Vogtländische Diebesbande kommt vor Jugendschöffengericht mit Bewährung davon

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Vier junge Männer aus Oelsnitz und Plauen haben im Vogtland und darüber hinaus zahlreiche Einbrüche gemeinschaftlich begangen. Erst die Eigeninitiative eines Geschädigten brachte die Aufklärung der Fälle durch die Polizei schneller voran.

Plauen/Oelsnitz. Das Urteil des Amtsgerichts Plauen für die vier Freunde war am Donnerstag mehr als deutlich: Jugendhaftstrafen zwischen einem Jahr und zwei Monaten und einem Jahr und zehn Monaten, zur Bewährung ausgesetzt, verkündete Jugendstrafrichterin Ilona Stange. Die Richterin fügte klare Worte hinzu: "Wenn Sie jetzt nichts verstanden haben, sitzen Sie demnächst vor dem Erwachsenengericht. Und da sind die Regeln ganz andere."

Dass die Männer auf der Anklagebank, zwei junge Oelsnitzer und zwei Plauener zwischen 18 und 23 Jahren, 2019 und 2020 in unterschiedlichen Konstellationen auf Beutezug gingen, daran hatte das Schöffengericht keinen Zweifel. "Unüberlegt, rücksichtslos und respektlos gegenüber dem Eigentum anderer" sei das gewesen, hielt die Richterin in der Urteilsverkündung fest.

Die Aufzählung der Einbrüche ist lang, die Liste des bei den Männern sichergestellten Diebesgutes noch länger. Vom Werkzeugkoffer bis zum Bademantel, vom Strommessgerät bis zum Plattenspieler war alles dabei. Doch die Frage nach dem Warum konnten die Freunde auch an diesem Verhandlungstag nicht beantworten. Im April 2019 brachen drei der Männer in die Lagerhalle eines Versandunternehmens im Landkreis Kronach ein, stahlen Geschenkpakete, Parfüms, Bademäntel, Kosmetik. Für das Gericht stand auch fest, dass einer der beiden Plauener im April 2019 außerdem in den Möschwitzer Imbiss "Schatzinsel" einbrach. Zu dritt verschaffte sich die Clique im Dezember 2020 Zutritt zu Containern einer Baustelle an der A 93, wo sie Arbeitsbekleidung und Werkzeuge entwendeten.

Die größten Raubzüge machte die Gruppe allerdings in Oelsnitz. Dort verübten die vier Freunde gleich zwei Einbrüche in die Diskothek "Club Trafo" im Bahnhof. Im Sommer 2019 stiegen sie über einen Kohleschacht in den Technoklub ein, der in dem Gebäude untergebracht ist, stahlen Equipment, Lichtsysteme und Nebelmaschinen im Wert von mehreren tausend Euro. Den zweiten Einbruch verübte die Bande im November 2019 - zum eigenen Verhängnis. Denn der damalige Betreiber des Klubs ging selbst auf Spurensuche, wie er als Zeuge vor Gericht erklärte. Nachdem der 41-Jährige auch nach der zweiten Anzeige wegen Diebstahls keine Ermittlungserfolge sah, habe er sich umgehört: "Mir wurde erzählt, es gab einen Polizeieinsatz in Oelsnitz bei einem der Angeklagten. Bei dem könnten auch meine Sachen stehen", dachte er sich. Mehrere Telefonate habe er daraufhin mit der Kriminalpolizei geführt, die ins Leere liefen. Verärgert darüber habe er selbst einen Ortstermin gemacht. "Der Angeklagte hat sofort alles gestanden, uns unsere Sachen ausgehändigt und uns an seinen Kumpel verwiesen, wo noch mehr stand." Der habe das gestohlene Musikequipment allerdings in der Laube seiner Eltern aufbewahrt, die er auf Druck des 41-Jährigen aufbrach, um danach wegen eines mutmaßlichen Einbruchs Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Das löste eine Kettenreaktion aus, die die Bande letztlich auffliegen ließ.

Der Vorwurf der gewerbsmäßigen Bandenkriminalität erhärtete sich laut Gericht nicht, da die Diebstähle spontan aus einer Laune begangen wurden. "Auch das Diebesgut haben Sie letztlich nur sinnlos gehortet", so die Richterin. Zusätzlich zu ihren Bewährungsstrafen müssen die Männer, die inzwischen alle in einem Arbeitsverhältnis stehen, zwischen 40 und 80Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.