Sparkasse kündigt Prämiensparern

Jetzt also doch: Auch die Sparkasse Vogtland trennt sich von Prämiensparverträgen. Das teilt die Verbraucherzentrale Sachsen mit. Immerhin, sagt sie, gebe es ein Signal an betroffene Kunden.

Plauen.

Etwa 2300 Kunden der Sparkasse Vogtland erhalten dieser Tage die Kündigung ihrer Prämiensparverträge. Im November wird das Kreditinstitut wie andere sächsische Sparkassen zuvor die für Sparer lukrativen Verträge beenden. Das teilte die Verbraucherzentrale Sachsen gestern mit. Die Sparkasse bestätigte das kurz darauf. Sie spricht von 2600 betroffenen Verträgen.

Unbefristete Vereinbarungen müssten "nunmehr aufgrund der anhaltenden Niedrig- und Negativzinsphase gekündigt werden", heißt es von Seiten des kommunalen Kreditinstitutes. Sie hätten alle "die höchste Prämienstufe erreicht". Zugleich wird in der nicht namentlich unterzeichneten Mitteilung aus der Sparkasse versichert: "Befristete Verträge werden bis zum vereinbarten Ablauf weitergeführt."

Bereits 2010 hatte es von Seiten der Sparkasse Vogtland Vorstöße zur Kündigung der Prämiensparverträge gegeben. Nach damals massiven Beschwerden lenkte die Bank noch ein und versicherte: "Wir kündigen keine Verträge der Prämiensparer." Das Wort hat acht Jahre gehalten. Die Zahl der Altverträge war damals auf 10.500 beziffert worden. Sie waren von Anfang der 1990er-Jahre bis Mitte 2003 abgeschlossen worden. Bei der besonderen Form des Sparbuchs musste monatlich ein fester Betrag gespart werden. Neben Zinsen gab es obendrauf teils satte Prämien. Wer länger als 15 Jahre dabei blieb, machte mit wenig Risiko gute Gewinne: Wer ab 1992 monatlich 100 Euro überwies, durfte nach 25 Jahren fast 75.000 Euro auf dem Sparkonto zählen, obwohl er nicht einmal die Hälfte eingezahlt hatte.

Die Verbraucherzentrale Sachsen erklärt, sie habe versucht, in Gesprächen auf Vorstandsebene die Kündigungen erneut abzuwenden: "Zwar ist uns das nicht gelungen, jedoch konnten wir die Sparkasse bewegen, den Betroffenen als Alternative nicht nur Wertpapier- und Versicherungsprodukte anzubieten. Nun wird auch ein Sparprodukt dabei sein, welches in puncto Sicherheit, Flexibilität und Kosten mit dem Prämiensparen vergleichbar ist", so Verbraucherschützer-Vorstand Andreas Eichhorst. Für diejenigen, die gegen die Kündigung ihres Vertrages nicht vorgehen und klagen wollen, könne dies "eine prüfenswerte Wahlmöglichkeit" sein, erklärt Eichhorst.

Das Angebot ähnele Offerten anderer kompromissbereiter Sparkassen: Ein Sparbuch mit Sonderzins von 1,1 Prozent pro Jahr für eine Laufzeit bis Ende 2019. Zudem wird Kunden auch die anteilige Prämie bis zum Tag der Beendigung des alten Sparvertrags gutgeschrieben.

Verbraucherschützer Eichhorst: "Wir begrüßen, dass sich die Sparkasse Vogtland zu diesem - zunächst nicht geplanten - Angebot durchgerungen hat." Bis 30. November hätten die gekündigten Sparer Zeit, sich zu entscheiden. In dieser Phase werde das Kreditinstitut weitere Angebote unterbreiten. Tatsächlich empfiehlt die Sparkasse betroffenen Kunden, "sich individuell beraten zu lassen, um ein passendes Alternativprodukt zu finden".

Die Verbraucherschützer weisen dagegen darauf hin: "Die uns als Alternativen vorgestellten Produkte haben ein anderes Risiko, mehrjährige Laufzeiten, zum Teil erhebliche Kosten und mäßige Renditeerwartungen." Sie raten: "Betroffene sollten die nächsten Wochen nutzen, sich anbieterunabhängig über ihre Rechte und Anlagemöglichkeiten zu informieren."

Im Gebiet der Sparkassen, die bereits zu früheren Zeitpunkten die Verträge kündigten, unterstützt die Verbraucherzentrale acht von mehr als 50 an Amts- und Landgericht anhängigen Klagen. Bisher gibt es noch kein rechtskräftiges Urteil. Ein erstes, Anfang Juli geführtes Verfahren verlor die Sparkasse Zwickau. Der Richter urteilte, dass die Bank die Vereinbarung nicht eigenmächtig aufheben durfte. In dem Papier war als Laufzeit 99 Jahre angegeben. Eine Sprecherin der Verbraucherzentrale erklärte auf Nachfrage dazu, dass es im Fall der Prämiensparverträge viele "unterschiedliche Fallkonstellationen" gibt - zum Teil sei in Verträgen auf Laufzeiten hingewiesen, zum Teil nicht, zum Teil nicht in Werbeprospekten, zum Teil nur in diesen. "Es kommt auf jeden Einzelfall an", sagt sie bezüglich der Erfolgsaussichten der Klagen. Aufgrund des Beratungsbedarfs erweitert die Verbraucherzentrale ab August ihre Öffnungszeiten. In Treuen, Reichenbach, Klingenthal, Adorf und Schöneck soll es zudem ab August gesonderte Beratungstage und Infoveranstaltungen geben.

Weitere Auskünfte gibt die Verbraucherzentrale am Montag, 30. Juli, unter einer Sonderhotline. Sie ist an dem Tag von 9 bis 18 Uhr unter Ruf 01802 556611 geschaltet. Ein Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet 0,06 Euro, über Mobilfunk maximal 0,42 Euro je Minute. Die Beratungsstellen in Plauen, Rädelstraße 2, und Auerbach, Am Graben 12, sind ab August Montag bis Donnerstag, 9 bis 18 Uhr, sowie Freitag, 9bis 15 Uhr, geöffnet.

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