Wenn der kleine Hunger kommt

Die A 72 ist jetzt 80 geworden. Wer auf ihr fährt und an ihr arbeitet, kann Geschichten erzählen. Heute: Im Globus kümmert man sich um Reisende. Sie stehen nicht nur auf Leberkäse-Brötchen.

Weischlitz.

Wenn Reisenden der Magen knurrt, aber noch 250 Kilometer bis zum Ziel zu fahren sind, wird oft in Höhe der Autobahn-Abfahrt Pirk der Blinker eingeschaltet. Entweder der linke oder der rechte, das ist davon abhängig, ob man nun aus Sachsen kommt oder aus Bayern. Gleich nach der Autobahn, in Weischlitz, wartet das Globus-Einkaufscenter. Nicht nur mit Mittagsgerichten.

Von den gut 800 Portionen, die zwischen 11 und 14 Uhr angeboten werden, geht rund die Hälfte an hungrige Menschen, die nicht aus dem Vogtland stammen. Das schätzt Alexander Schneider. Der 37-jährige Koch ist stellvertretender Gastro-Leiter, einem Bereich mit etwa 30Mitarbeitern. Seit 21 Jahren schwingt der Familienvater aus Tirpersdorf den Kochlöffel bei Globus. Die Küche teilt er sich mit fünf Kollegen. Schneider legt Wert auf Abwechslung. Wenn er die Speisepläne erstellt, spiele das eine Rolle, sagt er. Manchmal denkt er bereits auf dem 20-minütigen Weg zur Arbeit darüber nach, welche Waren es zu bestellen gilt.

Über die A 72 fährt Schneider selbst nicht so oft. Er schleicht über die Dörfer. Für ihn sei das unkomplizierter. Aber wenn's in den Urlaub geht, dann gern via Autobahn, sagt der Mann, der daheim selten kocht. "Am liebsten esse ich Klöße, Rotkraut und Braten", sagt der leidenschaftliche Topfgucker. Das können die Gäste nun auch bald bei ihm, denn dem Globus steht ein großflächiger Umbau des Gastro-Bereichs bevor. "Aus 220 Sitzplätzen sollen 300 werden", stellt Geschäftsleiterin Kitty Fischer in Aussicht. Vieles werde sich ändern, moderner sein, verspricht sie. Worauf die Gäste sich weiterhin verlassen können, sind regionale Rezepte wie Schneiders Dauerbrenner: vogtländische Roulade, Jägerschnitzel und Fischfilets. "Scholle oder Seelachs kommen bei den Kunden besonders gern auf die Teller", so Schneiders Erfahrung. Beliebt bei Feinschmeckern ist auch das legendäre Leberkäse-Brötchen.

Ob für Pendler, Urlauber oder "Nur-Einkäufer" - in jedem Fall gibt's traditionelle Küche, und es wird selbst vor Ort gekocht - künftig sogar vor den Augen der Gäste. Frontcooking nennt sich diese Art der Speisenzubereitung auf Englisch oder auch Neudeutsch. Das Essen wird dabei mit frischen Zutaten und live zubereitet. "Ich habe mir das erst kürzlich im Globus in Gera angeschaut und bin begeistert", sagt Schneider.

Die direkte Anbindung an den Fernverkehr ist ein großes Plus für den Globus. Sie ist es schon seit einem Vierteljahrhundert. Und so kommt es, dass unter den Senioren und jungen Müttern, die sich regelmäßig einmal im Monat dort treffen, auch zahlreiche Oberfranken sind. Gleiches trifft auf die Bauarbeiter zu. Sie rutschen pünktlich um 8 Uhr mal schnell zum Globus hin, auch über die Autobahn. "Wir wollen ja viele verschiedene Zielgruppen bedienen", erklärt Fischer die Offerten. Neuester Clou: Familien können bei Globus mittlerweile Geburtstage feiern. Gerne trifft man sich am Freitagabend. "Dann gibt's wöchentlich wechselndes Themen-Buffet", so Schneider. "Alles, was auf einen Teller passt", ergänzt Fischer.

Perspektivisch soll es "chilliger" werden im Gastrobereich: Einzelne Ecken werden nach der Schönheitskur Lounge-Charakter haben. Ruheinseln sollen einladen, die Batterien aufzuladen. Frisch aufgetankt geht's dann auf eine weitere lange Autobahnfahrt auf die A 72.

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