Treibjagd im Vogtland: 33 Tiere zur Strecke gebracht

Verantwortliche von Jagd und Forst sehen sie als notwendig an, bei Naturschützern ist sie umstritten: Mit Treibjagden greift der Mensch regulierend in die Wildbestände ein. Am Wochenende fand so eine Jagd nahe Rohrbach statt.

Rohrbach.

21 Rehe, sechs Stück Rotwild und sechs Stück Schwarzwild brachten Jäger am Samstag während einer Treibjagd zwischen Landwüst und Rohrbach in einem 750 Hektar großen Waldgebiet zur Strecke. "Das ist ein gutes Ergebnis. Wir hätten uns allerdings eine höhere Zahl Schweine gewünscht, schon im Sinne einer Prävention vor der Afrikanischen Schweinepest", fasst Jagdleiter Udo Lüttschwager vom Forstbezirk Adorf das Ergebnis zusammen. Ähnlich erging es Jägern im Oktober in Eich. Auch hier wurde bei einer Treibjagd nur ein Wildschwein zur Strecke gebracht, erhofft hatten sich die Jäger deutlich mehr.

Bei der Jagd am Samstag nahe Rohrbach und bei allen anderen derzeitigen Treibjagden, etwa 20 sind es im Forstbezirk pro Jagdsaison, fallen coronabedingt alle jagdlichen Bräuche weg, wie der gemeinsame Beginn der Jagd, das gemeinsame Beenden der Jagd mit Jagdmusik und gemeinsamen Gesprächen. Stattdessen war ein umfangreiches Hygienekonzept Voraussetzung für eine Genehmigung.

Treibjagden tragen dazu bei, den Bestand an Wild so zu regulieren, dass junge Bäume auch ohne Einzäunung wachsen können. Gerade die Triebspitzen der jungen Bäume seien für das Wild Leckerbissen. Derartig durch Verbiss geschädigte Bäume können sich nicht mehr gut entwickeln, so Udo Lüttschwager.

Fast über das ganze Jahr verteilt laufen die Vorbereitungen für diese Jagden. Die Teilnehmer kommen aus ganz Sachsen, aber auch aus benachbarten Bundesländern. Sie setzen sich zusammen aus Mitarbeitern des Sachsenforstes und privaten Jägern, darunter am Samstag auch Jagdgäste aus Bayern. Im Vorfeld müssen die Mitarbeiter des Sachsenforstes die Jagdstände kontrollieren, eventuell den Standort verändern, damit der Jäger auch Sicht hat, falls nötig reparieren oder manchmal auch Sichtschneisen freischneiden.

Während sich die 72 Schützen möglichst warm anziehen mussten, um ohne zu frieren zweieinhalb Stunden auf ihrem Stand auszuharren, war es für alle fußläufigen Jagdteilnehmer wichtig, mit regenfester Kleidung anzutreten, denn der Weg der Treiber führt durchs dichte Unterholz, dort, wo sich das Wild tagsüber aufhält. Die Hauptakteure und wichtigsten Helfer, ohne die es überhaupt keinen Jagderfolg geben würde, waren aber die Hunde. "Wer glaubt, das Wild hetzt, bloß weil wir auftauchen und ein bisschen Lärm machen, planlos und gestresst durch den Wald, der irrt sich gewaltig. Die Tiere sind schlau und sie lernen ständig dazu. Sie laufen Kreise, führen die Hunden in die Irre, gehen wieder in die Deckung. Ohne Hund kann es passieren, dass der Treiber nur ein paar Schritte am Wild vorbeiläuft, ohne dass er die Tiere bemerkt. Das Wild verhält sich vollkommen ruhig", erklärt Udo Lüttschwager. Seine Tochter, Luisa Lüttschwager, die als Gruppenführerin eine Treibergruppe leitete, berichtet von so einem Erlebnis. "Ich blieb stehen, um mir die Losung (Exkremente des Wildes) eines Rotwildes anzuschauen und wunderte mich, dass es nach Schwein roch. Plötzlich sprang das Schwein direkt neben mir aus der Deckung, aber wahrscheinlich nur, weil ich so lange stehen geblieben bin, sonst hätte ich es nicht bemerkt."

Hund ist bei der Jagd nicht gleich Hund, jeder ist Spezialist auf seinem Gebiet. Die einen stöbern das Wild auf, andere helfen bei der Nachsuche. Die Griechische Bracke Olli, der Jagdhund von Luisa Lüttschwager, ist ein sogenannter Kurzjäger. Er umkreist seine Besitzerin meist in überschaubarer Entfernung. Gerda dagegen, die Jagdhündin von Udo Lüttschwager, bleibt dem Wild, wenn es sein muss, mehrere Stunden auf den Fersen. "Für die Hunde ist das Schwerstarbeit. Sie sind danach erschöpft und brauchen eine Pause. Deshalb setzt man für die Nachsuche auch ausgeruhte, sogenannte Schweißhunde ein", berichtet Silvio Wagner aus der Oberlausitz. Nachsuche sei immer dann nötig, wenn verletztes oder getötetes Wild noch nicht gefunden wurde. Ein viel zitiertes Sprichwort unter Jägern laute nicht umsonst: Jagd ohne Hund ist Schund. Wagner ist zugleich Hundeobmann des Sächsischen Landesjagdverbandes. Er war mit acht seiner Tiere im Wald unterwegs.

Trotz eines Großaufgebotes an Schützen und Jagdhelfern bot sich längst nicht jedem Jäger die Möglichkeit, einen Schuss abzugeben. "Manchmal ist die Entfernung zu groß oder die Tiere sind durch Bewuchs verdeckt oder sie sind einfach zu schnell unterwegs. Manchmal schießen die Schützen aber auch daneben", berichtet Udo Lüttschwager. Die Verantwortung des Schützen sei groß. Schließlich ist er nicht allein im Wald. Treiber und Hunde durchstreifen das Unterholz. Alle tragen Sicherheitsbekleidung in Signalfarben, auch die Hunde. Das erlegte Wild hat am Samstag ein Wildhändler übernommen. Der Forstbezirk Adorf unterhält aber auch eine eigene Kühlzelle in Schöneck und verkauft Wild, auch portioniert, an Privatpersonen, die Gastronomie oder den Einzelhandel.

Treibjagden rufen immer wieder auch Kritiker auf den Plan. Tiere seien bei dieser Form der Bejagung großem Stress ausgesetzt. Weil die Tiere in Bewegung geschossen werden, sind tödliche Treffer schwieriger zu setzen als bei stehendem Wild. Es besteht die Gefahr, dass Tiere qualvoll verenden, weil sie nur angeschossen wurden. (mit fp)

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