Stollen im Test: Es lebe der feine Unterschied

Einen Vorgeschmack auf die Weihnachtszeit gab es gestern in Auerbach: Das Bäckerhandwerk der Region präsentierte Spitzenprodukte und bekam dafür fast nur beste Noten. Bei Besuchern wurden Kindheitserinnerungen wach.

Plauen.

Schauen, riechen, beißen, schmecken: Mit fast allen Sinnen hat Prüfer Michael Isensee am Donnerstag insgesamt 33 Stollenproben von 19 vogtländischen Bäckereien getestet. Die traditionelle Stollenprüfung fand diesmal im Foyer der Auerbacher Sparkasse statt. Im Test bewähren mussten sich die nach einheitlichem Rezept gefertigten "Verbandsstollen" ebenso wie diverse Hausstollen.

Eintönig wird das Ganze für Isensee nicht, sagt er: "Selbst wenn das Rezept gleich ist, macht es doch jeder Bäcker ein wenig anders." Klar - die Rosinen werden in Rum eingelegt, aber da kann man Jamaika-Rum oder anderen Rum verwenden, manche geben noch einen Spritzer Rosé oder Weißwein ran. Natürlich sind Orangeat und Zitronat im Stollen. Doch die könne man ganz verschieden würfeln, "manche nehmen sogar nur Paste", weiß Isensee, der von der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks kommt und aus Hannover stammt. Die Backzeiten seien ebenso verschieden wie die verwendeten Mehlsorten. Mancher Stollen sei eher mürbe, der andere kompakter. "Die Vielfalt ist enorm, alles schmeckt ein bisschen anders - und das ist doch das Schöne", findet der Prüfer, der nach jedem Bissen mit einem Schluck schwarzen Tee nachspülte, um die Geschmacksnerven wieder "einsatzfähig" zu machen.

Lange Zeit waren die Stollenprüfungen in den Räumen der Kreishandwerkerschaft an der Auerbacher Bahnhofstraße veranstaltet worden, in den letzten Jahren gehen die Bäcker an Orte mit mehr Publikumsverkehr. Gestern gab es zudem erstmals eine Verlosungsaktion: 24 Vogtland-Stollen wurden dabei unters Volk gebracht, der Erlös ging an die Sonnenhofschule Auerbach.

Einen der ersten Stollen ergatterte die langjährige Auerbacher Stadträtin Jutta Staudt. Sie ist großer Stollen-Fan und erinnert sich in der Weihnachtszeit regelmäßig an ein Kindheitserlebnis: Sie hatte mit dem Schlitten Stollen vom Bäcker abgeholt, am Hang in Crinitzleithen fiel ihr einer runter und zerbrach. "Ich konnte nächtelang nicht schlafen vor Gewissensbissen - das bedeutete schließlich, dass jemand aus der Familie sterben würde", sagt sie. Zum Glück bewahrheitete sich der Aberglaube nicht. Den per Los gewonnenen Stollen will Staudt unter den Frauen ihrer Gruppe "Flinke Nadeln" verteilen, die die "Herzkissen" nähen. Jörg Schürer, Vorsitzender des vogtländischen Stollenverbands und Obermeister der vogtländischen Bäcker, zeigte sich mit dem Ergebnis hoch zufrieden. Das Bäckerhandwerk bleibe eine stabile Größe im Vogtland, Kunden schätzten regional und vor Ort gefertigte Backwaren. "Wer seinen Lieblingsstollen gefunden hat, der wechselt selten."

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