"Wende 2.0"? Bürgerbewegung '89 weist AfD-Umarmung zurück

Geschichtsunterricht durch Plauens Akteure aus dem Herbst 1989: Statt zu jammern, sollte die AfD Meinungen ertragen.

Plauen.

13 entscheidende Plauener Figuren aus dem Herbst 1989 verwahren sich in einer gemeinsamen Erklärung dagegen, dass die AfD sich mit der damaligen Bürgerbewegung vergleicht oder gar gleichsetzt. Vielmehr trete die Alternative für Deutschland heute manche damals erkämpften Errungenschaften wie Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sowie auch die neu geweckte Hoffnung mit Füßen. Sie betreibe statt dessen Ausgrenzung und Angstmacherei, verdrehe Fakten und begehe Tabubrüche. Eigentlich sei das Verhalten nicht verwunderlich: Schließlich gebe es einige in der AfD, die es "mit der Geschichte bzw. mit Fakten nicht so genau nehmen".

Beispiel Meinungsfreiheit: Im Rahmen des Grundgesetzes "darf jeder sagen, was er denkt", heißt es in der Erklärung. Wer heute "Merkel muss weg" ruft, habe nichts zu befürchten. Eine vergleichbare Äußerung in DDR-Zeiten oder auch heutzutage in Ländern wie Türkei oder Ungarn - da sähe es anders aus. "Meinungsfreiheit heißt aber auch, dass ich Kritik an meinen Äußerungen akzeptieren muss", betonen die Bürgerrechtler. Die AfD indes deute oft Widerspruch gegen ihre Thesen in Einschränkung der Meinungsfreiheit um. "Nein, es sind normale Debatten, denen sich eine Partei stellen muss, ohne zu jammern."

Weitere Argumente der Plauener Bürgerbewegung für die heutzutage weitreichenden Rechte der Menschen: Es gibt freie Wahlen, an denen sogar vom Verfassungsschutz beobachtete Parteien teilnehmen dürfen. Obwohl ein Teil der Medien parteinah sei, gebe es Pressefreiheit und für jeden eine große Auswahl, um sich umfassend zu informieren. Wenn die AfD indes bestimmte Medien von Veranstaltungen ausschließe, dann stehe das konträr zur Haltung der Bürgerbewegung.

"Wir haben die Wahlfälschung aufgedeckt", sagt Diana Zierold, damals als 18-Jährige das Küken in der Bürgerbewegung. Als die AfD mit dem Slogan "Wende 2.0" im Wahlkampf punkten wollte, "hat uns das geärgert", betont Diana Zierold. Da sich die 1989er-Akteure bis heute verbunden sind, startete sie bei einem Treffen den Vorstoß, gegen die AfD-Vereinnahmung etwas zu tun.

Zwischen der damaligen und der heutigen Situation Parallelen zu ziehen, wie es die AfD tue, das weist auch Steffen Kollwitz weit von sich. "Diese Verbindung zu '89 tut fast weh", sagt Kollwitz, der vor 30 Jahren eine der entscheidenden Figuren des sich Bahn brechenden Freiheitswillens und des Umbruchs in Plauen und im Vogtland war.

Zu den Mitunterzeichnern gehört auch Steffen Unglaub. Er sendete den Aufruf an die "Freie Presse" und bat darum, das Papier publik zu machen. Für ihn ist der Erfolg der AfD an das Versagen anderer Parteien geknüpft. Extremen Leuten wie AfD-Politiker Björn Höcke gelte es Einhalt zu gebieten. Allerdings sollte man die Akteure differenziert betrachten. Steffen Unglaub verortet dort aus demokratischer Sicht auch einen Teil "verlorene Menschen, die wir vielleicht zurückholen können".

Die Unterzeichner der Erklärung "Warum es falsch ist, wenn die AfD sich mit der Bürgerbewegung von 1989 vergleicht" sind: Ullrich Franke, Wolfgang Helbig, Klaus Hopf, Thomas Huscher, Uwe Jäkel, Kerstin Kollwitz, Steffen Kollwitz, Jörgen Meyer, Olaf Thiel, Steffen Unglaub, Diana Zierold, Ralf Zierold, Peter Luban. Im Wortlaut ist die Erklärung auf der Homepage der "Freien Presse" nachzulesen. www.freiepresse.de/aufruf89

Bewertung des Artikels: Ø 4.1 Sterne bei 9 Bewertungen
19Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    3
    Interessierte
    20.10.2019

    Die AfD erträgt doch Meinungen , oder nicht , nur , sie widerspricht , genau so , wie die Andersdenkenden auch widersprechen ...

    Diese Unterzeichner , welchen Glauben haben diese Menschen denn ?

  • 6
    4
    Lesemuffel
    20.10.2019

    Danke, Inke, dass Sie nochmal bestätigen, was ich über Ihr Diskussionsniveau geschrieben haben. Ich wünsche Ihnen sogar das Doppelte von dem, was Sie mir wünschen.

