Staatsbesuch in abtrünniger Stadt

Wahlen 2019 Das Vogtland funktioniert nur über Grenzen hinweg - zum Beispiel im Tourismus. So sieht es Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen. Am Montag stattete er Pausa, der 1992 zum Freistaat Sachsen gewechselten Erdachsenstadt, einen Besuch ab.

Pausa-Mühltroff.

Ein Thüringer Ministerpräsident in Pausa - das gibt es nicht alle Jahre. Doch am Montag war es wieder einmal soweit: Bodo Ramelow (Die Linke) stattete der Stadt mit dem Globus auf dem Rathausdach einen Besuch ab.

Janina Pfau, Direktkandidatin der Partei Die Linke bei der sächsischen Landtagswahl, und der Pausa-Mühltroffer Bürgermeister Jonny Ansorge (CDU) begrüßten ihn zusammen mit Katrin Löwe, der Vorsitzenden des Heimatvereins im Vereinsdomizil Heimateck. Warum ein Treffen der Linke-Kandidatin mit dem Thüringer Politiker? Und warum in Pausa? "Pausa-Mühltroff gehört zu meinem Wahlkreis", sagte Pfau. Sie meint: "Wir könnten noch viel mehr über die Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten."

Bodo Ramelow wohnt im Vogtland. "Auf der thüringischen Seite", wie er es ausdrückte. Da er einen Zweitwohnsitz in Saalburg hat, kenne er sich ganz gut in der Region aus: "Ich unterstütze den Vogtlandtourismus. Ich bin der Überzeugung, den Harz kannst du nur als Harz vermitteln, die Rhön nur als Rhön." So sei es auch mit dem Vogtland. Besucher interessieren Landesgrenzen nicht, sie sehen die Region. Der Ministerpräsident nannte das Zeulenrodaer Meer und die Firma Bauerfeind als Beispiel gebend für die Region: "Wir haben Schönheit, Landschaften und nette Menschen."

Jonny Ansorge erinnerte daran, dass Pausa bis 1992 zu Thüringen gehörte, ehe die Stadt zu Sachsen wechselte. "Fünf Dörfer sind mir abhanden gekommen", sagte Ansorge. Ramelow konterte schlagfertig: "Aus meiner Sicht ist mir mehr abhanden gekommen." Danach trug sich der Ministerpräsident ins Ehrenbuch der Stadt ein und durfte das eine Ende der Erdachse schmieren, die bekanntlich in Pausa zu Tage tritt. Dazwischen war noch Zeit für Fragen von etwa 20 Besuchern, die ins Heimateck gekommen waren.

Katrin Löwe, die ihren Verein kurz vorstellte, fragte Ramelow: "Warum ist Die Linke in Thüringen so stark und in Sachsen so schwach?" Die Linke sei eine kleine, aber starke Partei, antwortete Ramelow, die soziale Themen auf die Tagesordnung setze. "Wir hatten nie den Ehrgeiz, eine Mehrheitspartei zu werden." Vor Jahren habe man auch in Thüringen nicht an eine Dreier-Koaltion geglaubt. Doch jetzt trete man den Beweis an, dass eine Regierungskoalition zwischen SPD, Linken und Bündnis 90/Die Grünen funktionieren könne. Wenn die SPD sich wieder sozialen Themen zuwende, halte er Rot-Rot-Grün auch bundesweit für möglich.

Weitere Themen waren Integration, Energiewende und Klimawandel. Die Pausaer Kräuterfrau Anita Seidel beklagte, dass der Politik Konzepte fehlten. Manches Konzept müsse nur vom Kopf auf die Füße gestellt werden, entgegnete Ramelow. Er sei dagegen, dass Energie durchs ganze Land transportiert werde. Zum Umweltthema meinte er, dass sich die Menschen mehr Gedanken machen müssten - mit dem Verbot nur von Trinkröhrchen sei es nicht getan. Man müsse globaler denken und lokal handeln. So gebe es viel zu bewirken.

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