Vogel-Klau im Kleingartenverein

Dem Chef der Gartensparte "Naturheilverein" wurden alle Vögel gestohlen. Dreimal brachen die Diebe in seine Voliere ein. Ein Racheakt? Die Sparte ist beliebt, aber sie hat Existenzsorgen.

Plauen.

Claus Blümel hat einen Zettel in den Vereinsschaukasten in Preißelpöhl geheftet. "Ich garantiere eine angemessene Belohnung. Vielen Dank im Voraus, euer Claus Blümel. Vorsitzender", sind die letzten Worte auf diesem Zettel. Eigentlich ist er trotz seiner 77 Jahre ein Mann, der Kraft ausstrahlt. Nun wirkt er niedergeschlagen. Jemand hat seine Ziervögel gestohlen, 16 Stück. Die Tiere lebten in einer gr0ßen Voliere in seinem Garten. Und Blümel will wissen, wer sie gestohlen hat.

Die Polizei ermittelt, Blümel irgendwie auch. Er ist der Vorsitzende der Gartensparte Naturheilverein neben dem Sommerbad "Naddel". Die Täter haben im Oktober dreimal hintereinander seine Voliere geöffnet, die er auf seiner Parzelle gebaut hat. Erst holten sie die großen Vögel, dann den Prachtrosella und am Ende die kleinen. Nymphensittiche, Wellensittiche, Zebrafinken. Nachts kann man sie wie reife Äpfel von den Stangen pflücken, sagt Claus Blümel. Das muss der Dieb gewusst haben, vermutet er.

Die Polizei vermute einen Racheakt. Sie könnten auch verkauft worden sein, überlegt der Chef der Gartensparte. Wenn sie freigelassen wurden, hätten sie wegen Futtermangels nur wenige Tage überlebt. Hier wächst keine Hirse. Im Apfelbaum seines Nachbarn saß ein gelber Wellensittich, der wohl von ihm stammte. Blümel vermutet, dass er dem Dieb entkommen ist: "Wenn er die Vögel nur freilassen wollte, wäre er nicht dreimal eingebrochen."

Racheakt? "Ich glaube nicht, dass es jemand aus unserer Anlage war", sagt Claus Blümel. Feinde habe er wenige. Aber als Gartensparten-Chef muss er Regeln durchsetzen. Dass die Kleingärtner ihre Pacht zahlen, ihre Parzellen pflegen, Arbeitseinsätze mitmachen, nicht den ganzen Sommer im Garten schlafen. Einige habe er rausschmeißen müssen in seinen Jahren als Vereinschef.

Die Blümels haben die Einfahrt mit Rosen flankiert, damit die Kleingärtner den Rasen nicht kaputt fahren. Schon lange will er das Amt an einen Jüngeren übergeben, aber er habe niemanden, und er selbst will zur nächsten Wahl nicht wieder antreten. Eine Konstellation, die die ganze Sparte ins Wanken bringt: Ohne Vorstand kein Verein, auch kein Kleingartenverein. Der Regionalverband würde einen kommissarischen Verwalter einsetzen. Einen Notvorstand, vielleicht ein Steuerberater, der für seine Arbeit bezahlt werden muss. Die Gebühren für jeden einzelnen Pächter würden in die Höhe schießen. Der Sparte drohe dann das Ende, die Auflösung.

Dabei ist der "Naturheilverein" beliebt. Jede Parzelle ist belegt, es gibt eine Warteliste. Ihr Vereinsheim vermieten die Kleingärtner gerne für Familienfeiern. Außerdem haben sie eine Werkstatt eingerichtet, in der man sich Bohrmaschinen, Sägen und Sensen leihen kann.

Mit Einbrechern hatten sie schon zu tun, so wie wohl jede Sparte in der Region. Aber nicht mit Vogeldieben. "Vielleicht hat jemand einen Vogel angeboten bekommen", sagt Claus Blümel, der im Syrauer Männerchor singt. Seine Frau leide besonders darunter, dass die Vögel weg sind. 15 Sommer saßen die Blümels vor der Voliere und beobachteten, wie die verschiedenen Rassen miteinander auskommen. Claus Blümel hat schon vieles geklärt. Dass er das klärt, darauf hat er wenig Hoffnung,

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