Wende-Film "Aufbrüche": Voller Saal zur Premiere

Der Dokumentarfilm beschäftigt sich damit, wie sich die Region seit der Friedlichen Revolution entwickelt hat und welche Probleme dabei entstanden sind. Zur Premiere im Malzhaus reichten die Plätze nicht aus. Aber es gibt weitere Aufführungen.

Plauen.

Für die Premiere seines neuen Films hat sich Tino Peisker einen historischen Ort ausgesucht. Das Malzhaus. Der Stasi-Kader sah darin einst ein "konterrevolutionäres Zentrum" und schloss das Malzhaus. 30 Jahre später hat der Plauener Filmemacher Peisker, der damals Jugendlicher war, die Ereignisse dokumentiert und in die Gegenwart transformiert.

Rund 300 Gäste sahen die Filmpremiere am Freitagabend in der Galerie des Malzhauses. Die Plätze reichten bei weitem nicht aus. Viele Besucher gingen wieder nach Hause. Denn schon 20 Minuten vor Beginn der Vorstellung waren selbst Stehplätze mit schlechter Sicht auf die Bildwand kaum noch zu bekommen. Weitere Vorstellungen sind jedoch angekündigt.

Die 45 Minuten lange Doku handelt von den Ereignissen im Herbst 1989 in Plauen und von der weiteren Entwicklung. Peisker lässt Menschen sprechen, die die Zeit miterlebt haben und sie in den Kontext der Gegenwart setzen. Finanziert wurde der Film unter anderem durch das Förderprogramm "Revolution und Demokratie" des Freistaates Sachsen, mit Spenden der Sparkasse Vogtland sowie der VR Bank Bayreuth-Hof. Am Dienstag um 19 Uhr zeigt ihn die Jürgen-Fuchs-Bibliothek am Markt in Reichenbach, 8. November um 18 Uhr die VR Bank an der Krausenstraße in Plauen.

Welches Ausmaß hatte der wirtschaftliche Einbruch nach 1990? Wo lagen die Probleme? Was hätte man besser machen können in den vergangenen drei Jahrzehnten? Fragen wie diese hat Tino Peisker Zeitzeugen wie Jürgen Fritzlar gestellt, der früher in leitender Position beim VEB Plauener Spitze gearbeitet hat. Auch Mario Goldstein, der zu DDR-Zeiten einen Fluchtversuch in den Westen unternahm, und die Autorin des Buches "Umkämpfte Zone" über die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit waren Gesprächspartner des Filmteams.

Nach der Aufführung gab es viel Applaus. Prominenter Gast war Bürgerrechtler und Stasi-Unterlagenbeauftragter Lutz Rathenow, der anschließend an einer Diskussionsrunde teilnahm.


Zitate aus dem Dokumentarfilm "Aufbrüche"

Jürgen Fritzlar, früherer Geschäftsführer beim VEB Plauener Spitze: Über die Zeit in der DDR: "Ich hatte in der Plauener Spitze 6000 Beschäftigte. Im Sommer 89 wurden es tagtäglich weniger, und ich hatte Exportpläne zu erfüllen. Das ist, wo man dann nachdenkt und sagt: Hier bekommst du keine Antworten mehr, hier muss sich was ändern."

Fritzlar zur heutigen Situation:

"Es lebt ja in Plauen im Moment auch eine Generation, die hat seit der Wende nicht mehr gearbeitet, und die haben schon wieder Kinder in die Welt gesetzt. Die sind nie in Familien groß geworden, wo gearbeitet wurde."

Achim Knabe, ehemaliger Geschäftsführer von Neoplan:

"Einem Großteil der Bevölkerung der ehemaligen DDR war nicht so klar ersichtlich, dass die DDR aus dem letzten Loch gepfiffen hat. Es gab ständig Mangelwirtschaft. Aber wie tief die Mangelwirtschaft, wie tief die Industrie und die Wirtschaft wirklich gesunken waren, hat sich den wenigsten erschlossen."

Steffen Kollwitz, Kommunalwahlbeobachter von 1989, über seine heutigen Begegnungen mit Jugendlichen: "Man merkt, dass es für die Jugendlichen schwer ist, zu Hause mit Oma, Opa und Eltern über die Zeit ins Gespräch zu kommen, weil da noch viele Sachen sind, über die nicht gerne gesprochen wird."

Kollwitz über Vergleiche der heutigen Situation mit der DDR:

"Es tut mir heute weh, wenn ich einige Leute davon reden höre, dass es keine Meinungsfreiheit jetzt gibt, dass das ja genauso schlimm ist wie früher. Das tut mir wirklich sehr weh, wenn ich sowas höre. Das ist kein Vergleich und das sollte man tunlichst unterlassen, das mit damals zu vergleichen."

Jörg Schneider, der 1989 mit Flugblättern zur Demo aufgerufen hatte, über die jetzige Situation:

"Wir sind eigentlich von diesem Weg hin zur Demokratie auf die schiefe Bahn geraten zu einer Diktatur des Kapitals. Da stecken wir mittendrin."

Ines Geipel, DDR-Leichtathletin, über das, was jetzt wichtig ist: "Es geht wirklich politisch um die Wurst, und es ist ernst, dass das verhindert wird, dass wir in eine neue Diktatur rutschen." (pa)

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