Tierisch, wild und gut vernetzt: Rathausuhr ist wieder repariert

Sonntagfrüh wird an der Uhr gedreht. Zum vielleicht letzten Mal: Die Zeitumstellung steht auf dem Prüfstand. Plauens berühmte Uhr am Altmarkt hatte zuletzt ganz andere Probleme.

Plauen.

Jetzt tut sie es wieder. Sowohl die vollen als auch die Viertelstunden schlägt sie: die ehrwürdige Kunstuhr am Südgiebel des Alten Plauener Rathauses. "Der älteste erhaltene Teil der Uhr ist eine Glocke im Dachreiter", erklärt die Plauener Restauratorin Sonnhild Müller. Sie hat dafür gesorgt, dass das bei Touristen beliebte Foto-Motiv gut vernetzt ist: "Sonst hätten die Tauben alles verdreckt", sagt sie. Und dann wäre wesentlich mehr am Zeitmesser zu tun gewesen als die Reparaturen der vergangenen Wochen.

"Es gab Probleme", erklärte Stadtsprecherin Silvia Weck auf Anfrage. Zuletzt sei ein durch Sturm beschädigter Klöppel des Schlagwerks repariert sowie die Mondphase neu justiert worden. Beides übernahm die Firma Uhren Walter aus Werdau, die nach vielen Reparaturen und Wartungen inzwischen Experte für das Plauener Kunstwerk ist. Die Mondkugel ist eine Besonderheit der Uhr, die Meister Georg Puhkaw aus Hof 1548 kreierte. Die Glocke im Dachreiter ist genauso alt. Fast 300 Jahre lang lief das Uhrwerk genau. 1870 baute die Firma Zacharia aus Leipzig ein neues, das noch heute die Mechanik antreibt. Zwischen 1912 und 1922 wurde die Technik auf elektrischen Antrieb umgerüstet. "In den 50er-Jahren wurde die Uhr bereits restauriert", weiß Sonnhild Müller.


Sie selbst hat Zifferblätter, Figuren und Schnitzereien des fünf Meter hohen Wahrzeichens vor einigen Jahren "bestimmt ein halbes Jahr in der Mache gehabt", wie sie sich erinnert: total verschlissen und verblasst. "Alles, was daran abplatzte oder abblätterte, musste weg", sagt sie. Also: sauber machen, mit Holzmehl und Kunststoff flicken und die Eichenholz-Elemente mit besonders widerstandsfähiger Farbe auffrischen. Die historischen Farben kamen von einer Spezialfirma aus Dresden. Deshalb weiß Müller genau, wie der Figurenschmuck zu deuten ist (siehe Grafik).

Klar ist auch, was die Restauratorin von der halbjährlichen Zeitumstellung hält: "Ich bin für mitteleuropäische Zeit, alles andere ist Käse", sagt sie. In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt auf Winterzeit. Dann gilt die von Müller bevorzugte Zeit wieder.

Sie ist mit ihrem Wunsch nicht allein: Viele Deutsche wollen die Umstellung ebenfalls gern abschaffen. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK ergeben. Auch in einer EU-weiten Online-Umfrage sprachen sich 84 Prozent der Teilnehmer dafür aus, Schluss mit dem Gedrehe an den Uhren zu machen. Die meisten bevorzugen aber, anders als Müller, eine dauerhafte Sommerzeit. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, nächstes Jahr die Zeitumstellungen in Europa zu beenden. Mitgliedstaaten sollen selbst entscheiden, ob sie dauerhaft Winter- oder Sommerzeit wollen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte nun: "Wir werden die anstehenden Treffen auf EU-Ebene nutzen, um hierüber möglichst schnell Einigkeit zu erzielen." Schon kommende Woche beschäftigen sich voraussichtlich die zuständigen EU-Verkehrsminister in Graz erstmals mit dem Thema.

Gar nicht erst umstellen lässt sich dagegen die zweite Uhr am Rathausgiebel: die Sonnenuhr von 1927. Denn die, so erklärt Sonnhild Müller, kann mit der künstlich eingeführten Sommerzeit nun mal nichts anfangen.mit dpa

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...