Tödlicher Unfall bleibt rätselhaft: Freunde zeigen ihre tiefe Trauer

Die Ermittlungen nach der Kollision auf der Ortsumgehung Reichenbach ziehen sich hin. Jetzt wird die Leitplanke erneuert.

Reichenbach.

Die Orte tödlich verlaufener Unfälle bleiben oftmals für Autofahrer und Passanten wochen- oder monatelang erkennbar. Familienangehörige, Freunde, Hinterbliebene zeigen ihre Trauer durch Kreuze, Blumengebinde oder andere ins Auge springende Erinnerungen, die sie am Straßenrand platzieren. Ein ungewöhnlich großes Ausmaß erreicht diese Form öffentlich sichtbarer Trauer am Rande der Reichenbacher Ortsumgehung. Dort hatte sich am Vormittag des 11. September ein Frontalzusammenstoß ereignet; beide Autofahrer kamen ums Leben. Ein Unfall jener Sorte, die auch den Hartgesottenen unter den Rettungskräften unter die Haut geht.

Wer sich dem Unfallort von den Landwirtschaftswegen im Gebiet des Ausflugslokals "Schwarze Katz'" her nähert und die Böschung zur Staatsstraße 289 herauf kraxelt, dem geht es auch unter die Haut. An der Leitplanke liegen Blumengebinde, kleine Figuren aus Gips oder Plüsch, gibt es Fotos in Folie und mit komplettem Bilderrahmen - auch Herzen und zu Herzen gehende Briefe. Während nicht einmal einen Meter entfernt Autos mit Tempo 100 vorbeirauschen, lebt die Erinnerung an die Toten jenes Unfalls in und an der Leitplanke fort, die seit der Kollision vor knapp vier Wochen verbogen ist. Vor allem der Freundeskreis des 26-Jährigen war seither wiederholt am Unfallort. Die Mittzwanziger suchen Antworten und wollen der Lebensgefährtin und der kleinen Tochter ihres Freundes beistehen.

Angesichts derartiger Verzweiflung drücken die Behörden ein Auge zu und dulden die Symbole der Trauer für eine Übergangszeit, solange nichts in den Verkehrsraum hinein ragt. Wenn die Straßenmeisterei mit Großgeräten Gras mäht oder Fahrbahnränder reinigt, wird um derlei Pilgerorte kein Bogen gemacht. Doch ab heute wird dort abgeräumt: Bis Mitte nächster Woche wechselt eine Firma beschädigte Leitplanken aus, darunter auch die am Ort der tödlichen Kollision.

Rätselhaft bleibt, wie es am 11. September bei guter Witterung und freier Sicht zu dem tragischen Unfall kommen konnte. Die gut ausgebauten S 289 führt östlich an Reichenbach vorbei und bindet an den Bundesstraßen 173 und 94 an. Die Ermittlungen dauern an. "Die Staatsanwaltschaft ist zuständig", sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak auf Anfrage. "Die Akten sind noch bei der Polizei", erwidert Christian Fink, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Plauen. Sowohl das unfallanalytische Gutachten, als auch die Obduktionsergebnisse stehen aus.

Eine Bremsspur, die exakt zum Ort der Kollision führt, erwies sich nach übereinstimmenden Aussagen von Polizei und Staatsanwaltschaft als falsche Fährte. "Sie lässt sich dem Geschehen nicht zuordnen", erklärt Staatsanwalt Fink.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...