Vogtlands einziger Wassermühle fehlt seit Wochen das nötige Nass

Die anhaltende Trockenheit hinterlässt an der Klopfermühle in Lengenfeld ihre Spuren. Im Mühlgraben wachsen Tomatenpflanzen. Die Bauern liefern trotzdem fleißig Backweizen an.

Lengenfeld.

Die Klopfermühle in Lengenfeld kann auch in diesem Sommer das Getreide nur mit Hilfe von elektrischem Strom mahlen. Sie ist die einzige Wassermühle des Vogtlands. Seit Ende Juni fließt jedoch so wenig Wasser in der Göltzsch, dass keines in den Mühlgraben geleitet werden kann.

Das Jahr 2019 sieht für die Wassermühle dennoch etwas besser aus als das vorige. Firmenchef Michael Klopfer: "Voriges Jahr war schon das Frühjahr sehr trocken. Das war dieses Jahr nicht der Fall." Zwar habe es in den zurückliegenden Wochen einige Gewittergüsse mit kurzzeitig ansteigendem Pegel gegeben. Der Müllermeister schränkt aber ein: "Anhand der Pegelstände und der Regenmenge kann ich abschätzen, ob sich das Öffnen des Wehrs lohnt. Bei nur kurz anhaltenden Regengüssen ist das meist nicht der Fall. Der Aufwand ist mir zu groß." Denn: "Wenn der Graben dann wieder trocken ist, schaue ich immer nach, ob noch Fische im Graben sind, die festsitzen. Die hole ich dann raus und bringe sie zurück in die Göltzsch. Es wäre doch schade, wenn die Tiere verenden." Mindestens 50 Liter Wasser pro Quadratmeter müsste es in einer Woche regnen, damit sich die Nutzung der Wasserkraft lohnt, schätzt Klopfer. Da es im Mühlgraben zurzeit weder Wasser noch Fische gibt, ist Platz für andere Lebewesen pflanzlicher Art: Tomatenpflanzen im Mühlgraben. Deren Samen hat das Göltzschwasser hereingespült. Ob die Samen von in der Göltzsch entsorgten Tomaten stammen oder ob sie die Rodewischer Kläranlage passiert und womöglich vorher schon einmal einen menschlichen Körper durchwandert haben, vermag der Müllermeister nicht zu sagen. Nur so viel: "Die Pflanzen stehen zwischen allerhand anderem Grün. Sie sind 40 Zentimeter hoch und blühen gerade. Sie hatten wohl einen schweren Start."


Auch ohne Wasser im Mühlgraben hat Michael Klopfer alle Hände voll zu tun. Es ist Erntezeit. Die Landwirte bringen Weizen und Roggen in die Mühle. Klopfer erklärt: "Wir decken uns mit dem gesamten Jahresvorrat ein, den wir verarbeiten, das sind ungefähr 500 Tonnen. Das Getreide kaufen wir von Landwirten der Umgebung. Unser Mehl liefern wir ausschließlich regional im Umkreis von etwa 40 Kilometern aus." Früher habe die Mühle auch größere Getreidemengen verarbeitet, doch die Anzahl der Bäckereien sei rückläufig. "In den letzten paar Jahren haben bestimmt sechs Bäckereien, die wir beliefert haben, geschlossen", so Klopfer.

Etwa ein Drittel der Jahresmenge an Getreide, die die Klopfermühle zu Mehl verarbeitet, haben die Bauern inzwischen angeliefert, vorwiegend Weizen. Der Müllermeister: "Erstaunlicherweise ist die Qualität gut. Man merkt schon, ob das Getreide auf einem Berg gestanden hat und dadurch weniger Wasser bekommen hat, aber grundsätzlich ist es zum Backen geeignet. Die Proteinwerte passen. Ob die Landwirte auch mit der Menge zufrieden sind, kann ich nicht sagen."

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