauen ist das Café Sonnenhof in einem Hinterhof an der Windmühlenstraße. Es hat nicht unter der Woche, sondern meist nur samstags und sonntags am Nachmittag geöffnet - aber weil es ein Hofcafé ist, eben nur von Juni bis August.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...