Tonbänder über die Wendezeit jetzt im Stadtarchiv digitalisiert

Pünktlich zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution stehen interessierten Plauenern wichtige Dokumente über diese Ereignisse und die darauffolgende Entwicklung zur Verfügung. Verantwortliche und Bürger kommen zu Wort und berichten zum Teil sehr ausführlich.

Plauen.

Den Besuchern des Stadtarchivs stehen ab sofort 3704 Minuten an Schilderungen von Plauenern über die Ereignisse im Herbst 1989, aber auch über die Zeit davor und danach in digitalisierter Form zur Verfügung. Das Material stammt von der ABS Textil, die vor 20 Jahren mit Geldern des Arbeitsamtes vier Mitarbeiter mit der Befragung von Zeitzeugen in die Spur geschickt hat. Zu Wort gekommen sind viele bekannte Persönlichkeiten, aber auch einfache Bürger und als Verantwortlicher der ehemalige Oberbürgermeister Norbert Martin. Mitarbeiter der Staatssicherheit haben keine Auskunft gegeben, sagt Historiker Clemens Uhlig vom Stadtarchiv.

Bisher befand sich das Material auf 62 Tonbandkassetten. Jetzt geht es einfacher und schneller am Computer. Jeder Interessierte kann sich die zum Teil über eine Stunde, manchmal aber auch nur wenige Minuten dauernden Berichte von 250 Bürgern anhören. Wer das privat macht, muss eine Gebühr von 5,50 Euro zahlen. Wenn über die Heimatgeschichte geforscht wird, ist es kostenlos.

Die Bänder liegen seit dem Jahr 2001 im Archiv. Weil deren Qualität im Laufe der Jahre nachlässt, haben Stadtarchivarin Doris Meijler und ihr Stellvertreter Clemens Uhlig das Material jetzt von einer Fachfirma digitalisieren lassen.

"Es werden immer ein bis zwei Fragen gestellt und dann ist freies Erzählen zu hören", erklärt der Archivar. Die Fragesteller nehmen keinerlei Einfluss auf das, was die Einwohner wiedergeben. Zum Teil sind auch sehr persönliche Dinge zu hören. Gedanken und Gefühle der Menschen spielen eine Rolle. An bekannten Namen stehen unter anderem Ralf Reichmann und Gerold Kny von der Feuerwehr, Kunstexperte Wolfgang Rudloff, der langjährige Neoplan-Chef Achim Knabe, Christa Stöß vom Theater, Künstler Dietrich Kelterer, Neundorfs ehemaliger Ortsvorsteher Wilfried Spranger, Maler Manfred Feiler und Stadtrat Bernd Stubenrauch auf der Liste.

Bisher haben sich Schüler aus Plauen und auch Leipzig neben anderen Nutzern mit den Kassetten befasst. "Das diente meist für Projekte in der Schule", informiert Clemens Uhlig. Aufgearbeitet, alles angehört und ausgewertet hat das Material aber noch niemand.

Der in diesem Jahr verstorbene frühere Oberbürgermeister Norbert Martin berichtet über die personellen Schwierigkeiten aufgrund der Ausreisewelle im Jahr 1989, als es zu Engpässen in der medizinischen Versorgung und bei der Versorgung der Bevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs gekommen sei. Ralf Reichmann blickt zurück auf die Lage in Weischlitz und erzählt über seine Weigerung, Leute von den Eisenbahngleisen herunterzuholen, als die Flüchtlingszüge kamen.

"Wir werden die von einer Fachfirma digitalisierten Berichte nicht ins Internet stellen", teilt der stellvertretende Archivchef weiter mit. Dazu fehle das Einverständnis der Befragten. Das liege nur für die Nutzung im Archiv vor.

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