Toleranzprobleme: Runder Tisch ringt um Kodex

Nach dem Eklat um ein Satireplakat fordert die CDU ein Regelwerk. Pfarrer Rummel kündigt eine Erklärung an.

Plauen.

Pfarrer Hans-Jörg Rummel appelliert an die am Runden Tisch versammelten Akteure, zur Sacharbeit zurückzufinden und den jüngsten Streit zu überwinden. Nach dem Ärger um ein Satireplakat "wird sich der Runde Tisch klar positionieren", kündigt der Sprecher des Runden Tisches an. Das werde noch ein paar Tage dauern, bittet er um Verständnis und lädt "alle, die guten Willens sind" und sich gegen rechte Umtriebe in Plauen engagieren wollen, zur Teilnahme ein.

"Die CDU ist wichtig", betont der Pfarrer und weist zugleich einen Vorwurf zurück: "Der Runde Tisch ist nicht links oder links dominiert." Die Mitglieder "repräsentieren vielmehr die breite Zivilgesellschaft".


Auslöser des Streites war ein Plakat der Satirepartei Die Partei, das Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nackt und in einer laut Kritikern die christliche Religion herabwürdigenden Art darstellt. Als Ulrike Liebscher, die Koordinatorin des Runden Tisches, das Satireplakat auf Facebook mit einem "Gefällt mir" versehen und geteilt hatte, reagierte die Plauener CDU entrüstet.

Hans-Jörg Rummel nennt das Plakat obszön. "Da muss man zur Kenntnis nehmen, dass sich Menschen verletzt fühlen." Zugleich nimmt er die Koordinatorin aus dem Kreuzfeuer der Kritik: "Sie hat den Fehler eingesehen." Ulrike Liebscher hatte den Inhalt auf ihrer Seite umgehend gelöscht. Von einem Rückzug aus ihrem Amt, wie gemutmaßt wurde, ist keine Rede. Vor der Erklärung des Runden Tisches wolle er alle Aspekte beleuchten und werten, kündigt Hans-Jörg Rummel an.

"Ich lasse das Amt vorerst ruhen", sagt CDU-Stadtrat Tobias Kämpf, der für die Union am Runden Tisch sitzt. Er fordert einen Kodex ein, der die Werte des Runden Tisches und die Verhaltensweisen für alle verbindlich regelt. "Wer sich für Toleranz und Menschenwürde einsetzt, muss diese Werte auch leben", fordert Kämpf. Als er nach dem Eklat vorige Woche Freitag am Runden Tisch saß, habe er sich erneut "persönliche Beleidigungen" anhören müssen. Erst wenn die Erklärung einen klaren Rahmen setzt, kehre er zurück.

Unterdessen feiert Die Partei die aus ihrer Sicht gelungene Aktion. Die Urheber der Provokation haben nun auch Strafanzeige angekündigt, nachdem Wahlplakate in Plauen verschwunden sind. Auf Facebook ruft der Kreisverband Zeugen auf, Beobachtungen zu melden. Fotos und Videos "werden fürstlich (Propaganda und Bier) entlohnt".

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1Kommentare
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  • 0
    3
    Distelblüte
    14.08.2019

    Vielleicht werden die verschwundenen Plakate ja Sammlerstücke. Weniger wegen des künstlerischen Wertes als vielmehr wegen der Erinnerung an eine schrille PR-Aktion.



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