Vogtländerinnen geben wertvollste Kleider her

Eine neue Ausstellung im Vogtlandmuseum zeigt Spannendes: Stickerei- und Spitzenkleidung von Privatleuten - verknüpft mit den Geschichten der Leihgeber.

Plauen.

Worauf man stolz ist, das zeigt man gern. Deshalb wundert es nicht, dass Vogtländer dem Vogtlandmuseum an der Nobelstraße für dessen neue Ausstellung zur Geschichte der Spitze einige ihrer wertvollsten Kleider zur Verfügung stellten - und darüber hinaus noch einen Einblick in ihr Familienleben gewährten. Ausstellungsmacherin Katrin Färber hat die am Samstag eröffnete Schau mit dem Titel "Spitzenmoden - Modenspitzen" mit den Geschichten der Leihgeber verknüpft.

Ingrid Lungwitz zum Beispiel hat ihr Hochzeitskleid aus dem Jahr 1967 beigesteuert. Sie trug es bei der Vermählung mit ihrem Gerhard. Ein Foto zeigt das Brautpaar vor dem Portal der Kürbitzer Kirche. Die Familie ist über Generationen hinweg mit der Stickerei- und Spitzenherstellung verbunden gewesen. Hermann Lungwitz, der Großvater des Ehemanns, besaß ein Zeichenatelier. Er lieferte den Entwurf für die Tüllspitze. Im Betrieb Damenkonfektion Plauen wurde das Kleid genäht. Auch die Mutter von Gerhard Lungwitz hat ein Brautkleid aus Spitze getragen - aus der familieneigenen Friedrich Seidel KG.


Eveline Richter erzählt auf einer Infotafel von der Geschichte ihrer Familie und dem gleich daneben präsentierten Brautkleid ihrer Mutter aus dem Jahr 1949. "Ein Tag nach DDR-Gründung, am Samstag, den 8. Oktober 1949, heirateten meine Eltern in der Kirche von Bobenneukirchen", schreibt die Vogtländerin.

Helga Hartenstein hat ihr Exemplar im ehemaligen Geschäft für Damen- und Herrenbekleidung an der Bahnhof-/Ecke Gottschaldstraße erworben. Sie schildert ihre Hochzeitsreise mit überraschenden Begegnungen.

Die nun eröffnete Schau gibt einen Überblick über die Herstellung der Modespitze. Auch das Kleid, das die Frau des ehemaligen Stadtbaudirektors Heinrich Best, Elsa Best, im Jahr 1937 beim Besuch der Weltausstellung in Paris getragen hat, ist dabei. Zudem sind Gardinen, Muster, Jacken, Taschen, Tücher, Blusen, Fotos von der VEB Damenkonfektion Plauen Dako und andere Bilder sowie Dokumente zu sehen.

"Auch das ist Zeitgeschichte, die wir in der Ausstellung drin haben", machte Museumsdirektor Martin Salesch aufmerksam, dass die Erinnerungen der Käuferinnen und Trägerinnen der Kleider sowie der Mitarbeiter der Branche natürlich dazugehören. Er sei deshalb dankbar für diese Leihgaben. Dass so viele Hochzeitskleider zusammengekommen sind, wundert ihn nicht: Spitze sei ja ein Stoff "für besondere Anlässe".

Für das Vogtlandmuseum war der Besuch von Albrecht Hartung, dem Großneffen von Margarete Naumann, ein besonderer Anlass. Dessen Großtante war einst Lehrerin an der Plauener Kunstschule. Vor allem aber hat sie die Margaretenspitze geschaffen - in einer besonderen Art und Weise geknüpfte Spitze. Die Nachfahren von Margarete Naumann haben sich jetzt entschlossen, dem Museum rund 200 Kleider aus deren Nachlass zu schenken. An Margaretenspitze hatte das Haus bisher etwa 400 Exemplare, allerdings nur von Schülerinnen der einstigen Einrichtung an der Bahnhofstraße.

"Das ist Bürgerstolz, den wir nach draußen tragen wollen", sagte Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU) zur Eröffnung der Ausstellung. Künstler vom Vogtlandkonservatorium umrahmten diese und bekamen viel Applaus.


Schau bis September zu sehen

Die neue Ausstellung "Spitzenmoden - Modenspitzen" ist bis zum 15. September im Vogtlandmuseum an der Plauener Nobelstraße zu sehen. Öffnungszeiten: außer montags täglich 11 bis 17 Uhr.

Ausstellungsorganisatorin Katrin Färber konnte zur Vernissage der aktuellen Schau im Vogtlandmuseum noch eine gute Nachricht verkünden: Die 1800 Textilien aus der einstigen Plauener Kunstschule sollen im nächsten Jahr in Zusammenarbeit mit dem Kunstgewerbemuseum Dresden zum Thema einer Ausstellung und eventuell auch einer Publikation werden. (pa)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...