Vorhang hebt sich für Oper der Opern

Ein Casanova wie Mozarts "Don Giovanni", den der junge Bariton Sebastian Seitz ab Samstag im Vogtlandtheater darstellt, ist er sicher nicht. Aber flirten, das könne er gut - sagt der verheiratete Kölner.

Plauen.

Da führt ein genusssüchtiger andalusischer Edelmann Strichlisten über seine Liebschaften, bekommt jede Frau, die er will und pfeift auch sonst auf alle Konvention. Die einen mögen das bewundern, den anderen ist solch ein Verhalten suspekt, nicht zuletzt wohl ihm selbst: Don Giovanni, nach dem Wolfgang Amadeus Mozart sein teils übersinnliches "heiteres Drama" in zwei Akten benannt hat.

Am morgigen Samstag hat die Oper der Opern im Plauener Vogtlandtheater Premiere. Wenn sich der Vorhang hebt, dann dauert es nur wenige Momente, bis Sebastian Seitz als Titelheld erscheint - und einen Menschen tötet. "Dieser Don Giovanni ist nicht nur ein typischer Casanova, sondern eine zerrissene, eine tragische Figur", sagt der 31-jährige Bariton, aus dem der Baron aus Sevilla wird.

Bereits im Studium habe er sich intensiv mit dem Stoff beschäftigt. Schon damals sei für den Kölner, der seit der Spielzeit 2016/17 Ensemblemitglied des hiesigen Theaters ist, klar gewesen: "Diese Rolle möchte ich unbedingt verkörpern, natürlich auch wegen der bekannten Arien, die bei uns übrigens im Original, auf Italienisch, erklingen werden." Es sei aber bis heute vor allem die szenische Darstellung, die dramaturgische Entwicklung der Figur und deren Läuterung, die Seitz begeistere.

Die Oper trägt wohl nicht umsonst den Zweittitel "Der bestrafte Wüstling". Bei ihrer Uraufführung in Prag, 1787, soll Frauenheld und Abenteurer Casanova selbst im Publikum gesessen haben. Möglicherweise hat er sich wiedererkannt. Denn er diente Mozart ohne Zweifel als Vorbild für Don Giovanni, dessen Anziehungskraft die Damen erliegen: Donna Anna, Donna Elvira, sogar die Bäuerin Zerlina. Diese verführt er gar am Tag ihrer Hochzeit mit dem Versprechen auf ein besseres Leben. "Er manipuliert, ist rücksichtslos und fordert sein Schicksal heraus", erklärt der Sänger. Don Giovanni sei ein ambivalenter Charakter. Ihm gefalle zudem, so Seitz, wie geschickt die Handlung heitere mit tragischen Elementen verwebe.

Parallelen zu sich wolle der verheiratete Künstler höchstens in soweit ziehen, dass er - wie Don Giovanni - ein Charmeur sein könne. Doch vielmehr müsse er gerade jetzt an sein Immunsystem denken und soviel Schlaf wie möglich bekommen, schmunzelt Seitz. Denn für den heutigen Freitag ist die Generalprobe angesetzt. Obwohl auf der Bühne ohne Mikrofon gearbeitet wird ("Dafür wurden wir schließlich ausgebildet."), wollen weder der junge Sänger noch seine Kollegen dabei bis zum Äußersten gehen. "Ich vergleiche die Proben für eine Opernpremiere gern mit einem Marathon. Da rennt man auch nicht die ganze Strecke im Vorfeld ab", sagt er.

Das opulente Musikstück unter Leitung von Generalmusikdirektor Leo Siberski und Michael Konstantin hat zwei Akte und dauert rund drei Stunden. Regie führt Operndirektor Jürgen Pöckel. Es wird deutsche Übertitel geben. Geeignet ist die Oper für Theatergänger ab zwölf Jahren. Aber Vorsicht: neben rasender Leidenschaft und teuflischer Eifersucht sind auch Mord und ein Ausflug in die Geisterwelt im Spiel.

Im Rampenlicht stehen wird das komplette Ensemble, außer Seitz auch Frank Blees (als Il Commendatore), Marija Mitic (Donna Anna), Wonjong Lee (Don Ottavio), Stephanie Atanasov (Donna Elvira), Marlon de Silva Maia a. G. (Leporello), Maurice Giancarlo Avitabile a. G. (Masetto) und als Bauernmädchen Zerlina Christina Maria Heuel. Der Opernchor und die Mitglieder des Extrachores des Theaters sind ebenso dabei wie die Clara-Schumann-Philharmoniker Plauen-Zwickau.

Für die Premiere am morgigen Samstag, 19.30 Uhr, sind noch wenige Karten ab 19 Euro erhältlich. Die nächsten Aufführungen finden am 16. und 22. November, jeweils 19.30 Uhr, und am 25. Dezember um 18 Uhr statt.

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