Wie Rassismus im Alltag sichtbar ist

Mit einer Diskussion über Rassismus in Plauen hat der Verein Colorido einen Reigen von Veranstaltungen eröffnet. Kommunalpolitiker berichteten über persönliche Erlebnisse.

Plauen.

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus finden jährlich rund um den Tag gegen Rassismus am 21. März statt. Der vor zwei Jahren gegründete und 15 Mitglieder zählende Verein Colorido hat am Montagabend in der Jugendherberge mit einer Podiumsdiskussion zu dem Thema einen Reigen von Veranstaltungen gestartet. Die erstrecken sich bis Donnerstag, 21. März. Die Gemeinschaft will sich für Verständigung und Toleranz der unterschiedlichen Kulturen einsetzen. Der Plauener Schauspieler Jörg Simmat moderierte die Gesprächsrunde mit Kommunalpolitikern der Region. Die berichteten über persönliche Erlebnisse und gaben ihre Ansichten zum Thema wieder.

Im Alltag habe man "fast täglich mit Rassismus zu tun", sagte Sven Gerbeth von der FDP. Weil ein Schüler mal ein Buch vergessen hatte und das einer ausländischen Mitschülerin verwenden sollte, kam die Antwort: "Nein, von der will ich das Buch nicht haben", berichtete der Lehrer. Wenn mit Kopftuch bekleidete Frauen in Chemnitz in den Bus einsteigen, könne man die skeptischen Blicke anderer Fahrgäste sehen, gab Matthias Boehle von "Die Partei" seine Erfahrungen wieder. Auch jüngste Ausschreitungen bei einer Demonstrationen hätten den Rassismus von Mitbürgern gezeigt.

"Meine beste Freundin ist Vietnamesin", sagte Juliane Pfeil-Zabel von der SPD. Als sie 16 Jahre alt war, seien sie vor einer Diskothek abgewiesen worden. Auch alte Bekannte kommen ihr heute manchmal mit rassistischen Sprüchen, ließ die 32-Jährige wissen. "Es gibt einen Alltagsrassismus in Plauen", schätzte sie ein. Auch unter Bankern, Geschäftsführern und Unternehmern gebe es rassistische Ansichten, erklärte Gerhard Liebscher von den Grünen. Mit persönlichen Gesprächen könne man manchmal etwas erreichen bei Mitbürgern, die keinen Umgang mit Ausländern haben und unsicher sind, blickte Maik Schwarz von den Linken auf persönliche Erfahrungen.

Im Vorfeld der Diskussionsrunde hatte es seitens des Vereins Kritik an der Stadtverwaltung gegeben, weil sie keinen Vertreter zu der Veranstaltung geschickt hatte. Kurzfristig eingehende Einladungen könnten manchmal nicht berücksichtigt werden, hieß es auf Nachfrage von "Freie Presse" aus der Rathauspresseabteilung, warum die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Plauen ohne Rathausvertreter eröffnet wurden.


Programm

Buchlesung "Joki und die Wölfe" mit Grit Poppe, Donnerstag, 14. März, 16.30 Uhr, Galerie Forum K Plauen.

Liederabend mit Walid Habash und Ittai Rosenbaum, Samstag, 19.30 Uhr, Galerie Forum K Plauen.

Diskussion "Prominent gegen Rassismus" mit Schauspieler Kai Schumann, Dienstag, 19. März, 18 Uhr, Malzhaus.

Buchlesung "Unter Sachsen" mit musikalischer Umrahmung und Imbiss aus aller Welt, Mittwoch, 20. März, 18 Uhr, Galerie im Malzhaus.

Menschenkette vom Plauener Rathaus zum Landratsamt als Zeichen gegen Rassismus, Donnerstag, 21. März, 17 Uhr.

Vortrag "NSU Prozess beendet - Aufarbeitung auch?" mit Fritz Burschel, Donnerstag, 21. März, 19.30 Uhr, Jugendherberge "Alte Feuerwache". (pa)

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