Vielfältige Ost-West-Themen im Kinosaal

Die Deutsch-Deutschen Filmtage sollten eigentlich ein einmaliges Projekt sein. Doch das Publikum wollte mehr. Mittlerweile flimmert die 10. Auflage über die Leinwand.

Plauen/Hof.

Thematisch vielfältig wie kaum je zuvor sind die Deutsch-Deutschen-Filmtage am Freitagabend in Plauen von Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU) eröffnet worden. Das Publikum erlebte zu Beginn eine von der Stadt in Auftrag gegebene Laser-Animation. Danach wurde die 30-minütige Dokumentation "Vom Einläuten der Friedlichen Revolution 1989 in der DDR" gezeigt. Einer der beiden Filmemacher, der Journalist Holger Kulick, war beim anschließenden Gespräch ebenso zu Gast wie die ehemalige Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe aus Berlin und Michael Schröder von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

Am Samstag lief dann zum Beispiel der Dokumentarfilm "Nach drüben - Oststars wechseln die Seiten" von 2019. Danach gab der im vogtländischen Weida geborene Liedermacher Stephan Krawczyk, der 1988 nach Westdeutschland abgeschoben wurde, ein Konzert.

Das Festival stoße von Jahr zu Jahr auf immer regeres Interesse, wie Mitorganisatorin Steffi Behncke vom Plauener Kulturreferat deutlich machte. Dabei sollte es im Jahr 2009, damals noch in der Galerie im Malzhaus veranstaltet, ein einmaliges Projekt sein. Doch das Publikum verlangte offenbar nach mehr Konzept-Kino. Und so wuchsen die Filmtage von Jahr zu Jahr.

"Neben emotionalen Dokumentationen begrüßen wir Persönlichkeiten, Regisseure, Protagonisten und Zeitzeugen, die im Anschluss an die Filmvorführungen an den Gesprächsrunden teilnehmen", erklärt Behncke. Ihrer Meinung nach sei im Gegensatz zur jüngeren Generation, die im vereinten Deutschland aufwächst, bei nicht allen, die die Zeit der Friedlichen Revolution und deutsche Einheit bewusst miterlebt haben, der Aufarbeitungsprozess abgeschlossen. "Nicht für alle haben sich Wünsche und Vorstellungen erfüllt, die sie mit der deutschen Einheit verbunden haben", sagt Behncke. Deshalb müsse die vom Freistaat Sachsen geförderte Veranstaltungsreihe 2020 fortgeführt werden.

Auch der Geruchssinn hat in diesem Filmtage-Jahr eine Rolle gespielt - in "Der Duft des Westpakets". Wer kann sich nicht an diesen erinnern? "Der Duft eines großen Westpakets begleitete mich zu DDR-Zeiten fast täglich, da ich über einem Intershop gearbeitet habe", erinnert sich Behncke. Auch nach der langen Zeit kenne sie ihn noch.

Die Filmtage laufen nur noch bis morgen in Plauen und Hof. Der Eintritt ist frei. www.hof-plauen-89.de


"Lebendiger Unterricht"

Steffi Behncke (im Bild) hat seitens der Stadtverwaltung den Hut für die Filmtage auf. Mit Sabine Schott sprach sie über die Aktualität des Festivals.

Wie hat sich die Zuschauerzahl bei den Filmtagen entwickelt?

Bei der ersten Auflage haben Plauen und Hof insgesamt vier Filme gezeigt. Über die Jahre sind die Zahlen förmlich explodiert. Im letzten Jahr gab's einen Rekord, 2500 Besucher. Allein für die Schülerveranstaltung nutzen wir in Plauen zwei Kinosäle parallel.

Weshalb sind die Filme 30 Jahre nach der Wende aktueller denn je?

Für die ältere Generation ist es eine Form der Erinnerung und Aufarbeitung, für die jüngere gestalten wir den Geschichtsunterricht lebendig. Mit den Filmtagen bieten wir ein Podium, ins Gespräch zu kommen und auch, kritisch zu diskutieren.

Das Programm ist vielfältig.

Ja, unter anderem wurden heuer die Themen Doping und der DDR-Musikszene erstmalig aufgegriffen. Wir haben uns sehr gefreut, dass Hajo Seppelt und Stephan Krawczyk bisher an den Gesprächsrunden teilgenommen haben. Auch die Flucht über die Prager Botschaft ist immer wieder ein Thema, das berührt und mit vielen unterschiedlichen Einzelschicksalen verbunden ist.

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