Weihnachtsmarkt-Verlängerung: Erster Händler hat Ärger

Manche Städte verlängern ihre Weihnachtsmärkte in abgespeckter Variante bis Silvester. Plauen liebäugelt damit. Das Ziel liegt aber weit weg. Weinhändler Fritz Mandel hat deswegen jetzt Ärger bekommen.

Plauen.

Ein Beispiel ist Weimar. Die Stadt gehört zu den Weihnachtsmarkt-Verlängerern. Glühwein- und Bratwurst-Büdchen bleiben bis ins neue Jahr stehen. Wer nicht genug von Weihnachten hatte, konnte dort bis zum gestrigen Sonntag Feststimmung inhalieren.

Im Plauener Rathaus ist man aufgeschlossen für die Idee. Denn gerade zum Jahreswechsel kommen viele Besucher in die Stadt. Für diese könnten Glühwein- und Bratwurstbuden interessant sein, sagt Rathaus-Touristikchefin Silvia Weck. Schon mehrfach sei die Idee, den Markt zu verlängern, mit Händlern besprochen worden. Ganz abgehakt sei das Thema noch nicht, aber die Begeisterung halte sich in Grenzen. "Der Weihnachtsmarkt beginnt zeitig im Advent. Viele Händler sind froh, wenn sie nach Weihnachten einige Ruhetage haben", sagt Weck.

Thomas Hannich bestätigt das. Ihm gehört das Lokal "Bella Italia", und seit mehr als 20 Jahren verkauft er Pizza, Langos und Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. "Nach dem Markt sind wir alle ausgepowert", sagt er. Hannich hält das Gesamtpaket für schwierig und nennt mehrere Gründe. Ginge der Markt länger, müssten auch Wachdienst, Toiletten und beheizte Wasseranschlüsse länger bezahlt werden, auch für die nicht geöffneten Feiertage. Wahrscheinlich müsste der Markt dann umgebaut werden, da die Schwibbogen- und Räuchermännerstände abziehen würden. Also bestünde ein Wintermarkt aus Imbissbuden, und die müssten näher zusammenrücken. Aber die seien nur so lange attraktiv, so lange es Attraktionen gibt. Als Dauerthema im Gespräch ist eine Eisbahn. Die wiederum auch keine zehn Glühweinstände verträgt. "Es gibt zu wenig Substanz, um eine Weihnachtsmarktverlängerung anzupacken", sagt Hannich.

Während die Diskussion heiß läuft, hat Fritz Mandel auf eigene Faust gehandelt. Ihm gehört der Weinladen Barrique an der Rathausstraße. Die Glühweinbude vor seinem Geschäft lässt er bis kurz nach Silvester stehen. Seit drei Jahren schon. Ein bisschen liegt das auch an der Bude selbst. Der Bauunternehmer, der sie abtransportiert, hat dafür erst ab 7. Januar wieder Zeit. "Da dachte ich, ich könnte sie noch etwas länger öffnen. Und die Touristen geben uns Recht. Sie trinken gern noch was", sagt Fritz Mandel.

Dieses Mal handelte er sich damit Ärger ein. Mitarbeiter der Polizeibehörde kamen nach Silvester vorbei. Aber nicht zum Glühweintrinken, sondern weil sie seine Genehmigung sehen wollten. Mandel hatte keine, nur für den Weihnachtsmarkt. Die muss er jetzt nachreichen. Eigentlich darf Fritz Mandel sowieso Wein draußen ausschenken, aber eben auf seiner Terrasse, die daneben steht. Für die hat er eine Schankgenehmigung, und auch die kostet ihn Geld. Mandel, Sprecher der Arbeitsgruppe Innenstadthandel, ist sauer und fühlt sich abgezockt: "Nächstes Mal stelle ich die Bude auf meine Terrasse. Die Stadt denkt wahrscheinlich, wir verdienen hier Millionen."

In den nächsten Tagen arbeitet die Marktwesen-Abteilung des Rathauses den Weihnachtsmarkt auf. Auch Mandel wird dabei sein. "Was schlagen wir alles vor, damit mehr Menschen kommen. Aber alles wird abgeschmettert. Bevor etwas los ist, hat man die Stadt totberuhigt."


