Stasi-Spitzeleien: Irritationen vor der Wahl

Der ehemalige Fußballer Stefan Persigehl hat in der DDR für das MfS gespitzelt und dabei als Aktiver beim FC Karl-Marx-Stadt für ein paar hundert Mark seine Mannschaftskameraden verpfiffen. Jetzt will er in den Falkensteiner Stadtrat und in den Kreistag.

Falkenstein.

Er ist der Mann mit den drei Namen. Einmal hieß er Steffen Sturm und ein anderes Mal Axel Seidel. Auf der Liste der Wahlvorschläge für die Kommunalwahlen an diesem Wochenende dagegen wird er als Stefan Persigehl bezeichnet. Das ist korrekt, denn bei Stefan Persigehl handelt es sich um seinen richtigen Namen.

Persigehl will sich am Sonntag für die Wählervereinigung Bürger für Falkenstein in den Stadtrat und für die DSU in den Kreistag wählen lassen. In einem Interview mit der "Freien Presse" hatte er kürzlich neben dem interessanten Satz, es gehe ihm auch darum, die Werte der Umbruchzeit 1989 zu bewahren, gesagt, dass er sich nun zum ersten Mal in der Politik engagiert. Das stimmt nicht hundertprozentig. Dokumente der Stasiunterlagenbehörde zeigen, dass Persigehl in der DDR für das Ministerium für Staatssicherheit gespitzelt hat.


Persigehl war ein bekannter Fußballer. 1992 hat er bei seinem damaligen Verein FC Hansa Rostock mehr oder weniger unter Druck neben einigen anderen Spielern seine Spitzeltätigkeit eingeräumt. Doch es wuchs schnell Gras über die Sache. Heute weiß in Falkenstein und Umgebung kaum noch jemand etwas von seiner Vergangenheit. So nahm auch keiner Anstoß daran, als sich Persigehl auf die Liste für die beiden Wahlvorschläge setzen ließ. Roberto Rink, Kreisrat und Bundesvorsitzender der DSU, musste einräumen: Er habe nichts von der inoffiziellen Mitarbeit Persigehls für das MfS gewusst, er sei erst am gestrigen Montag von Persigehl informiert worden. Kurz vorher hatte die "Freie Presse" den ehemaligen Fußballer gefragt, ob die neuen politischen Mitstreiter denn von seiner Spitzel-Tätigkeit wüssten.

Der Vogtländer Stefan Persigehl spielte ab 1980 für den Fußballclub Karl-Marx-Stadt. Er war an einem Morgen im April 1983 vor seiner damaligen Wohnung in der Yorckstraße in Karl-Marx-Stadt von zwei Stasi-Offizieren angesprochen worden. Auch wenn Persigehl 1992 in Rostock die Spitzeltätigkeit zugegeben hat - dass seine Spitzelei keine kleine Sache war, wird erst deutlich, wenn man die Akten gelesen hat. Für ein paar hundert Mark hat er seine Mannschaftskameraden verpfiffen - mindestens bis 1988, also fünf Jahre lang. Zuerst hatte er den Tarnnamen Steffen Sturm. Als er seine "Probezeit" bestanden hatte, gab es sich selber den Namen Axel Seidel. Das Ministerium war zufrieden mit ihm. Einmal hieß es in einer Einschätzung: "Er ist bereit, negative Probleme über seine Mitsportler zu berichten, ohne daß er dabei Hemmungen hat." Für die "Realisierung von Aufträgen" bekam er am 4. Januar 1988 einmal 250 Mark. Hauptsächlich Mitspieler Joachim Müller, der in der Nationalmannschaft spielte und der aus Rodewisch stammte, hatte unter Persigehls andauernden Schnüffeleien zu leiden.

Persigehl sagte am Montag zur "Freien Presse", er sei 1992 mit der Stellungnahme in Rostock seiner moralischen Verpflichtung nachgekommen. "Das Thema jetzt noch einmal anzusprechen, erachte ich nicht für notwendig", erklärte er. In jedem Fall hat Persigehl mit seinem Zaudern die DSU jetzt in die Zwickmühle gebracht. Parteichef Rink: "Wenn er gewählt wird, wird ein Ausschuss prüfen, wie belastet er ist. Ist er belastet, wird man ihm ans Herz legen, zu gehen." Michael Lienemann, Fraktionschef der Bürger für Falkenstein, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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