Vogtländischer Arbeitsmarkt: Traumbilanz wackelt

Die Aussichten für Job- suchende sind so gut wie seit der Wende nicht. Selbst der Saisoneinbruch verebbt. Ob es so positiv weiter geht, ist unklar.

Plauen.

Die Prognose für 2020 für den Arbeitsmarkt im Vogtland sieht durchwachsen aus. Zwar fiel die Arbeitslosenquote 2019 erstmals seit der Wende im Jahresdurchschnitt unter die Fünf-Prozent-Marke und sank auf 4,8 Prozent. Doch Helga Lutz, Agenturchefin in Plauen, erreichen im Austausch mit Kollegen schlechte Nachrichten, etwa aus Mittelfranken, wo wieder mehr Menschen auf Jobsuche sind. "Es ist nicht absehbar, wann und ob uns dieser Trend erreicht", sagte Lutz zum Jahrespressegespräch am Donnerstag. "Wir spüren aktuell auch in hiesigen Firmen Zurückhaltung. Es werden uns wieder weniger offene Stellen gemeldet, obwohl ein großer Bedarf nach Fachkräften da ist." Fakten zur aktuellen Lage hat die "Freie Presse" zusammengestellt:

Fachkräfte: Bis 2030 geht dem vogtländischen Arbeitsmarkt jeder fünft Beschäftigte verloren, so die Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. "Wir werden selbst bei konjunktureller Abschwächung arge Probleme bekommen", so Lutz. Schuld ist die Demografie. Mehr ältere Menschen gehen in den Ruhestand als junge nachrücken. Der Fachkräftemangel könnte Firmen bis zur Geschäftsaufgabe zwingen. Seit etwa zwei Jahren erstarke der Wettkampf der Firmen innerhalb der Region im Abwerben von Mitarbeitern, so die Beobachtung. Wer mehr zahlt, gewinnt. Es ist ein Grund, warum das Lohnniveau im Vogtland langsam steigt.

Lohnniveau: Die mittleren Bruttomonatsentgelte (Medianlöhne) von Vollzeitbeschäftigten sind im Vogtland 2019 um 116 Euro gestiegen, auf rund 2360 Euro. Trotzdem erreichen die Arbeitsagentur in Plauen noch immer Anfragen von Unternehmern, die auf der Suche nach billigen Arbeitskräften sind. "Wir machen ihnen schnell klar, dass diese Zeiten vorbei sind", betont Lutz. Auch Zeitarbeitsfirmen gewinnen schwieriger Personal, da die Aussichten auf feste Anstellungen gut sind.

Schub: Jugendliche ohne Job, ältere Arbeitslose, Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte profitieren von der wirtschaftlichen Lage. In allen Bereichen sank 2019 die Arbeitslosigkeit. Als einzige Gruppe blieben Ausländer auf der Strecke. 767 Migranten waren voriges Jahr ohne Job. Es sind 32 mehr als im Vorjahr. Oft stehen Sprachbarrieren im Weg.

Spitzenreiter: Die niedrigsten Arbeitslosenquoten im Vogtland weisen Oelsnitz und Klingenthal auf mit aktuell 3,6 Prozent. Während in Klingenthal das hohe Durchschnittsalter die Quote unten hält, sind es in Oelsnitz drei Gewerbegebiete mit starken Firmen rings um die Stadt und die Nähe zu Oberfranken, wohin viele pendeln. "Aber wenn in Bayern jemand hustet, so wie voriges Jahr, dann spüren wir es hier auch sofort", sagt Lutz. Die höchste Arbeitslosenquote weist Plauen mit 6,0 Prozent auf. Aktuell sind im Vogtland rund 5500 Menschen ohne Arbeit. Saisonbedingt gab es zum Jahresende einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Aus dem Baugewerbe erreichten die Behörde aber kaum Meldungen. Mit dem Ausbleiben des Wintereinbruchs fällt für die meisten Arbeiter bislang auch die Winterpause aus.


BG-Klinik: Treffen am Montag

Die Arbeitsagentur will am Montag bei einem Treffen der Tarifkommission gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi über Möglichkeiten für die Mitarbeiter der BG-Klinik Dorfstadt beraten. Die Einrichtung soll geschlossen werden. Der Termin ist mit der Geschäftsführung der Klinik angesetzt, so Agenturchefin Helga Lutz. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen bei einer Infoveranstaltung vor Ort auch die Mitarbeiter Details erfahren. Über den Arbeitgeberservice bestünden die Kontakte mit der Klinikleitung schon länger, um die Mitarbeiter im Falle der Schließung aufzufangen und zu begleiten, so Lutz. Die Klinikleitung favorisiert die Gründung einer Transfergesellschaft. Lutz sieht dafür Chancen. Sie betonte aber auch, dass die Jobchancen im Gesundheitsbereich aktuell sehr gut sind. (njj/bap)


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