Tim Mälzers Scharfmacher wetzt in Weischlitz die Messer

Wildfremde Menschen ansprechen und fragen, was sie da tun, gehört sich nicht. "Freie Presse" macht es trotzdem. Heute: Schleif-Weltmeister Thomas Holz (47), der noch bis morgen im Globus-Markt steht.

Freie Presse: Hallo, was machen Sie denn da - so als Schleif-Weltmeister im Supermarkt?

Thomas Holz: Wenn ich arbeite, versinke ich und vergesse alles um mich herum. Mein Opa hat immer gesagt: Egal was du tust, tue es mit Leidenschaft.

Was schleifen Sie hier im Globus?

Hauptsächlich Scheren. Aber nicht schreiben, ich würde lieber mal ein schönes Messer schleifen. Ich habe jetzt drei Supermärkte besucht, und die Leute bringen zu 90 Prozent Scheren, manche 120 Jahre alt.

Woher kommen Sie?

Aus Franken, Marktbergel. Manche sagen, es ist der Nabel der Welt. Andere sagen, es ist ein anderes Löchel...

Ihre Lebensgefährtin steht auch hier in Ihrer mobilen Werkstatt. Die schleifen Sie auf Dienstreisen mit?

Wir arbeiten zusammen. Ich habe es ihr vor Jahren beigebracht.

Sie waren früher Krankenpfleger und werben heute damit, inoffizieller Weltmeister im Messerschleifen zu sein. Wie wird man das?

Indem man an Weltmeisterschaften teilnimmt. Ich habe zweieinhalb Jahre in Japan gelebt, war dort zur WM und habe 2005 gewonnen. Mittlerweile gibt es diese WM aber nicht mehr.

Der Titel, was bringt er?

Ich arbeite für einige bekannte Kunden: den Hoffriseur des japanischen Kaiserhauses, Tim Mälzer, Frank Oehler. Der Friseur des japanischen Kaiserpaares schickt mir seine Schere aus Rosendamast zum Schleifen, die 34.000 Euro kostet. Wir bekommen aus aller Welt Sachen geschickt, die wir scharf machen.

Und Tim Mälzer lässt Sie an seine Kochmesser?

Ja. Dann fahren wir nach Hamburg und schleifen die ganze Nacht lang, auch für die Köche in seinem Restaurant. Das lohnt sich, denn in Hamburg habe ich noch eine Reihe andere Kunden. Der Holz-Messerkoffer, den Tim hat, ist auch von mir. Schreinern ist mein Hobby.

Was war das Schärfste, das Sie geschliffen haben?

Scharf machen wir alles, darum geht es ja. Außergewöhnlich war ein Buschmesser aus Australien. Und ein Katana, ein japanisches Langschwert. Jemand brachte es zum Schleiftermin in einen Supermarkt. Das sah ein Kommissar, der in Rente ist, und meinte, das dürfen wir nicht, weil das eine Waffe ist. Ging aber alles in Ordnung. Ich habe schon viele Sachen bearbeitet, die total verschliffen waren.

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