  • 4
    8
    Inke
    19.10.2019

    Lesemuffel, meine Kommentare passen Ihnen nicht. Das ist mir wohl bekannt und freut mich. Meine Meinung zu gewissen gesellschaftlichen Themen sage ich, wann und wie ich es für richtig halte. Solange diese hier veröffentlicht wird, besteht für mich auch kein Problem. Ich nutze diese Möglichkeit hier genauso wie viele andere auch. Wenn Ihnen das nicht passt, ist das nicht mein Problem. Wer beauftragt Sie eigentlich, hier zu jedem x-beliebigen Thema Ihren konservativen "Senf" abgeben zu müssen? Dass man Argumente mit Quellenangaben belegt, ist ebenfalls nichts verwerfliches, ganz im Gegenteil. Irgendwelche Behauptungen in den Raum werfen und diese nicht zu hinterlegen, hat nichts mit Diskussion zu tun. Und wenn die Argumente ausgehen, muss man eben persönlich angreifen. Bis neulich und schönen Sonntag!

  • 4
    3
    gelöschter Nutzer
    19.10.2019

    Inke: Das lass ich jetzt mal so unkommentiert stehen.

  • 7
    5
    Lesemuffel
    19.10.2019

    Was mir auffällt, Inke, von Meinungsaustausch verstehen Sie offenbar Null. Da ich sonst stets meine Meinung zu Inhalten hier kundtue und nicht andere Diskutanten massregele, musst ich jetzt mal eine Ausnahme machen. Sie erinnern an eine Art "Beauftragten". Das ist in jedem Ihrer Beiträge der Fall, gespickt mit Verweisen auf Links, sozusagen als Autoritätsnachweis. Aber demokratischer Diskurs geht anders.

  • 3
    9
    Inke
    19.10.2019

    @thomboy: Bitte liefern Sie! Ich merke aber schon, mit Argumenten kommt man bei Ihnen nicht an. Die Mehrheit der Bevölkerung wird diesen Banausen auch weiterhin nicht aufsitzen, darauf können Sie vertrauen. Auch dass die AfD Lösungen anbietet und niemals Hass und Hetze verbreitet, ist einfach nur lächerlich.

  • 5
    6
    gelöschter Nutzer
    19.10.2019

    Inke: Solcherlei Beispiele könnte ich ihnen über andere Parteien ebenso zu genüge liefern. Eigentlich müsste mindestens 90% diese Partei wählen. Aber warten wir es ab...

  • 4
    6
    Inke
    19.10.2019

    @thomboy: Wenn man Ihren letzten Kommentar liest, weiß man nicht, ob man laut loslachen oder einfach nur heulen soll. Dass die AfD demokratisch gewählt wurde, macht sie noch lange nicht zu einer Partei mit demokratischen Inhalten und Absichten. Hören Sie sich bitte von folgendem Link nur die 1. Minute an:

    https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/videosextern/der-desillusionierte-blick-eines-saechsischen-buergermeisters-100.html

    Hier faselt irgendein Schreihals (Originalaufnahme) im Beisein von Jörg Meuthen (!) u.a. von der "alleinigen Macht", die man einfach haben will (wie das bockige Kind im Spielwarengeschäft...). Demokratie definiert sich etwas anders (Gewaltenteilung, Mehrparteiensystem, Meinungs- und Pressefreiheit, ...). Auch kritische Medien auszuschließen oder zerschlagen zu wollen, geht mit demokratischen Absichten nicht so ganz einher. Ich weiß nicht was schlimmer ist, die AfD aus Naivität und Faulheit zur Information oder sie aus purer Überzeugung zu wählen. Informieren Sie sich! Dass ein großer Teil der Bevölkerung AfD wählt, ist noch längst kein Hinweis auf eine "gute Wahl".

  • 5
    3
    Tauchsieder
    19.10.2019

    Sorry, Ergänzung, wäre mir noch wichtig. Vielleicht kann "kgr...." noch den zweiten Hubschrauber beschreiben, da einer von beiden immer beim Tanken war. Kleine Hilfestellung, dieser war kein Polizeihubschrauber!

  • 5
    3
    Tauchsieder
    19.10.2019

    Sollte es so gewesen sein, dann wars eben eine Ka-.. "kgr...", für mich wars eine MI8. Solche Informationen hatten nur Innseiter, oder offizielle, oder inoffizielle Mitarbeiter staatl. "Institutionen".

  • 6
    8
    gelöschter Nutzer
    19.10.2019

    Kgr...: die AfD will nicht die Demokratie in unserem Land abschaffen sondern das Gegenteil sie schürt auch keine Angst und Hass gegen andere Menschen und Kulturen sondern sie ist die einzige Partei die Probleme anspricht die nun mal da sind die sie nicht gemacht hat und bietet Lösungen an. Die AfD wird zur Zeit mehr gebraucht denn je sonst Würde sie ja nicht so von einer breiten Mitte der Bevölkerung gewählt.

