Studenten zeigen ausgefallene Spitzen-Mode der Zukunft

Gekonnt gebrochen: Brandaktuelle Spitzenmode ist in einer Ausstellung im Malzhaus zu sehen. Nachwuchs-Designer zeigen, dass Plauener Spitze auch Hip-Hop oder American Football kann.

Plauen.

Angestaubt, spießig und von vorgestern? Von wegen: 15 Studenten der Leipziger Vitruvius-Hochschule zeigen ab Samstag im Plauener Malzhaus, wie sich Plauener Spitze auf die Spitze treiben lässt - modisch gesehen. "Aufbruch -- Durchbruch" ist das Motto der Arbeiten, in denen Welten aufeinandertreffen und Klischees gebrochen werden. "Die Arbeit mit Plauener Spitze war für uns etwas sehr Besonderes", sagt Modedesign-Studentin Thuy Tien Pham-Böhlig (25). "Wir haben unsere Kollektionen nach diesem Material ausgerichtet."

Gesponsert hatte die Spitze Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Modespitze Plauen. Er hatte die Zusammenarbeit mit der Hochschule angeregt. Pham-Böhlig kombinierte zu dem zarten Material Latexfolie und entwarf ein Hochzeitskleid. "Wir waren sehr vorsichtig mit der Spitze", sagte sie. Die Studenten hätten gleich gemerkt: Das sei keine Billigspitze, sondern ein ganz anderes Niveau.


Doch nicht nur die Arbeit mit der Spitze ist Thema bei dem Uni-Projekt. Tradition trifft auf Moderne, das Gestern aufs Morgen. "Es ging uns auch darum, dass Nachwuchs-Designer verstehen, was Hochwertigkeit, Nachhaltigkeit und Qualität bedeuten", erläuterte Hochschul-Professorin Claudia Damm. Plauens Markenzeichen soll mit seiner kostbaren Klasse ein Kontrapunkt sein zur Fast Fashion von heute - Mode, die immer schneller wechselt und zur Wegwerf-Ware wird. Das belaste Ressourcen, Umwelt und Arbeitsbedingungen, so Damm.

Um dieser Entwicklung etwas Kreatives entgegenzusetzen, besuchten die Studenten auch Plauen, gingen ins Spitzenmuseum und schauten sich Stick-Maschinen an. Original-Ergebnisse ihrer Arbeit sind nun in der Malzhaus-Galerie teils ausgestellt, teils auf 30 Plakaten zu sehen. Auch die Entstehung der Kollektionen können Besucher so nacherleben. Da gibt es zum Beispiel Kleidung im Hip-Hop-Stil. Auch Unisex-Modelle für Mann und Frau sind vertreten. Oder Stücke, die von Tennis und American Football inspiriert sind.

"Die Modelle sind zu schade, um sie nur einmal zu zeigen", findet Reinhardt. Deshalb kommen sie zum 60. Plauener Spitzenfest dreimal zur Geltung: Einige Originale sind in der Malzhaus-Ausstellung zu sehen. Weitere werden bei der Spitzen-Gala am 22. Juni im Vogtland-Theater bei einer Modenschau von Profi-Models gezeigt - einmal während der Vorstellung und einmal gegen 21 Uhr auf dem Theaterplatz. Am 23. Juni wollen einige Studenten beim Fest-Umzug mitmachen und selbst in ihre Entwürfe schlüpfen, so Reinhardt. "Wir haben auch einen Vomag-Lkw", verrät er. Denn die Vogtländische Maschinenfabrik AG (Vomag) in Plauen hatte einst Stick-Maschinen produziert.

Noch eine Überraschung erwartet das Publikum bei der Modenschau auf dem Theaterplatz. Zwei junge Musiker werden sie begleiten: das Duo Stiehler/Lucaciu. Sascha Stiehler stammt aus Zwickau, Antonio Lucaciu aus Plauen. Es ist ihre erste Modenschau, sagte Lucaciu. Was sie sich dafür ausgedacht haben, verriet er nicht, nur so viel: "Wir machen es auf unsere Art."

"Aufbruch - Durchbruch" ist vom heutigen Samstag an bis zum 30. Juni in der Malzhaus-Galerie zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

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