Was ein Plauener Theaterstück mit Aktivistin Greta zu tun hat

Intendant Roland May inszeniert "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Für ihn ist es das Stück der Stunde. Doch warum?

Plauen.

Nach längerer Zeit erwartet das Publikum am Plauener Vogtlandtheater wieder einmal eine Brecht-Inszenierung: Ab Samstag, 19.30 Uhr, steht "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" auf dem Spielplan. "Ein Brocken", sagt Generalintendant Roland May, der beim Stück Regie führt. Dennoch habe er das 1931 geschriebene Schauspiel, zeitlich angesiedelt zwischen der "Dreigroschenoper" (1928) und dem epischen Werk "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" (1941), unbedingt auf die Bühne bringen wollen, denn es fehle ihm sozusagen noch in seiner Sammlung. Außerdem sei es das "Stück der Stunde" mit enormen Bezügen zur Jetztzeit. Die junge schwedische Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg - Initiatorin der Schüler- und Studentenproteste unter dem Titel "Fridays for Future" - sieht er zum Beispiel in der Tradition Johannas. Was diese Johanna Dark (gewollt: die Namensähnlichkeit zu Jeanne D'Arc, der "Jungfrau von Orleans") zu Gretas geistiger Schwester macht, erklärt May so: "Sie wollen die Massen mobilisieren - heute gelingt das sogar."

Mit der "Heiligen Johanna" stelle Brecht die Auswirkungen wirtschaftlicher Machtkämpfe auf die Situation der Arbeitnehmer dar und demaskiere die Mechanismen kapitalistischer Marktwirtschaft, so May. Trotz 90 Jahren auf dem Buckel sei das schwarzhumorige Drama mit der poetischen Sprache ("Wir halten uns streng an den Text.") ewig jung, ist der Intendant überzeugt. Er sieht ebenso inhaltlich Parallelen zu den Gelbwesten-Protesten in Frankreich und dem politischen Machtkampf in Venezuela.

Christoph Ulrich

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Auf die Video- und Ton-Effekte sowie die Bühnengestaltung (Oliver Kostecka) darf man laut May besonders gespannt sein.

Tickets für die Premiere am Samstag, 19.30 Uhr, sind ab 18 Euro erhätlich. Kartentelefon: 03741 2813-4847/-4848. Weitere Vorstellungen in Plauen: 30. März, 5. April, 31. Mai.


Darum geht es in dem Stück:

Die Fleischfabrikanten Mauler und Lennox sind im Wirtschaftskrieg - bis Lennox seine Fabrik schließen und die Arbeiter entlassen muss. Die "Schwarzen Strohhüte" wollen dem Volk in seiner Not Gott näher bringen.

Johanna von den "Hüten" will den Ursachen der sozialen Ungerechtigkeit auf den Chicagoer Schlachthöfen auf den Grund gehen. Kompromisse möchte sie keine machen - und nimmt ein tragisches Ende. (sasch)

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