  • 6
    7
    kgruenler
    19.10.2019

    Interessant das "Tauchsieder" von einer MI8 aus gefilmt worden sein will. In Plauen kreiste am 7.10.1989 eine Kamow Ka-26 und die Volkspolizei hatte in der DDR lediglich noch eine einzige Mil Mi-2 irgendwo im Einsatz. Vielleicht hat der "Tauchsieder" einfach zu oft Rambo geschaut, aber selbst da kam das Nachfolgemodell der Mil Mi-8, die Mil Mi-24 zum Einsatz.
    Abgesehen von der historischen Verzerrung seitens "Wasserkocher" kann man den Unterzeichnern der Erklärung und Akteuren der damaligen Bürgerrechtsbewegung (einige von Ihnen haben ja die Wahlfälschung aufgedeckt) nur beipflichten und deren Anliegen kräftig unterstützen.
    Niemand braucht die AfD, diese Partei will die bestehende Demokratie in unserem Land abschaffen und schürt Hass und Angst gegen andere Menschen und Kulturen, sowas kann kein vernünftiger gebildeter Mensch gut heißen.

  • 11
    10
    Lesemuffel
    18.10.2019

    Die Bürger Bewegung ist keine geschützte Marke und wenn die 18 1989 für Meinungsfreiheit ua. Auf die Strasse gegangen sind, sollten sie heute noch dazu stehen und Toleranz zeigen. Diffamierung kritischer Menschen, Leute, die nicht drumherumreden, sondern Klartext reden, wie bei Alternative gangundgäbe ist kontraproduktiv und Verrat an den Tausenden Aufrechten vom Herbst 89.

  • 12
    11
    gelöschter Nutzer
    18.10.2019

    Inke: meine Antwort ist noch lange kein "Aufschrei " , dafür gibt es gar keinen Grund. Aber sie sollten schon akzeptieren das es mit der AfD auch Leute gibt die anderer Meinung sind als sie und wenn einer AfD zur Landtagswahl in Sachsen zu unrecht Listenplätze gestrichen werden (unter anderem) dann ist die "Opferrolle " wohl mehr als berechtigt. Und ja, auch wir sind das Volk. Wenn wie in Leipzig Kräne und Bagger angezündet werden dann sind das schon gefährliche politische Tendenzen.

  • 12
    8
    ths1
    18.10.2019

    Ausgelöst durch die aktuelle Shell-Jugendstudie findet gerade ein spannender Diskurs zum Thema Meinungsfreiheit statt. Dazu kann ich nur sagen: Entweder man diskutiert über Meinungsfreiheit oder man hat sie. Besser wäre es also, die Altforderen der Bürgerbewegung würden sich mal mit dieser Entwicklung beschäftigen als mit AfD-Bashing - auch wenn das nun mal Mainstream ist.

  • 12
    13
    Tauchsieder
    18.10.2019

    Zitat aus dem Text: - Weitere Argumente der Plauener Bürgerbewegung ..... - Zitat Ende.
    Wenn die 13 Plauener Figuren, so wie sie die Presse bezeichnet, für sich sprechen, ist dies ihr gutes Recht. Für die Bürgerbewegung generell zu sprechen, sie für sich zu vereinnahmen, dazu haben sie kein Mandat, dazu sind sie nicht berechtigt.
    Viele tausende von Menschen gehörten der damaligen Bürgerbewegung an, unter anderem auch ich. Am 7.10.89, um 15 Uhr, wurde ich am "Tunnel" in Plauen von einem Wasserwerfer der Feuerwehr "abgeduscht". Dieses wurde von einem MI8 Hubschrauber aus gefilmt und ich durfte an der Mauer im Gefängnis auf dem Amtsberg, mit nassen Klamotten, die Nacht verbringen.
    Für mich sprechen diese 13 Figuren nicht und auch sicherlich nicht für viele tausend Bürger die damals auf die Straße gingen. Genau dafür sind wir nicht auf die Straße gegangen, um Jahre später, von oben etwas übergestülpt zu bekommen, was ein Großteil der Bevölkerung nicht wünscht. Alles andere dahinein zu interpretieren könnte man auch als Geschichtsfledderei bezeichnen.

  • 14
    14
    Inke
    18.10.2019

    @thomboy: Ihr Aufschrei war so sicher wie das Amen in der Kirche. Wieder einmal kann man sich in der beliebten Opferrolle suhlen. Die im Artikel benannten Akteure sagen es wie es ist. Auch die "Wir sind das Volk"-Sprüche ihrer Genossen sind völlig deplaziert. Es gibt ganz andere politische Tendenzen, die es heutzutage in die Schranken zu weisen gilt.

  • 14
    18
    gelöschter Nutzer
    18.10.2019

    Im übrigen "jammert" die AfD nicht sondern spricht Probleme an die andere nicht ansprechen und muss, bzw. erträgt mehr Meinungen als die meisten anderen Parteien.

  • 10
    18
    gelöschter Nutzer
    18.10.2019

    Die AfD hat teilweise schon recht. Es sind inzwischen wieder (oder noch) Leute in Ämtern die aufgrund ihrer Tätigkeiten zu DDR Zeiten auf keinen Fall in diese Ämter gehören. Es sind teilweise Tendenzen erkennbar den DDR Unrechtsstaat zu verharmlosen oder zu negieren. Hier war man teilweise nicht Konsequent genug und sollte SEHR wachsam sein über die weitere Entwicklung.



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