Trügerische Ruhe an Todeskreuzung

Nur ein Abzweig zwischen Plauen und der A 72 ist für Tempo 100 freigegeben. Doch jener Knoten in Oberlosa hat es in sich.

Plauen.

Wer im Fahrzeug auf der B 92 zwischen Plauen und der A 72 unterwegs ist, muss an allen Abzweigen der Bundesstraße Tempo 70 einhalten. Nur an einem nicht: Über die Kreuzung der B 92 mit der Ortsverbindungsstraße zwischen Ober- und Unterlosa darf man mit 100 km/h brettern. "Warum ist das so?", schreibt "Freie Presse"-Leser Günther Hoffmann aus Plauen in einem Brief an die Lokalredaktion: "Dort gab es doch Unfälle mit Toten." Auch Anwohner Göran Schricker, der direkt an der Kreuzung seinen Reiterhof betreibt, kann sich an mehrere tödliche Unfälle erinnern.

Tatsächlich liegen alle Abzweige der B 92 ab Ortsausgang Plauen bis zur spitzwinklig nach Oberlosa abzweigenden Neuen Plauenschen Straße in einer Tempo-70-Zone. Das Geschwindigkeitslimit gilt ebenso für die Zufahrt zum Industrie- und Gewerbestandort Oberlosa. Einzige Ausnahme ist jene Kreuzung zwischen Ober- und Unterlosa.

Die Sicht ist dort relativ gut, der Ausbaugrad liegt indes unter dem einiger Abzweige mit Tempolimit. Eine fehlende Rechtsabbiegerspur stadteinwärts zwingt jeden, der die 90-Grad-Kurve nehmen will, langsam zu fahren. Für den Landwirtschaftsverkehr gilt beim Überqueren der Bundesstraße ohnehin äußerste Vorsicht, zumal nicht jeder Fahrer zwischen Plauen und Oelsnitz die erlaubten 100 km/h einhält. Warum also ist ausgerechnet dort, und nur dort, Tempo 100 erlaubt?

Zuständig für Bundesstraßen ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in Dresden. Die Straßenbehörde spricht von Linksabbiegespuren, weicht der Frage aber aus und verweist an die Stadt Plauen. "Die Beschilderung wird durch die örtliche Straßenverkehrsbehörde angeordnet, dazu gehören auch mögliche Geschwindigkeitsbeschränkungen", sagt Franz Grossmann aus der Lasuv-Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Unfallzahlen seien Sache der Polizei, nach Lasuv-Kenntnis sei die Kreuzung keine Unfallhäufungsstelle.

Die zuständige Leiterin der örtlichen Straßenverkehrsbehörde, Evelyn Schramm, spielt den Ball zurück nach Dresden. "Das Lasuv ist Baulastträger der genannten Straße", sagt sie. Und nur diese Fachbehörde "bestimmt, was angeordnet werden soll". Ein Antrag für ein Tempolimit sei in Plauen nie gestellt worden.

Aus Sicht der Polizei gilt der Bereich der B 92 nahe Oberlosa als "eher unauffällig", erklärt Verkehrsfachmann Mathias Urbansky aus der Polizeidirektion Zwickau. Dennoch gab es dort seit 2015 zwei Unfälle mit jeweils einem tödlich verunglückten Menschen. Auffällig ist laut Polizeistatistik nur eine Häufung von Wildunfällen.

Ein tragischer Unfall hatte indes vor ziemlich genau zehn Jahren eine Kontroverse um die Kreuzung ausgelöst. Ende Oktober 2009 fuhr ein Peugeot 106 aus Oberlosa auf die Bundesstraße und kollidierte mit einem BMW. Zwei Menschen kamen ums Leben. Bittere Ironie: Die 61-Jährige, die den Folgen der Kollision erlag, gehörte einer Familie an, die wenige Jahre zuvor bereits ein Todesopfer zu beklagen hatte. Der Unfallort war identisch.

Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer plädierte 2009 für eine Entschärfung der Kreuzung, der Ex-Landrat und der damalige Ortsvorsteher sprachen sich hingegen für ein Tempolimit aus.

Mit Interesse nimmt der frisch gebackene Ortsvorsteher Janes Trawinski die neu gestellten Fragen vor dem Hintergrund alter Geschehnisse auf. Der Ortschef will nicht warten, bis es womöglich wieder kracht, sondern das Thema Tempolimit im Ortschaftsrat umgehend beraten. Ohnehin ist unklar, was im Zuge der Plauener Industriegebiets-Pläne aus der Kreuzung wird. Sie ist die wichtigste Verbindung zwischen Unter- und Oberlosa und gilt für die Bewohner als unantastbar. "Bei uns stehen jetzt nicht nur schöne Dinge an", blickt Janes Trawinski voraus. Wichtige Aufgaben seien zu lösen.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    1
    Tauchsieder
    19.10.2019

    Todeskreuzung, gehts auch ne Nummer kleiner?
    Für die Unfälle mit Todesfolgen gabs auch Ursachen, könnte man bei der Polizei nachfragen. So weit mir bekannt ist lagen die Ursachen nicht an der dort zulässigen Geschwindigkeit.



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