Toi, toi, toi

Für die Premiere heute Abend befürchte ich das Schlimmste. Denn es heißt doch: je schlimmer die Generalprobe, desto besser die Vorstellung. Aber so weit ich es mitbekommen habe, gab es zumindest bei uns Statisten kaum Katastrophen. Okay, eine Komparsin und ich haben den Anfang eines Tanzes verschwitzt. Haben uns zwar sofort reingeschmuggelt. Doch heute Abend kommt es auf jeden Schritt, jede Geste, jeden Ton an. Nach wochenlangen Proben, Kostümtests, sehr viel Haarspray, mehrfach geänderten Musikpassagen und Wespen, die einem auf der Open-Air-Bühne beim Singen in den Mund zu summen drohen: das große Ziel. Das oft so aufgedrehte Getuschel hinter den Kulissen war bei der Generalprobe jedenfalls deutlich leiser. Gespannte Konzentration macht sich breit. Mittendrin werde ich doch etwas flatterig. Das merke ich daran, dass mir der Lippenstift durch die Finger flutscht. Alte Hasen unter den Komparsen sind da abgehärteter, einige sind auch Solo-Auftritte gewohnt. Andere verspüren dennoch jedes Mal wieder Nervosität, sagen sie. Ein Frischling sagt: "Sowie das Stück erst mal läuft und ich drin bin, geht es."

Mancher Hauptdarsteller hat ein persönliches Ritual vor der ersten Aufführung: "Ich mache autogenes Training. Eine halbe bis dreiviertel Stunde", sagt Björn-Ole Blunck alias Jim Haller. Aufregung sei aber immer dabei. Ein bisschen Lampenfieber findet Marcel Kaiser, der Dean Hyde spielt, sogar gut. Seit einigen Jahren habe er allerdings kaum noch welches. "Die Leute sind ja wegen mir gekommen", sagt er. Nadine Aßmann, die als Miss Sandra bei "Love Me Tender" dabei ist, ist bei Musicals dagegen nervöser als bei Schauspiel: "Die Stimme muss funktionieren und die Einsätze müssen kommen." Ihre Methode mit Lampenfieber umzugehen: "In sich gehen, atmen, sich sagen, dass man gut vorbereitet ist." Sich erden, indem sie tief atmet und die Füße fest auf dem Boden spürt, das macht auch Viola Heeß alias Sylvia. Ihre Bühnen-Tochter Lorraine wird von Anna Striesow gespielt. "Sich gut warmsprechen und tief durchatmen", hat auch sie Tipps parat. Julia Hell dagegen zittern manchmal am Anfang die Hände, verrät sie. "Aber Natalie hat kein Lampenfieber", sagt Hell. "Bin ich in dieser Rolle, habe ich auch keins." Und eine weitere Kleindarstellerin ruft nach der Generalprobe quer durch die Garderobe: "Ich freu mich voll auf die Premiere!" Also: Toi, toi, toi.

"Love Me Tender" feiert heute Premiere um 20 Uhr im Parktheater. Weitere Termine und Tickets an der Theaterkasse, unter Telefon 03741 28134847 oder online unter www.theater-plauen-zwickau.de

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