Werkstätten für Behinderte geschlossen

Träger übt Kritik an später Entscheidung

Reichenbach.

Die Werkstätten und andere tagesstrukturierende Angebote für behinderte Menschen sind seit dem Wochenende geschlossen. Für sie gilt im Kampf gegen die Corona-Pandemie zunächst bis 20. April ein Betretungsverbot. Im Vogtland sind unter anderem die Göltzschtalwerkstätten der Diakonie Auerbach, die Werkstätten Obervogtland des Marienstifts Oelsnitz, der Werkstättenverbund der Lebenshilfe Plauen sowie die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) der Lebenshilfe Reichenbach betroffen.

Der Lebenshilfe Reichenbach ging diese Entscheidung zu langsam. Sie war bereits vorigen Mittwoch vorgeprescht und hatte beschlossen, ihre Werkstatt, die 220 Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben bietet, eigenmächtig zu schließen. Der geschäftsführende Vorstand Torsten Stolpmann sagte: "Ich hätte mir gewünscht, dass der Freistaat Sachsen bereits im Paket mit der Schließung von Schulen und Kitas eine Entscheidung zum Schutz der Mitarbeiter von Behindertenwerkstätten getroffen hätte." Doch anders als in Thüringen und Sachsen-Anhalt, wo bereits am 16. beziehungsweise 17. März ein Betretungsverbot von Behindertenwerkstätten zusammen mit anderen Einschränkungen erlassen wurde, suchte man eine solche Passage in Sachsen vergebens.

In einem Offenen Brief an das Sozialministerium und die Kostenträger hatte Stolpmann auf die Lage aufmerksam gemacht. Mit großer Enttäuschung nehme er wahr, "dass Menschen mit Behinderung und diejenigen, welche sich um sie kümmern, in diesen schwierigen Zeiten im Stich gelassen werden". Er forderte die Landesregierung auf, eine klare Handlungsempfehlung zu geben.

Seit Donnerstagabend kursierte unter den Trägern der Werkstätten dann bereits ein Vorabzug der Allgemeinverfügung aus Dresden, handschriftlich auf den 18. März datiert. Der tatsächliche Erlass trägt nun das Datum 20. März. Er wurde am Samstag im 5. Sonderdruck des Sächsischen Amtsblattes veröffentlicht. In Kraft trat er am Tage nach der Bekanntgabe. "Er ist erst rechtskräftig, wenn er im Sächsischen Amtsblatt erschienen ist", erklärte Ministeriumssprecher Andreas Friedrich. Das ist vor allem für Fragen der Finanzierung von Bedeutung. (gb)


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