Top-Architektur am Kuhflecken-Boulevard

Die obere Bahnhofstraße zeigt sich großstädtisch und modern. Der Gehweg hinkt indes hinterher. Das sorgt für Verdruss.

Plauen.

Seit einer provisorischen Reparatur der hellen Gehwegplatten der oberen Bahnhofstraße mit dunklem Asphalt sprechen Spötter von einer Kuhflecken-Optik. Das liegt jetzt zwei Jahre zurück, die Stadt wollte den beklecksten Boulevard umgestalten und aufpeppen. Doch die Kuhflecken, die sich von der Sparkasse bis zum roten Würfel ziehen, bleiben Plauen wohl noch ein Stück erhalten.

Sehr zum Missvergnügen von Günter Schneider, Vorstand der Plauener Wohnungsbaugenossenschaft AWG. "Wir haben hier jede Menge Geld investiert", ergriff Schneider am Montag in der Bürgerfragestunde der Mai-Sitzung des Stadtbau- und Umweltausschusses das Wort. Er sei davon ausgegangen, dass der Ausschuss über das Projekt redet und womöglich auch gleich beschließt. Unter Verweis auf den aufwändig sanierten AWG-Elfgeschosser fügte er an: "Unsere Baumaßnahme wird torpediert."

Christoph Ulrich

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Die Stadtverwaltung bereitet eine Beschlussvorlage vor. Das kündigte Baubürgermeister Levente Sárközy an. "Die Planung war nicht optimal", antwortete er auf Günter Schneiders Kritik. Später, am Ende der Ausschusssitzung, griff SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch das Thema nochmals auf und fragte, was aus dem Flickenteppich denn werden soll. "Oben hui, unten pfui", umschrieb er den nach Millionen-Investitionen der beiden Großvermieter AWG und WBG entstandenen Kontrast. Baubürgermeister Sárközy antwortete knapp, die Stadt müsse das Projekt "erst in den Haushalt einordnen".

Grundsätzlich soll es eine Auflockerung geben: mit Begrünung, mit weiteren Pkw-Stellplätzen und Wohlfühl-Flair. Allerdings wird das angesichts der Größenordnung nicht billig. Kurzfristig sei das Vorhaben nicht realisierbar, hieß es im Herbst 2018 aus dem Rathaus.

Während die Kommune noch zögert, haben Investoren dem Bereich südöstlich des Oberen Bahnhofes großstädtisches Flair eingehaucht. Bereits vor längerer Zeit erhielt das Sparkassen-Gebäude eine moderne Optik mit Glas und Metall. Das charakteristische Kopfhaus am Albertplatz folgte 2013 mit einer modernen farbigen Fassadengestaltung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft setzt aktuell eine ambitionierte und tiefgreifende Plattenbau-Umgestaltung im Bereich zwischen Tischendorf- und Bahnhofstraße um - ein mit 5,5 Millionen Euro veranschlagtes Vorhaben. Und schließlich setzt die AWG mit ihrem 3-Millionen-Euro-Projekt den oberen Abschluss der Bahnhofstraße. Wer jetzt aus Richtung Schleiz unter der Bahnbrücke hindurch nach Plauen einfährt, könnte sich in einer Großstadt wähnen.

Dessen war sich die AWG von Beginn an bewusst. "Es ist ein stadtbildprägendes Gebäude", sagt Günter Schneider, und das musste bei der Sanierung berücksichtigt werden. Die AWG startete einen kleinen Wettbewerb und entschied sich für den Entwurf der Bauplanung Plauen, die eine Fassade mit räumlich wirkenden Elementen vorsieht. "Das Echo ist durchweg positiv", sagt der Vorstand. Gerade die Unterschiedlichkeit der gesamten Häuserzeile wird von vielen als attraktiv und modern gewertet.

Auch im Inneren der 63 Wohnungen im AWG-Elfgeschosser hat sich einiges verändert. Die Balkons an der Rückfront sind jetzt, wo es möglich war, tiefer und bieten damit mehr Fläche. Die Kanten zwischen Wohnräumen und Balkons sind ebenfalls verschwunden, sodass es jetzt barrierearme Zugänge gibt.

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