Überlebensplan für Plauens Kleingärten

Das Kleingartenkonzept rät zum Schrumpfkurs und fordert, die Betroffenen auf dem Weg der Veränderungen mitzunehmen.

Plauen.

Der mit Spannung erwartete Teil B des Plauener Kleingartenkonzeptes liegt jetzt vor. Am Montagabend wird das 50-seitige Papier im Stadtbau- und Umweltausschuss erstmals öffentlich beraten. Eine aus Kleingärtnern, Stadträten und Verwaltungsleuten gebildete Arbeitsgruppe hat unter Federführung von Gerd Steffen, Geschäftsführer im Regionalverband Plauener Kleingärtner, den Ist-Stand analysiert und die Perspektiven bis 2035 aufgezeigt. "Für die Kleingartenvereine und ihre Mitglieder ist es von großer Bedeutung", heißt es eingangs, "nicht nur das Ziel der Reise, sondern auch den Weg dorthin zu kennen."

Und das sind die harten Fakten, die zum Handeln zwingen: Von 134 Kleingartenvereinen zum Ausgangszeitpunkt 2016 sollen bis 2025 voraussichtlich 125 und bis 2035 noch 110 übrig bleiben. Die Anzahl der Gärten sinkt laut Prognose von 6200 über 5800 auf 5000 - das wären 18 Prozent weniger Sparten und 19 Prozent weniger Gärten. Beim Leerstand von 3,8 Prozent per 2016 ist durch die Überalterung eine Zunahme unvermeidbar, er soll aber unter acht Prozent gehalten werden. Durch jährlich mindestens 200 Neuverpachtungen und ein Maßnahmenpaket wird gegengesteuert.

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Ein weiterer wichtiger Fakt: die Kategorie "Rück- und Umbau". Für die Nach- und Umnutzung von Gärten ist eine Steigerung von null über 300 (im Jahr 2025) auf 900 (2035) als Ziel ausgegeben. Ebenso soll die Renaturierung künftig eine Rolle spielen. Auch dort geht es bei null los - doch bis 2025, so heißt es im Kleingartenkonzept, sollen 100 und bis 2035 insgesamt 300 Gärten der Natur zurückgegeben werden.

Die Komplettberäumung einer bebauten Parzelle samt fachgerechter Entsorgung kostet rund 4000 Euro. Die Kosten für Um- und Rückbau wurden auf 3,6 bis 5,2 Millionen Euro hochgerechnet. Damit müssten jährlich zwischen 210.000 und 300.000 Euro aufgebracht werden. Im Bericht klingt an, eine "Anpassung und Neuausrichtung der Finanzierung zu prüfen". Dazu gebe es Modelle in anderen Kommunen, die in Betracht kommen.

Die Macher des Berichtes haben alle Gartensparten unter die Lupe genommen und in Kategorien von "sehr hoher Handlungsdruck" bis "kein Handlungsdruck" eingeteilt. Die rot gekennzeichneten 17 Problemfälle weisen zumeist Überalterung und damit perspektivisch drohende Auszehrung und Handlungsunfähigkeit auf. Beispiele sind die Sparten Am Preißelpöhlbad, Eichberg I bis III oder Syratal. Es gibt auch andere Hemmnisse wie die Lage im Überschwemmungsgebiet (Am Gut Heidenreich, Milmesgrund). Die Anlage Plauen-Reißig weist mit 30 Prozent den höchsten Leerstand auf. Im Bericht heißt es zur Perspektive: "Komplettrückbau langfristig unabwendbar."

Am anderen Ende der Liste pulsiert das Leben in 26 Gartenanlagen. Die Sparte Seehaus punktet mit großen Gemeinschaftsflächen, Am Buchenberg gibt's sogar ein Biotop. Kniehloh punktet mit guter Ausstattung und Erreichbarkeit. Fürs Plauenparadies gibt es hohe Nachfrage und junge Pächter.


Kommentar: 50 starke Seiten

In Plauens Kleingärten kommt Bewegung. Erstmals gibt es jetzt belastbare Aussagen, welche der gut 130 Sparten für die Zukunft gut aufgestellt sind und welche nicht. Dass eine Schrumpfung unabwendbar ist, war seit Langem klar. Das wissen auch die Gartenfreunde in den gut 130 Plauener Vereinen.

Der jetzt vorgelegte Teil B des Kleingartenkonzeptes bietet auf 50Seiten eine sachliche Analyse-Grundlage, doch er geht deutlich weiter. Das Papier gibt einen Rahmen vor und setzt Prämissen, die durch und durch vernünftig klingen: maßvoller Um- und Rückbau, Forcierung von Marketingmaßnahmen, Stärkung der Vereins- und Vorstandsstrukturen. Auch der Weg wirkt modern: Prioritätsstufen, geregelte Zeitabläufe, Verantwortlichkeiten, Aufbau eines Parzellenmanagements, Anwendung von Ranking-Verfahren. Und eine ständige Rückkopplung, um bei der Vielzahl der Einflussfaktoren Entscheidungen korrigieren zu können, die in neue Sackgassen führen könnten.

Und ganz vorn im Bericht die Aussage: Die Kleingärtner wollen kein Spielball sein, sondern auf dem langen Weg mitgenommen werden.

Hinter dem Kleingartenkonzept stecken viel Fleiß und Köpfchen. Und es setzt Befürchtungen über den drohenden Untergang der Kleingärten starke Argumente und Ideen entgegen.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Tauchsieder
    13.04.2019

    Eine falsche Umschreibung für ein brenndes Problem der Stadt. Die Stadt sucht dringend nach Bauland für Eigenheimstandorte. Deshalb sollte sie Klartext reden und nicht um den heißen Brei. Das wäre doch das erste Mal, dass sich die Stadt um solche Brachflächen kümmern würde. Die glauben auch das sich die Kleingärtner die Stiefel mit der Zange anziehen.



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