Talsperren-Orte stellen großes Fest auf die Beine

Jocketa und Barthmühle sind besonders prägnante Orte im Vogtland- wegen ihrer idyllischen Lage und ihres eng mit dem Bau der Bahnstrecke Leipzig-Hof verbundenen Entstehens der Elstertalbrücke. Die Tourismus-Region präsentiert sich vom 11. bis 13. Oktober.

Ein aufwendiges und mit großem Engagement vorbereitetes Fest Mitte Oktober zu feiern, birgt in Mitteleuropa Risiken. Und so hoffen Organisatoren, Mitwirkende und sicher auch die Bewohner der Gemeinde Pöhl, dass ihnen das Wetter am Wochenende keinen Strich durch die Rechnung macht. Pöhl feiert von Freitag bis Sonntag 600 Jahre Jocketa und 625 Jahre Barthmühle. Und nach den Prognosen der Meteorologen soll es Freitag besser und ab Samstag sonnig und warm werden.

Die beiden Ortsteile in der Idylle zwischen Talsperre Pöhl und Elstertalbrücke haben ein Programm mit viel Kultur, Festbetrieb und einem Umzug auf die Beine gestellt. Mit Flyern werben die mit der Organisation befasste Gemeinde Pöhl sowie verschiedene Vereine für ihr Event. Im Vorfeld wurden Spendengelder gesammelt und Sponsoring-Verträge geschlossen. Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl (FDP) vermeldete erfreut, dass auch der Vogtlandkreis die kulturellen Veranstaltungen am Festwochenende mit 1000 Euro Fördergeld unterstützt. Helmut Meißner, Sachgebietsleiter Kultur und Sport im Landratsamt, übergab einen Fördermittelbescheid.

Der Festumzug als Finale und Höhepunkt soll am Sonntag ab 14 Uhr zeigen, was die Talsperrengemeinde ausmacht: die Elstertalbrücke, die Talsperre seit ihrer Entstehung bis heute, Gewerbe, Kirche, Kulturgruppen - auch die Schwesterdörfer sind dabei. "Viele Vereine präsentieren sich", sagt Ines Lindenau, eine der beiden Organisatorinnen. "Ein Ehepaar wird als Herr Jocketa und Frau Barthmühle für die beiden Ortsteile auf dem Festwagen stehen", kündigt Andrea Fritsche-Hertel an, die gern organisiert und sich daher als Freiwillige gemeldet hatte. 30 Bilder zeigt der Umzug, eine runde Sache.

Ein buntes Fest gibt es Samstag und Sonntag, jeweils ab 10 Uhr, auf dem Schulgelände (siehe nebenstehendes Programm "Drei tolle Tage"). Markttreiben, Ausstellungen, Musik, Kultur und Show. Verschiedene Akteure proben seit Langem für ihre Auftritte während des bunten Festprogramms am Samstagnachmittag in der Mehrzweckhalle Jocketa. In Webers Festscheune gibt es Einblicke in zeitgeschichtliche Dokumente zur Elstertalbrücke.

Und sonst noch? Die Gemeinde Pöhlsetzt einen Teil des Fördergeldes dafür ein, um Skisprunglegende Jens Weißflog in die Barthmühle zu holen. Am Samstag wird "der Floh vom Fichtelberg" ab 12 Uhr im Veranstaltungszentrum Bahnhof Barthmühle der Familie Steinmüller sein Buch vorstellen und Autogramme geben. "Ich weiß, dass sich viele Pöhler insbesondere auf diesen Punkt unseres Festprogrammes freuen", sagt Hommel-Kreißl. Im Bahnhof Barthmühle können die Besucher auch eine Zeitreise erleben. Dort werden historische Postkarten gezeigt. Am Sonntag, 10 Uhr, findet ein Festgottesdienst statt.


Ortschronik Jocketa

Um 1200: Vermutliche Gründung

Jocketas, schriftliche Belege gibt es

dafür nicht. Das Dorf soll,wie andere Orte an der oberen Elster, während der großen Siedlungsbewegung von 1150 bis 1230 entstanden sein.

1419: Erster schriftlich fassbarer Beleg ist eine Urkunde in der Form von koczaw 'Koczau'. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich der Name über Kogte (1438), Gokta (1506), Jogta (1533), Jockta (1578) zu Jocketa (1791), in der Mundart Gocke

gesprochen. Zu jener Zeit waren es vermutlich nur vier Bauernstellen.

1519: Erstmals taucht der Begriff Vorwerk auf, es entwickelte sich aus dem größten Bauernhof und diente als Wohnhaus eines Angehörigen der Liebauer Adelsfamilie von Dölau.

