Weihnachtsmeile lockt mit bunter Palette

Gegen eisigen Wind und Regen helfen nicht nur warme Gedanken, sondern durchaus auch ein Schlückchen "glühender Heinrich". Im Laden gibt es den nicht zu kaufen.

Plauen.

Eine der jährlichen Attraktionen im Advent ist die Weihnachtsmeile an der Elsteraue. Das halbe Vogtland war auch am Wochenende zwischen Komturhof und Handwerkerhäusern wieder unterwegs, ebenso Gäste aus Thüringen und Oberfranken. In diesem Jahr war die Angebotspalette besonders groß. Viele Besucher nutzten zudem die Gelegenheit, sich beim verkaufsoffenen Sonntag mit Geschenken einzudecken. Das konnten sie unter anderem an den Ständen des alternativen Weihnachtsmarktes tun:

Die Welt und Plauen kennt Franziska Unger (42), die bereits in den USA und in Paris gelebt hat sowie in Berlin. Die Künstlerin kann wunderschön schreiben. Handlettering heißt das neuerdings. Für das kreative Hobby gibt Unger Tipps bei Workshops. So können Interessierte zum Beispiel am nächsten Samstag, 15 bis 19 Uhr, lernen, wie man Buchstaben den richtigen Schwung verleiht (www.myfancyletters.com). Unger wohnt jetzt wieder in Plauen, der Stadt ihrer Kindheit. Sie ergänze sich prima mit Mutti Gabriele Koch, übrigens einer Tochter von Plauens "schreibender Urgroßmutter" Marga Koch ("Einmal Hof und zurück"). Koch wiederum malt. Besonders zarte Aquarelle und Ballett-Motive haben es ihr angetan. An seinem Stand im Weisbachschen Haus verlieh das Duo Weihnachtspräsenten eine individuelle Note.

Aus dem Orient nach Plauen hat Vogt Heinrich bei seinem Kreuzzug im 14. Jahrhundert Zutaten mitgebracht, die sich im Plauen der Neuzeit in einem wohl schmeckenden, dampfenden Getränk wiederfinden. "Heinrichs spezial" hat der Komturhof-Förderverein das süffige Getränk genannt. Was wohl alles drin ist? "Orange, Limette, Zimtstange und Sternanis", zählte Vereinsmitglied Ingo Eckardt einige Ingredienzien auf. 60 Liter hatte er allein am Samstag vorrätig. Gegen Wind und Regen draußen und die schleichende Kälte in den meterdicken Mauern des Konventsgebäudes halfen außerdem Zwiebellook, Skiunterwäsche und warme Gedanken. Eckardt hofft im nächsten Jahr auf denkmalschutzgerechte Induktionsinseln an der Decke als Heizquelle. Dafür soll's Geld von der Stadt geben.

Plauener für Plauen haben sich auf ungewöhnliche Weise mit ihrem Büdchen vor der Bleichstraße 7 für ihre Heimatstadt eingesetzt. Mitglieder des Vereins Freunde Plauens sammelten Spenden für die von ihnen initiierte Stadtpark-Fontäne. Das Ziel sei zum Greifen nah, verkündete Volker Barthel: "Die Fontäne wird 2020 definitiv sprudeln." Damit das Vorhaben nebst notwendiger Bauarbeiten drumherum tatsächlich realisiert werden kann, muss es aber noch weiter in der Kasse klingeln.

Ostsee-Gestein an Plauener Hälsen baumeln ließ Birgit Lenk aus Reinsdorf bei Zwickau. Ihre Spezialität: Schmuck aus Draht klöppeln, und manchmal flechte sie eben auch Mineralien (aus Südengland) oder Bernstein, Muscheln und Schwemmholz ein. "Das funktioniert genauso mit Gold- und Silberdraht, aber dann wird's teurer", so die routinierte Kunsthandwerkerin. Lenk schätze ihre hauptsächliche Kundengruppe als mittelalt ein. "Die ganz Jungen sind gepierct", hat sie festgestellt.

Die Macher der Weihnachtsmeile wissen indes schon jetzt, dass es die Veranstaltung auch im Jahr 2020 am zweiten Adventswochenende geben wird - jedoch mit einer Neuerung: "Nächstes Jahr fangen wir später an, wenn's draußen dunkel ist, und öffnen bis abends.", so Renate Wünsche vom Komturhof-Förderverein. Das sei gut für eine besinnliche Stimmung.

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