Über die Autobahn 72 donnern deutlich mehr Lastwagen

In der Spitze rauschen 500 Brummis pro Stunde an der Messstelle in Gospersgrün vorbei. Die Unfallstatistik zeigt Überraschendes.

Plauen.

In nur fünf Jahren hat der Schwerlastverkehr auf der A 72 im Gebiet Vogtland um mehr als ein Viertel zugenommen. Das ist aus Daten von Verkehrszählstellen in Gospersgrün und Heinersgrün ersichtlich, die das Landesamt für Straßenbau und Verkehr auf Anfrage der "Freien Presse" zur Verfügung stellt. Im Schnitt rauschten 2017 von Montag bis Freitag rund 10.600 Laster an Heinersgrün vorbei - innerhalb von nur 24 Stunden. In Gospersgrün wurden in dem Zeitraum noch 570 Brummis mehr registriert.

Zu Spitzenzeiten donnern am Punkt in Gospersgrün in Fahrtrichtung Plauen 500 Laster innerhalb von nur einer Stunde vorbei. Das sind nicht einmal sieben Sekunden bis zum nächsten. Diese Werte werden Montag, Dienstag und Mittwoch erreicht, erst gegen 18 Uhr geht die Kurve nach Auskunft der Verkehrsbehörde wieder nach unten. Die Daten stammen aus diesem Jahr. In Fahrtrichtung Zwickau sind es in der Spitze 400 Laster pro Stunde, von Montag bis Freitag werden die erreicht. Ab Freitagmittag glüht die Autobahn. Dann kommen die Pendler aus Bayern zurück. Spitzenwert: 2800 Fahrzeuge pro Stunde.

Das Limit für die Vierspurigkeit sei damit aber noch nicht erreicht, wie Isabel Siebert auf Nachfrage sagt. Sie ist Bürgerbeauftragte im für die Autobahn zuständigen Straßenbauamt. "Der Ausbaugrad wird als ausreichend eingeschätzt", sagt sie. Die Daten dienen vor allem den Autobahnmeistereien. Die können sich damit besser auf Stoßzeiten einstellen. Auf den Turnus für Instandhaltungen hat die aus den Zahlen ablesbare gestiegene Belastung der Trasse indes keine Auswirkung, wie es auf Nachfrage heißt. "Wir prüfen den Zustand regelmäßig bei Streckenbegehungen", erklärt Isabel Siebert.

Bedeuten mehr Laster auf der Strecke aber auch ein höheres Risiko für Unfälle? Die Statistik der Polizei in Zwickau sagt etwas anderes. Von 2012 bis heute gibt es keinen Trend nach oben, wie Sprecher Oliver Wurdak auf Nachfrage erklärt. "Wir liegen nach wie vor bei einem Durchschnitt von 160 bis 170 Unfällen im Jahr." Nicht ersichtlich ist aus den Zahlen, in wie vielen Fällen Laster Unfallverursacher oder nur Beteiligte waren. Erfasst wird der Bereich von der Landesgrenze bis zur Anschlussstelle Stollberg Nord.

Güterverkehr-Aufkommen, Unfallhäufung, Stoßzeiten - das alles wurde voriges Jahr per Gutachten überprüft, betont Isabel Siebert vom Straßenbau-Landesamt. An Stellen, wo der Verkehr immer wieder stockt, wurden im Frühjahr Schilder mit Lkw-Überholverboten aufgestellt.

Im Vogtland stehen die Schilder an zwei Abschnitten: Richtung Chemnitz zwischen der Anschlussstelle Treuen und Reichenbach sowie zwischen Reichenbach und der Anschlussstelle Zwickau-West. Das Überholverbot gilt dort für Brummifahrer donnerstags und freitags von 14 bis 20 Uhr. Forderungen von Autofahrern nach weiteren Einschränkungen bremst Siebert aber aus: "Es hat sich gezeigt, dass solche Schilder das Überholen nur an den Punkt verlagern, ab dem das Verbot aufgehoben ist", sagt sie. "Vor starken Anstiegen sind sie gerechtfertigt, weil Überholvorgänge dort einfach zu lange dauern. Dort stehen sie aber inzwischen auch."

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