Wendezentrum in Plauen: Zähes Ringen um beste Lösung

Die Diskussion um den Standort eines geplanten Informations- und Dokumentationszentrums zur Rolle Plauens im Herbst 1989 nimmt erneut Fahrt auf. Die "Freie Presse" gibt den Plauenern jetzt eine Stimme für ihre Meinung.

Plauen.

Seit 2010 erinnert die Stadt Plauen mit einem Wendedenkmal stolz an ihre Rolle in der Friedlichen Revolution 1989. Was fehlt, ist eine ständige Ausstellung für Touristen und Schulklassen. Ein solches Informations- und Dokumentationszentrum (IDZ) hat der Verein Plauen-Vogtland '89 angeregt, der aus Aktivisten und Zeitzeugen jener Tage besteht.

Grundsätzlich hat sich der Stadtrat bereits zu dem Vorhaben bekannt, doch die Suche nach dem besten Standort dauert an: Seit mehr als einem Jahr ringen die Stadträte um eine Lösung. In ihrem Auftrag hat die Stadtverwaltung jetzt eine umfangreiche Varianten- und Kostenuntersuchung erstellt und vorgelegt. Mögliche Betreiberkonzepte und Betrachtungen zu Folgekosten wurden ebenso wie verkehrstechnische Fragen einbezogen.

Fazit der knapp 40-seitigen Untersuchung (ohne Anlagen): Den Stadträten wird "unter Berücksichtigung aller Argumente" ein 440 Quadratmeter großer Neubau an der Melanchthonstraße 1 a vorgeschlagen - in Verbindung mit einer öffentlichen Toilettenanlage für das Stadtzentrum und einer neuen Tourist-Information.

Eine erste Beratung der Untersuchungsergebnisse im Stadtratsausschuss für Kultur und Bildung am Donnerstagabend hat deutlich gemacht: Nach wie vor gibt es zahlreiche Befürworter, die das IDZ im ehemaligen Brandschutzamt am Oberen Graben 20 besser aufgehoben sehen. Bisher unterhält der Verein Plauen-Vogtland '89 in einem Teil des Gebäudes einen Schauraum mit dem in den Herbsttagen 1989 als Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzten Feuerwehrlöschfahrzeug. Bei Sanierung und Umbau des Gebäudes zum IDZ würden rund 1000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Auch die An- und Abfahrt für Reisebusse ist an dem Standort besser machbar.

Der Verein Plauen-Vogtland '89 als Initiator hat sich unterdessen wiederholt für den Neubau an der Melanchthonstraße ausgesprochen. Vorsitzender Manfred Sörgel: "Wir wollen keine Hinterhof-Garagen-Situation." Das Feuerwehrfahrzeug könne am Neubau-Standort - hinter Glas oder nachts sogar beleuchtet - viel besser zur Schau gestellt werden. In Verbindung mit einer gut sichtbaren Tourist-Information sowie öffentlichen Toilettenanlagen könnte eine echte "Willkommenssituation" für Touristen mitten in der Stadt entstehen, so Dirk Heinze vom Verein. Die Entscheidung soll in der Stadtratssitzung am 20. Oktober fallen.

Die Untersuchung mit dem Standortvergleich in ausführlicher Form finden Sie hier: Zur Untersuchung

Ihre Stimme zur Standortfrage können Sie bis Montag, 18 Uhr hier abgeben: Zur Umfrage


Ihre Meinung ist gefragt

Wie würden Sie entscheiden? Welcher Standort ist Ihr Favorit?

Rufen Sie uns an:

Neubau am Wendedenkmal: 01376 6030-40

Früheres Brandschutzamt: 01376 6030-41

Keines von beiden: 01376 6030-42

Die Leitungen sind heute, ab 6 Uhr, bis Montag, 18 Uhr, geschaltet. Ein Anruf kostet 25 Cent aus dem Festnetz der Deutschen Telekom. Andere Netze können davon abweichen.


Standort Melanchthonstraße 1a - Neubau

Das spricht dafür:

Das Wendezentrum würde am Ereignisort, dem der Demonstrationen, entstehen. Die Touristinformation erhielte zugleich attraktive neue Räumlichkeiten und wäre besser wahrnehmbar. Es ergeben sich Synergieeffekte: Eine Ausstellung könne durch Personal der Touristinfo mit betreut werden. Im Stadtzentrum entstünde eine neue öffentliche Toilettenanlage mit Wickelraum. Die Ausstattungskosten wären mit rund 148.500 Euro am niedrigsten.

Das spricht dagegen:

An- und Abfahrt für Busse ist nicht optimal. Ein Neubau ist nicht förderfähig.

Baukosten: rund 2,1 Millionen Euro.

Bauzeit: geschätzt zwei Jahre (inklusive Planung).


Standort Früheres Brandschutzamt am Oberen Graben 20

Das spricht dafür:

Die Wahl würde auf einen authentischen Ort fallen: Dortwar das später zum Wasserwerfer umfunktionierte Löschfahrzeug untergebracht. Die Lage zwischen Vogtlandmuseum und Jugendherberge ist gut. Auch die Verkehrssituation sieht besser aus: Busse können direkt dort halten und parken. Die Kosten halten sich dank möglicher Förderung für das denkmalgeschützte Gebäude im Rahmen.

Das spricht dagegen:

Am Rande der City wäre der Standort entfernt vom Wendedenkmal. Außerdem müssten Mitarbeiter eingestellt werden. Würde nur im Erdgeschoss gebaut, wäre die Fläche zu klein.

Baukosten:640.000 und rund 2,5 Millionen Euro - je nach Variante.

Bauzeit:geschätzt eineinhalb Jahre.


Das sagen die Stadträte

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP): "Ich bin für eine maßvolle Erinnerung. Oder wollen wir ein DDR-Museum gründen? Es existieren ja auch nur wenige Zeitdokumente. Das ZDF war erst zwei Tage später da - in Leipzig."

Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU): "Es fehlt an Konzepten für beide Standorte. Ein 'Traditionszimmer der Friedlichen Revolution' reicht nicht, um damalige Geschehnisse einordnen zu können. In der momentanen Haushaltslage empfinde ich die Neubau-Ausgaben als nicht verhältnismäßig."

Petra Rank(Die Linke): "Ist denn wirklich mit hohen Besucherzahlen zu rechnen? Ich befürchte, wir übernehmen uns mit dem Neubau. Die Mittel dafür entfallen dann ja woanders."

Hansgünter Fleischer (beratender Bürger, CDU): "Wer die ausführliche Standortanalyse des Rathauses mit ihren 79 Seiten aufmerksam gelesen hat, muss für den Neubau stimmen."

Sven Gerbeth (FDP): "Ich kann die Argumente der Verwaltung für die Melanchthonstraße nachvollziehen."

Ingo Eckardt (CDU): "Ich wünsche mir eine Bürgerbefragung. Schließlich waren damals 15.000 Demonstranten auf der Straße."

Frank Schaufel (AfD): "Ob sie nun oben etwas ranbauen oder neu bauen, ist ja dasselbe."

Lutz Kowalzick (CDU): "Mir würde es besser gefallen, die jetzige Touristinfo aufzupeppen und den Standort am Oberen Graben als Museumsmeile zu entwickeln." (sasch)

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