Theater-Einigung wackelt noch

Die Mitarbeiter sollen ab Januar wieder nach Tarif bezahlt werden. Das führt aber auch zu Angst vor Kündigungen. Nicht das einzige Problem.

Plauen.

Die Mitarbeiter des Theaters Plauen-Zwickau sollen mithilfe des millionenschweren sächsischen Kulturpaktes ab dem kommenden Jahr wieder nach dem gültigen, von den Gewerkschaften ausgehandelten Flächentarifvertrag bezahlt werden. Das geht aus einer Beschlussvorlage für den Zwickauer Stadtrat hervor. Demnach soll der Haustarifvertrag des Theaters, der zuletzt einen Lohnverzicht von neun Prozent und mehr beinhaltete, vorzeitig aufgehoben werden.

Die höheren Kosten können sich die Theater-Gesellschafter, die Städte Zwickau und Plauen, nur leisten, wenn sie dem Kulturpakt beitreten, über den der Freistaat in den kommenden fünf Jahren zusätzliche Fördermittel zur Verfügung stellt. Dennoch würde das für Zwickau im nächsten Jahr Mehraufwendungen in Höhe von 965.000 Euro bedeuten, die bis zum Jahr 2024 auf knapp 2,8 Millionen Euro ansteigen - eine entsprechend aufgestockte Förderung durch den Kulturraum Vogtland-Zwickau vorausgesetzt, sonst wird es noch teurer. Das Ende des Haustarifes würde auch bedeuten, dass der Freizeitausgleich von 23 Tagen für die Mitarbeiter entfällt und damit wieder länger gespielt werden kann.

Der Betriebsrat des Theaters begrüßt grundsätzlich das Ende des Haustarifvertrages. "Es ist prinzipiell gut, wenn die Mitarbeiter wieder mehr Geld bekommen", sagte der Vorsitzende Matthias Spindler. Allerdings betrachtet er das Thema auch mit gemischten Gefühlen. "Der Kulturpakt ist zeitlich begrenzt", sagte Spindler. Nach dem Jahr 2023 müssten die Partner die Kosten in voller Höhe selbst tragen, wenn der Freistaat die Förderung nicht verlängert. Spindler fürchtet in diesem Fall Einschränkungen, auch im künstlerischen Angebot. "Wir können dann die Erwartungen, die die Theaterbesucher an uns haben, vermutlich nicht mehr erfüllen", sagte er. Außerdem seien bei einem normalen Tarifvertrag wieder Kündigungen möglich, die bisher ausgeschlossen sind. "Die Mitarbeiter haben jahrelang ihren Beitrag zum Erhalt des Theaters geleistet und auf Lohn verzichtet", sagte Spindler. Da wäre es jetzt durchaus gerechtfertigt, auch weiterhin die Sicherheit ihrer Jobs zu garantieren.

Änderungen soll es auch im Grundlagenvertrag für das Theater geben. Geplant ist, ihn vorfristig bis 2022 zu verlängern. Zwickau will zur Entlastung Plauens künftig freiwillig 67,5Prozent der Kosten übernehmen. Bisher war der Finanzierungsschlüssel auf 60 zu 40 festgesetzt. Im Gesellschaftsvertrag will Zwickau verankert wissen, dass es künftig mehr Mitglieder als Plauen im Aufsichtsrat hat - und dieser über den Intendanten entscheidet. Bisher war das Aufgabe der Gesellschafterversammlung.

Allerdings wurde die Beschlussvorlage inzwischen wieder von der Tagesordnung der Zwickauer Ratssitzung am 25. Oktober genommen. Eine offizielle Begründung gab es zunächst nicht. Nach Recherchen der "Freien Presse" sollen die Verhandlungen mit Plauen Grund dafür sein. Die Vogtlandstadt will demnach zwar am gemeinsamen Theater festhalten und alle Leistungen nutzen, dafür aber so wenig wie möglich bezahlen. Das lehnen sowohl Zwickaus Verwaltung als auch Stadträte ab. Aus Plauen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU), so hieß es aus der Pressestelle der Stadt Plauen, sei erst am Mittwoch wieder im Büro.

Viel Zeit bleibt für eine Einigung nicht. Bis Ende November müssen die Mittel für den Kulturpakt beantragt sein. Der Zwickauer Stadtrat soll am 29. November entscheiden.

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