Theater Hof muss ausziehen: Im Frühjahr beginnt Sanierung

Plauens Partnerstadt bekommt für die Dauer eines Jahres eine neue Spielstätte. Der Spielplan ist darauf abgestimmt.

Hof.

In der Spielzeit 2020/2021 arbeitet der Hofer Theaterintendant Reinhardt Friese mit seinem Team in einer Interimsspielstätte, die direkt an das Theatergebäude angebaut wird. Für den Bau sind etwa 1,5 Millionen Euro veranschlagt.

Die Sanierung des 1994 eröffneten Hofer Theaters indes wird nach jetzigen Berechnungen 23 Millionen Euro verschlingen. "Im Vergleich zu anderen Spielstätten ist das ein Schnäppchen", sagt Friese während der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Spielzeit. Häuser in Coburg, Würzburg, Augsburg und München haben hinsichtlich ihrer Sanierung zwischen 40 und 200 Millionen Euro verschlungen. Allerdings seien diese Gebäude meist auch älter gewesen als der Hofer Bau.

65.000 Besucher verzeichnet das Theater in Plauens Partnerstadt jährlich. Daran soll sich auch während der Spielzeit im Ausweichgebäude nichts ändern. Im Gegenteil: Neben dem normalen Abonnement soll es ein weiteres Angebot geben. "Land in Sicht" heißt der neue Zyklus, mit dem das Hofer Theater auch politisch Flagge zeigen möchte.

"Das Attentat von Halle zeigt, dass wir in einer Zeit angekommen sind, wo gesellschaftliche Verabredungen nicht mehr von allen eingehalten werden. Wer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, muss auch schon hierzulande um sein Leben fürchten. Aus meiner Sicht geht es nicht allein gegen Moslems oder Juden. Es geht nicht um rechts und links. Mir kommt es vor wie ein Anschlag auf unsere Art zu leben, auf unser gesellschaftliches System", so Friese.

Bei "Land in Sicht" will man sich mit dem Land, aber auch mit dem Zustand Deutschlands beschäftigen. Wo kommen solche Wellen von Hass her? Die Sprache verrohe und zeuge von einer Spaltung der Gesellschaft.

Schon im ersten Stück der neuen Spielzeit, der Uraufführung von "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff geht es um Habgier und das Vernachlässigen von menschlichen Werten. Das Stück, welches Martin Jaques komponiert, wird seine Premiere am 26. September 2020 in der Ausweichspielstätte feiern. Im Dezember 2020 dürfen sich die Besucher mit "Die Fledermaus" auf eine klassische Operette freuen.

Mit dem Musical "Brigadoon" kommt ab 24. April 2021 Broadway Flair nach Hof. Erstmals wird in der kommenden Spielzeit auch Mozart gespielt. Die große heroische Oper "Idomeneo" wird dabei in einer Bearbeitung von Ermanno Wolf-Ferrari gezeigt. "Diese Oper hat sonst eine Spieldauer von fünf Stunden. Der Clou: Wolf-Ferrari kommt mit unter drei Stunden aus", so Friese. Im Ballett gibt es zwei große Programme. "Der kleine Muck" mit Musik von Gisbert Näther soll den Kindern Lust auf Bewegung machen. Premiere ist am 25. November 2020. Beim zweiten Ballettabend, der am 23. Januar 2021 Premiere feiert, geht es um Charlie Chaplin.

Im Zyklus "Land in Sicht" sind Stücke wie "Mutter Courage und ihre Kinder", "Kanzlist Krehler", "Willkommen", "Draussen vor der Tür" oder "Bruder Eichmann" zu finden.

Bei "Status Quo", einem Schauspiel von Maja Zade geht es vor allem um den Geschlechterkampf. Im Stück der jungen Autorin sind alle wichtigen Ämter der Gesellschaft mit Frauen besetzt. Da muss ein Quotenmann her. So wie auch ein Shakespeare pro Jahr in der Ära Friese ein Muss am Hofer Theater ist. Gezeigt wird in der Saison der Interimsspielstätte "Der Sturm" mit Premiere am 15. Mai 2021.

Seit wenigen Tagen läuft die Ausschreibung für den Generalunternehmer der Ausweichspielstätte. Im Dezember sollen die Stadträte über die Vergabe entscheiden und bereits ab März könnte das Hofer Theatergebäude auf Zeit gebaut werden. Ab Juni/Juli 2020 soll es dann in Vorbereitung auf die Spielzeit 2020/2021 genutzt werden können.

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