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9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    0
    Hanneswbg
    07.01.2020

    Wahrscheinlich druckt der Händler auch keinen Kassenbon aus, dann kommt noch schwere Steuerhinterziehung als Straftatbestand dazu!

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    1
    MuellerF
    06.01.2020

    @MPvK87: Verstehe, worauf Sie hinaus wollen..allerdings handelte es sich bei der Demo-Sache nicht wie hier um eine kommerzielle/gewerbliche Nutzung des öffentlichen Raumes.

  • 3
    3
    MPvK87
    06.01.2020

    Pixelghost. Und es ist korrekt, was die städtische Polizeibehörde und die Grauhemden angeht.
    Die ~70.000€ fürs halbe Jahr wären in der Sozialarbeit an Brennpunkten sehr viel besser aufgehoben als Menschen fürs spazieren gehen zu bezahlen. Die Polizeibehörde wird nicht einmal von der "richtigen" Polizei ernst genommen.
    Zitat der "richtigen Polizei": "Dass wir die Polizei sind und eben NICHT die Polizeibehörde(=Ordnungsamt) sind" https://twitter.com/PolizeiSachsen/status/1204326588164313089?s=19
    Zu den ~70.000 € kommen ja noch die Gelder für Gehalt, Ausrüstung Etc. des Ordnungsamts hinzu.
    Und alles um im Umkreis von 200m X 200m anzugehen.
    Ernsthaft, es bringt nichts.

  • 3
    3
    MPvK87
    06.01.2020

    MuellerF, der entsprechende Archiv-Artikel.
    https://www.freiepresse.de/vogtland/plauen/polizei-schuetzt-rechtsextreme-und-raeumt-fehler-ein-artikel10462332

  • 4
    3
    MPvK87
    06.01.2020

    Verehrter Pixelghost, der Link beantwortet nicht meine Fragen.
    Im Jahr 2019 musste die Stadtverwaltung zugeben, die offenen Stellen nicht besetzt zu haben.
    Da angeblich "alle ungeeignet" waren.
    So das ein Privatunternehmen (Kostenpunkt ~70000€ für ein halbes Jahr) ohne irgendeine Legitimation spazieren lief.

    MuellerF, der Leiter der Behörde, die Freie Presse als auch hier aufmerksame Leser*innen wissen das zuzuordnen. So viel sei gesagt, der dortige Chef hat dies mal so gemacht. Bei einem namentlich erwähnten Nazi der in nahezu allen Verfassungsschutzberichten auftaucht.
    Und da ging es nicht um 1m zu weit stehen.

  • 3
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    Pixelghost
    06.01.2020

    @ MPvK87, das wüssten Sie gern?

    Hier, bitte:

    https://www.plauen.de/de/amt24/verwaltungseinheiten/453544.php

    Aber ich gehe mal davon aus, dass Sie sicher nichts davon für sinnvoll halten.

  • 5
    7
    MuellerF
    06.01.2020

    "Der Leiter dieser Behörde kann ja nun auch nachträglich die Genehmigung ausstellen, damit der Rechtszustand wieder hergestellt ist."

    Könnte man, ja. Trotzdem kann ja nicht jeder machen, was er will & dann nachträglich Genehmigungen einfordern, statt sich vorher darum zu kümmern.
    Um welchen Straf-Betrag geht es hier überhaupt?

  • 3
    13
    MPvK87
    06.01.2020

    Ob die überflüssige städtische Polizeibehörde auch etwas sinnvolles kann wüsste ich im übrigen auch gerne.
    Und selbstverständlich ist auch interessant, ob die Stadt für 2020 nun sämtliche Stellen besetzen konnge oder wird wie 2019 wieder ein hoher 5 Stelliger Betrag für Grauhemden ausgegeben?

  • 19
    5
    MPvK87
    06.01.2020

    Offiziell versucht die Stadt "wirtschaftsfreundlich" zu sein. Und lässt keine Gelegenheit aus um diese zu schröpfen.
    Der Leiter dieser Behörde kann ja nun auch nachträglich die Genehmigung ausstellen, damit der Rechtszustand wieder hergestellt ist.
    By the way, wie soll er eine Genehmigung vorzeigen die nie existiert hat?
    Übrigens kann man sich so "Heimkehrer Aktionen" wie rund um Weihnachten sparen, wenn derartig Unternehmer behandelt werden.