Stadträte regen längere Kita-Öffnung an

In Plauener Kindertageseinrichtungen werden die Kleinen nur in Ausnahmefällen länger betreut. Die SPD will das nicht mehr hinnehmen. Warum sie mit ihrer Forderung vorerst auf Granit beißt.

Plauen.

Alleinerziehenden oder Eltern, die unregelmäßige Arbeitszeiten haben, macht es oft Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das weiß Juliane Pfeil- Zabel (SPD). Die Plauener Stadträtin sitzt auch im Landtag. Und die 31-Jährige hat als zweifache Mutter Erfahrung damit, wie schwierig es sein kann, die Kinderbetreuung zu organisieren.

Die Politikerin und ihre Stadtratsfraktion aus SPD und Grüne wünschen sich flexiblere Öffnungszeiten - zumindest in den 23 kommunalen Kindertagesstätten und Horten. Das hat die Fraktion bereits im Mai beantragt. Der Sozial- und Bildungsausschuss des Stadtrates lehnte das Ansinnen jetzt indes mehrheitlich ab. "Was ist mit der Kassiererin, die bis 20 Uhr arbeitet?", wollte Pfeil-Zabel wissen.

Das seien bedauerliche Einzelfälle, so Lutz Schäfer. Er ist als Fachbereichsleiter Jugend/Soziales im Rathaus f´ür alle Fragen rund um die Kitas zuständig. Seiner Meinung funktioniere das System gut: "Wir hatten bereits die flexible 45-Stunden-Woche", sagte Schäfer im Ausschuss. Doch auch da seien immer Eltern dabei gewesen, die uneinsichtig waren: "Wenn es einen Feiertag gab, sollten verbleibende Stunden auf den Rest der Woche aufgeteilt werden", nannte er ein Beispiel. Schäfer stellt in Aussicht, dass in individuell schwierigen Situationen geholfen wird: "Wir haben da schon Möglichkeiten." Stadtrat André Bindl (FDP/Initiative Plauen) regte an, dass diese in den Einrichtungen kommuniziert werden sollten.

Pfeil-Zabel präzisierte den SPD-Antrag. Einige Aussagen der Stadtverwaltung könne sie nicht nachvollziehen, sie finde es unfair, dass dem Bedarf nach längeren Betreuungszeiten mit dem Argument der Kindeswohlgefährdung begegnet werde: "Bei jemandem, der acht Stunden arbeitet, gesetzliche Pausen einhalten und zur Kita fahren muss, ist man schnell bei zehn Stunden angelangt", so Pfeil-Zabel. Vorgesehen seien aber höchstens neun Stunden Kinderbetreuung. Das sei unflexibel und nicht familienfreundlich. Bürgermeister Steffen Zenner (CDU): "Lange Arbeitszeiten sind ein gesellschaftspolitisches Problem, das werden wir hier nicht lösen." Unternehmen seien gefragt, individuelle und flexible Arbeitszeitmodelle zu ermöglichen. Nur so könnten sie sich künftig behaupten, sagte Zenner. Tobias Rüdiger (Linke) ist selbst Erzieher. Er kenne mindestens drei Fälle, in denen es Alleinerziehende wegen ihrer Arbeit nicht schaffen, ihr Kind abzuholen: "Das müssen Fremde machen. Will man denen tatsächlich damit kommen, dass sie Teilzeit arbeiten müssen?"


So haben Plauens Kindertagesstätten geöffnet

Von 6 bis 17 Uhr haben die meisten kommunalen Kitas geöffnet. Dazu gehören: Buratino, Gänseblümchen in Jößnitz, Kosmonaut, Mäuseburg, Regenbogen (freitags nur bis 16 Uhr), Sonnenkäfer sowie die Horte der Grundschulen Am Wartberg, Dittes, Herbart, Jößnitz, Karl Marx, Kuntzehöhe, Reusa, Friedrich Rückert, Astrid Lindgren, Oberlosa, Förderschule für Erziehungshilfe und Schule für Lernförderung Käthe Kollwitz.

Die Kitas Flohzirkus in Kauschwitz und Sonnenblume sind von 6.30 bis 16.30 Uhr am Start. In anderen Ortsteilen variieren die Zeiten. So ist in Thiergarten von 6 bis 16.30 Uhr (freitags bis 16 Uhr) auf, in Stöckigt von 6bis 16 Uhr und in Oberlosa von 6.15bis 16.30 Uhr.

Wer nachweislich auf verlängerte Betreuung angewiesen ist, kann auf die neue Kita in der Elsteraue hoffen. Diese soll, allerdings in begrenzter Platzzahl, bis 20 Uhr öffnen. Auch Frühbetreuung will man anbieten. Adressen und Telefonnummern unter

www.freiepresse.de/Kitas.offen

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1Kommentare
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  • 0
    4
    BertaH
    18.08.2018

    Wann lern4 die Politik endlich, dass nicht mur die wirtschaftlichen Interessen für die Gesellschaft wichtig sind, sondern auch die Sozialpolitischen. Es tut keinem Kind tut mehr Fremdbetreut zu werden sls bei seinen Bindungspersonen zu sein. Unterstützt lieber Familien finanziell, dass eine derart LANGE Fremdbetreuung unnötig wird. Die späteren Sozialkassen und Krankenkassen werden es Ihnen danken.



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