Während sich die Sportvereine im Vogtland über Mitgliederzuwachs freuen, bröckelt ihre finanzielle Basis. Jetzt kommt der Konflikt auf die politische Bühne. Im Mittelpunkt: ein brisanter Bericht.
Der Breitensport ist im Aufwind. Im März 2025 vermeldete der Kreissportbund Vogtland einen Rekord von 39.039 Mitgliedern. Bereits die Statistik des Jahres 2024 hatte überraschend starke Zuwächse ausgewiesen. Nach einem Mitgliederschwund in den Corona-Jahren sorgt vor allem ein Plus von 563 Kindern und Jugendlichen binnen eines Jahres für den Boom - und gibt zugleich den Sportfunktionären gute Argumente in die Hand.
Von 12.128 Nachwuchssportlerinnen und -sportlern 2023 stieg der Wert im Folgejahr auf 12.691 und hat 2025 die 13.000er Grenze locker überschritten. Wohl gemerkt: bei insgesamt sinkenden Einwohnerzahlen. Im Vogtlandkreis gibt es ein breites Spektrum des Leistungs- und Breitensports mit insgesamt 72 Sportarten. Allein auf König Fußball entfällt mehr als ein Viertel der im Kreissportbund organisierten Aktiven.
Was Mitgliederzuwächse auch bedeuten
Die Schattenseite dieser Entwicklung: Breitensport kostet Geld. Und angesichts der schwächelnden Wirtschaft bei zugleich aus dem Ruder laufenden Ausgaben auf Bundes- und Landesebene wird es künftig eng. „Die Verteilungskämpfe werden nächstes Jahr richtig losgehen“, wagt Björn Fläschendräger, FDP-Kreisrat aus Oelsnitz und zugleich Präsidiumsmitglied im Kreissportbund, eine Vorhersage. Zudem verkaufe sich der Sport insgesamt nicht optimal, warnt er.
Antrag zur Stärkung des Sports vorgelegt
Um in den politischen Gremien mehr Gewicht zu erlangen, hat die Fraktion FDP/Neue Perspektive Vogtland im Kreistag einen Antrag zur Stärkung des Sports vorgelegt: Demnach sollen Sport-Vertreter dem Gremium jährlich einen umfassenden Bericht zum Zustand und zu Entwicklungen des Sports vorlegen - so, wie es auch andere Interessenvertretungen dürfen. Es gehe um strategische Steuerung, um mehr Transparenz und letztlich um eine Interessenvertretung für die Belange all der Sportlerinnen und Sportler, der Betreuer, Übungsleiter und Vereine, betont der Initiator.
Die prägnantesten Forderungen der Sportvereine
Der Antrag der Fraktion FDP/Perspektive wird offenbar nicht auf die lange Bank geschoben. Landrat Thomas Hennig (CDU) hat das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Kreistagssitzung gesetzt, heißt es dazu auf Anfrage aus dem Landratsamt. Der Termin: Donnerstag, 25. September, 16 Uhr im Saal des Landratsamtes.
Im Thema Sportfinanzierung steckt Brisanz. Kreisrat Fläschendräger verweist auf einen im Bildungs-, Kultur- und Sportausschuss des Kreises veröffentlichten Bericht. Der Sport-Verantwortliche des Landratsamtes, Jan Rodewald, nannte darin Zahlen, Fakten und Szenarien. Demnach waren schon während der Haushaltssperre des Landkreises finanzielle Klimmzüge nötig, um den Laden am Laufen zu halten. Über die Zeit der Corona-Einschränkungen hinweg gelang es dem Kreis „lückenlos durchzufördern“. Jan Rodewald: „Planbarkeit und Planungssicherheit sind immer wieder die prägnantesten Forderungen der Sportvereine.“
Doch jetzt kommen finanzielle Einschnitte mit ungewissen Folgen. Die Sportförderung im Doppelhaushalt des Freistaates Sachsen für 2025/26 sinkt um rund 25 Prozent von 59 auf 45 Millionen Euro. Dabei wäre, im Gegenteil, ein Mittelaufwuchs nötig gewesen, heißt es im Bericht. Mitgliederzuwächse bedeuten zugleich den Einsatz von mehr Übungsleitern, mehr Nutzung von Sportgeräten und Sportstätten. Damit drohe statt einer Konsolidierung „eine faktische Demontage bewährter sportlicher Strukturen“.
Rodewald wird konkret: Für den Vogtlandkreis wäre eine Reduzierung der Förderung lizenzierter Übungsleiter um etwa zehn Prozent die Folge. Während das Antragsvolumen für sportliche Großgeräte knapp 150.000 Euro erreicht, liege das Förderbudget 2025 bei lediglich 39.000 Euro.
Bislang wird der Vogtlandkreis sachsenweit nicht nur für Qualität und Engagement des Kinder- und Jugendsports gelobt, sondern auch für stabile Strukturen. Stichworte: Vogtlandspiele, Team Vogtland, Sportgala, Sportstiftung der Sparkasse. Rodewald appellierte an den Ausschuss, der aus Vertretern unterschiedlicher Fraktionen besteht, sich für einen weiterhin „stabilen und gesund wachsenden Sporthaushalt“ einzusetzen. (ur)