1649: Zu Jocketa gehören neben dem Vorwerk zwei Höfe, zwei Herbergen und acht Häuser. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb der Ort fast unverändert ein kleines Bauerndorf.

1834 gibt es 60 bis 70 Einwohner.

1833: Der Landschaftsname "Vogtländische Schweiz" taucht erstmals schriftlich beim Besuch in Elsterberg durch Kronprinz Friedrich August auf.

1841: Vorbereitung für den Bau der Elstertalbrücke. Der Bau einer Eisenbahnlinie von Leipzig bis Hof wird bekannt, auch Jocketa ist betroffen.

1846: Die Grundsteinlegung für die Elstertalbrücke erfolgt am 6. November. Große Veränderungen und unruhige Jahre folgen durch die riesige Baustelle. Die Dorfstraße wird zum Transportweg, ein Heer von Arbeitern kommt nach Jocketa.

1879: Maurermeister Kaiser kauft um 1900 zwölf Grundstücke zur Bebauung von Wohnhäusern (Villen) östlich der Bahnlinie. Textilfabrikanten aus Plauen kaufen Parzellen. Die Villensiedlung Neujocketa entsteht und führt schließlich zum teilweisen Verlust des dörflichen Charakters. Per 1895 zählt Jocketa 230 Einwohner.

1945: Am 16. April, 12.36 Uhr, sprengen Wehrmachtssoldaten auf dem Rückzug vor amerikanischen Truppen die Elstertalbrücke. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt der Wiederaufbau, bereits im Februar 1946 ist die wichtige Bahnlinie wieder über eine Stahlkonstruktion befahrbar.

1950: Die Ziegelbrücke wird wieder in ihrem ursprünglichen Zustand aufgebaut. Die in den Kriegswirren auf 1307 Einwohner gewachsene Bevölkerung pegelt sich bei 840 ein.

1958: Baustart für die Talsperre Pöhl. Sechs Jahre später ist die Staumauer fertig.

1974: Die Barthmühle, an der Jocketa, Röttis, Trieb und Ruppertsgrün Fluranteile haben, wird als Ortsteil nach Jocketa eingemeindet.

1994: Jocketa wird Teil und zugleich Sitz der Einheitsgemeinde Pöhl. Das 575-jährige Bestehen Jocketas wird mit einer Festwoche begangen.

2001: Neugründung des Zweckverbandes Talsperre Pöhl. Er soll für professionelle touristische Vermarktung und Nutzung der Talsperre sorgen.

2005: Die Mittelschule wird wegen des Schülerrückgangs geschlossen. Drei Jahre zuvor hatte Jocketa 40 Jahre Schule gefeiert.

2013: Das Hochwasser 2013 trifft Jocketa. Straßen und der Dorfplatz Alt-Jocketa sind überschwemmt.

Quelle: Die Informationen sind von Ortschronist Steffen Fischer und seinem Vorgänger Herbert Steinmüller.


Drei tolle Tage

Freitag, 10. Oktober:

Kirche: 17 Uhr: Eröffnung der Gemäldeausstellung Jocketaer Künstler im Gemeindesaal Jocketa. 19 Uhr: Feierliche Eröffnung durch Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl. Es folgt die Festrede von Thilo Lehmann. Bereits ab 17.30 Uhr wird fürs leibliche Wohl gesorgt. Bürgerchor und Männergesangsverein Ruppertsgrün sind dabei.

Samstag, 11. Oktober:

Schule und Schulhof: 10 Uhr: Markttreiben mit altem Handwerk und Bastelständen. Ausstellung historischer Ansichten. Dazu Gegrilltes und Getränke. Geführte Wanderung über die Elstertalbrücke nach Barthmühle. 14.30 Uhr: Buntes Nachmittagsprogramm. 19 Uhr: Los Volcanos mit Feuer und Artistik. 19.30 Uhr: Tanz mit LTR live und JCC-Showprogramm.

Bahnhof Barthmühle: 10 Uhr: Gegrilltes und Getränke. 12 Uhr: Lesung mit Jens Weißflog. 14 Uhr: Mitfahrmöglichkeit zur Jocketaer Schule.

Webers Festscheune: 10 Uhr: Ausstellung zeitgeschichtlicher Dokumente zur Elstertalbrücke. Dazu gibt es Jazzmusik der Band Kunstseidenwerk, Speisen und Getränke.

Sonntag, 13. Oktober:

Schule und Schulhof: 10 Uhr: Markttreiben mit altem Handwerk und Bastelständen. Ausstellung historischer Ansichten. Dazu Gegrilltes und Getränke. Festgottesdienst mit Schwesterkirchgemeinden und Posaunenchor. 11 Uhr: Frühschoppen.

Talsperrenblick: 14 Uhr: Festumzug vom Talsperrenblick zur Schule. (ur)

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